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Zwischen Himmel und Erde „fliegen“ Abenteurer mit dem „Flying Fox“ (wie hier in Innsbruck) von Bergspitzen ins Tal. Ist das das Bergerlebnis der Zukunft?

Spielplatz Alpen

„Sanfte Region statt harter Tourismus“

München - Aussichtsplattformen bei Garmisch-Partenkirchen, Flying Foxes am Wendelstein und Osterfelderkopf, breit gebahnte Wege in den Bergen: Werden die Alpen nun endgültig zum Spielplatz? Experten diskutierten die neuesten Trends.

Die Naturschützer schreien auf, die Tourismusindustrie sieht angesichts sinkender Gästezahlen keine andere Lösung. Eine Experten-Runde diskutierte am Dienstagabend beim Deutschen Alpenverein (DAV) in München, ob es auch einen goldenen Mittelweg zwischen naturnahem Tourismus und Abenteuerspielplatz gibt. Und kam dabei auf eine grundsätzliche Fragestellungen: Wie schaut nachhaltiger Tourismus aus? Wie soll man Menschen an die Natur heranführen?

Mit rund 120 Stundenkilometern vom Wendelstein am Seil hinab ins Tal sausen – der angedachte Flying Fox soll laut Tourismusmanager Harald Gmeiner neues Publikum nach Bayrischzell (Kreis Miesbach) locken. „Wir können es uns nicht mehr leisten, eine gewisse Zielgruppe auszuschließen, und die jungen Leute sind unsere Zukunft“, rechtfertigte er die umstrittene Idee.

Der Wendelstein gehöre zu den vier Prozent des Gebietes, die ohnehin schon gut erschlossen seien. Während er glaubt, dort auf Dauer den Tourismus mit solchen Attraktionen ankurbeln und neue Stammgäste gewinnen zu können, hatten viele an diesem Abend Bedenken: Ist das nicht der Startschuss zu einem „Wettrüsten“? Und verschreibt man sich damit nicht kurzlebigen und durchaus teuren Trends, die am Ende zu Investitions- und Bauruinen führen und mit Naturerlebnis ohnehin nichts zu tun haben?

In Sachen Flying Fox – für Moderator Michael Pause eine „andere Art von Achterbahn, die aufs Oktoberfest gehört“ – hielt sich Peter Theimer von der Bayerischen Zugspitzbahn bedeckt: In Garmisch-Partenkirchen ist für derlei Pläne die Münchner Eventagentur Jochen Schweizer verantwortlich. Das Konzept der Bahn besteht vielmehr aus zwei frei schwebenden Aussichtstegen am Osterfelderkopf, aus kinderwagengerechtem Ausbau einiger Wege und aus einem neuen Klettersteig. „Unsere Strategie ist, die vorhandene Infrastruktur optimal zu nutzen und für eine neue Zielgruppe die Berge erlebbar zu machen.“

Pause fügte sarkastisch an, man könne auch den berüchtigten Jubiläumsgrat so ausbauen – und gab das Wort an den Alpinisten Jürgen Winkler weiter. Den packte „das Grausen“: „Es ist traurig, wenn die großartige Bergnatur nicht mehr genügt und man einen Kick daraus macht, den man braucht.“

„Unser einziges Kapital ist die Natur“, pflichtete Sepp Daxenberger , Landtags-Fraktionsvorsitzender der Grünen, bei. In Anbetracht des Klimawandels setzt er auf Wellness und Sommerfrische, um den Tourismus in bergnahen Regionen nachhaltig zu unterstützen, nicht auf Schneekanonen und kurzlebige Attraktionen.

Funparks möchte er dort ansiedeln, wo die Infrastruktur es vorgibt: in städtischen Gebieten. Dies entspricht auch dem klassischen Raumordnungs-Ansatz, der Bayern einteilt in Erschließungs-, Puffer- und Ruhezonen. Für Heinz Röhle, Präsident des DAV , liegt darin auch die Lösung: „Eine sanfte Region sollte nicht auf harten Tourismus setzen.“ Man solle der Nachwelt unerschlossene und sensible Gebiete hinterlassen, in denen man „kein Vehikel braucht, um die Natur erlebbar zu machen“.

Von Freya Oliv

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