Sanfte Aufpasser in den Bergen

München – Der Deutsche Alpenverein will Ranger in den Bergen einsetzen, die Wintersportler auf Abwegen belehren – so soll die Natur geschützt werden. Doch der Plan ist nicht ganz einfach umzusetzen.

Es gibt keine griffige Übersetzung für das englische Wort „Ranger“. Auf deutsch müsste man es umständlich mit „Hüter eines Landschaftsraumes“ umschreiben. Auch der Deutsche Alpenverein sucht noch nach einem passenden Begriff – denn schon bald sollen Ranger in den Bergen für Ordnung sorgen. Auf keinen Fall wolle man „Aufpasser“, sagt Manfred Scheuermann vom DAV. Doch irgendetwas müsse passieren – die Natur leide stellenweise massiv unter der wachsenden Zahl an Wintersportlern in den Bergen.

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Zum wiederholten Male verkündete der Alpenverein bei seiner Jahresbilanz am Donnerstagabend Rekordzuwächse bei den Mitgliedern. Im Jahr 2011 stieg die Zahl um 5,17 Prozent und 46 188 Mitglieder auf 939 063 an – das hat es in der Geschichte des Alpenvereins noch nicht gegeben. Auf dem Vormarsch ist vor allem die Gruppe junger Menschen im Alter von 19 bis 25. „Keine andere Gruppe wächst so stark“, sagte DAV-Präsident Josef Klenner. Bemerkenswert ist auch, dass zunehmend Frauen dem DAV beitreten: Inzwischen sind bereits 40,4 Prozent der Mitglieder weiblich.

Immer mehr Menschen drängen also in die Berge, gerade im Winter, zum Tourengehen, zum Schneeschuh-Wandern. Nicht selten verlassen sie die vom DAV empfohlenen Routen – dabei sind laut Manfred Scheuermann nicht nur die Neulinge das Problem. „Die Unerfahrenen halten sich meist an die Strecken, weil sie sich nicht auskennen“, sagt er. Doch weil auf den bewährten Touren viel los ist, suchen sich Einheimische und erfahrene Wintersportler Alternativ-Routen – zum Leidwesen der Natur. Auerhühner und Birkhühner werden laut Scheuermann in manchen Gegenden empfindlich in ihrer Ruhe gestört. Deshalb will der DAV jetzt verstärkt Ranger einsetzen. Diese sollen im Gelände Empfehlungen geben und aufklären. Wichtig dabei sei viel Fingerspitzengefühl und der richtige Ton.

Wie viele Ranger eingesetzt werden und in welchen Gebieten, ist noch unklar. Auch die Finanzierung muss geklärt werden – nur von Ehrenamtlichen sei dies nicht leistbar, sagt Scheuermann. Der Deutsche Alpenverein hofft auf Unterstützung durch das bayerische Umweltministerium. Im Zuge der Vorbereitungen der Kandidatur Münchens und Garmisch-Partenkirchens für Olympia 2018 sei unter dem Stichwort „Skibergsteigen umweltfreundlich“ Unterstützung zugesagt worden. „Entsprechende Gespräche müssen aber noch geführt werden“, sagte Scheuermann.

Möglich sei auch, die Landkreise einzubinden. In Miesbach beispielsweise gibt es bereits eine halbe Stelle für einen Gebietsbetreuer, der im Gelände unterwegs ist – und Natur-Rowdys auf ihr Fehlverhalten aufmerksam macht.

Carina Lechner

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