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Ein Gebäude der Firma Bayern-Ei. Von hier soll der Salmonellen-Ausbruch ausgegangen sein.

Massentötung von Hühnern

Salmonellen: Tabula rasa bei ,Bayern-Ei’

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Ettling - Die Firma „Bayern-Ei“, wegen Salmonellen unter Verdacht geraten, reagiert auf anhaltenden Druck: Sie wechselt in einem ihrer Betriebe den gesamten Legehennen-Bestand aus. Rund 460 000 Hühner werden getötet, Spezialfirmen sollen die Anlagen desinfizieren.

Seit Mai steht „Bayern-Ei“, das Imperium der Familie Pohlmann mit vier Legehennen-Anlagen im Freistaat, im Mittelpunkt eines Salmonellen-Skandals. Die Staatsanwaltschaft Regensburg geht dem Verdacht nach, dass Eier von „Bayern-Ei“ für den Ausbruch einer Salmonellen-Infektion im Juni 2014 in Österreich, Frankreich, Großbritannien und auch Bayern verantwortlich ist. Zwei Menschen sollen gestorben sein.

Nun reagiert das Unternehmen offenbar. In Ettling (Kreis Dingolfing-Landau), einem der vier Betriebs-Standorte, soll ab heute mit der Tötung des gesamten Legehennen-Bestands begonnen werden, erklärte ein Sprecher des Landratsamtes. In der Anlage ist die Haltung von maximal 487 500 Legehennen genehmigt, offenbar ist der Ist-Bestand etwas geringer, rund 460 000 Tiere.

Das Auswechseln des Legehennen-Bestands ist eigentlich Routine und erfolgt etwa ein Mal im Jahr – länger halten die Hühner nicht durch. „Diese Maßnahme wird jetzt aber vorgezogen“, so der Sprecher. Der jetzige Bestand sei erst seit 19. Juli 2014 in der Anlage. Er werde jetzt in einem Schlachthof außerhalb des Landkreises getötet – was mit den Kadavern geschieht, ist dem Landratsamt nicht bekannt. Ziel sei es aber nun, durch die vorgezogene Massentötung den Betrieb endlich Salmonellen-frei zu bekommen.

Denn seit mindestens April 2014 werden auf den Eier-Schalen von „Bayern-Ei“ aus Ettling immer wieder Salmonellen festgestellt. Seit mindestens August 2014 werden die Eier – täglich rund 400 000 Stück – daher nur noch als so genannte B-Ware verkauft. B-Ware bedeutet: Die Eier dürfen nur für Nudeln, Pudding oder Shampoo verwendet werden, nicht aber als „A-Ware“ im Rohzustand an den Verbraucher gelangen. „Es liegt in seinem eigenen Interesse, dass Pohlmann dies wieder ändert“, heißt es aus dem Landratsamt in Dingolfing. Denn A-Ware ist natürlich teurer als B-Ware.

Nach der Schlachtung der Legehennen soll der Betrieb durch Spezialtrupps desinfiziert werden. Mehrere Fachfirmen seien engagiert worden, erklärte die Kreisbehörde. Der Dingolfinger Landrat Heinrich Trapp (SPD) macht aus seinem Argwohn gegen die Firma keinen Hehl. Er esse nur Eier aus Freilandhaltung, die Anlage selbst bezeichnete er als „Hühner-KZ“. Trapp ärgert sich auch über langwierige Kontrollen und nennt als Beispiel einen Kontrollvorgang vom Frühjahr 2014. Lebensmittel-Kontrolleure seiner Behörden hätten am 18. Februar 2014 Proben in Ettling genommen; einen Tag später waren sie schon beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Doch erst am 9. April 2014 lag das Testergebnis vor. Hintergrund ist, dass die Kontrolleure des Landratsamtes nicht die technische Ausstattung haben, um die Eier selbst auf Salmonellen zu testen. „Das hat unseres Wissens aber kein Landratsamt in Bayern“, so der Sprecher.

Das LGL wiederum wehrte sich gegen die Kritik: Es habe sich damals um eine Routinekontrolle gehandelt, nicht um eine Verdachtskontrolle, die Vorrang habe. Bei den vielen Eierproben, die seit Bekanntwerden der Vorwürfe gegen „Bayern-Ei“ untersucht würden, gehe es viel schneller: in circa einer Woche.

Im Landtag will Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) zusammen mit LGL-Chef Andreas Zapf Details zu den Kontrollen bekannt geben. Erst am 22. Mai gab es eine Großkontrolle in allen vier Betrieben. Scharf kündigte schon gestern eine Verschärfung der Kontrollpraxis an – eine Spezialeinheit „Lebensmittelsicherheit“ am LGL soll künftig auch Geflügelgroßbetriebe kontrollieren – dies war in der Vergangenheit nicht der Fall. Scharf steht unter Druck durch ihren Chef: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dringt auf rückhaltlose Aufklärung des Salmonellenausbruchs. „Ich möchte, dass die ganze Sache völlig vorurteilsfrei und im Sinne des Verbraucherschutzes angegangen wird.“

Dirk Walter

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