Reform im Rettungsdienst

Sanitäter sollen Notärzte entlasten

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Beim Rettungsdienst muss sich einiges ändern: Bis 2024 ist für jeden Sanka ein hauptamtlicher Notfallsanitäter Pflicht. Das BRK begrüßt diese Professionalisierung. Doch die ehrenamtlichen Sanitäter sind in Bayern weiterhin unverzichtbar.

München – Bei einem medizinischen Notfall ist oft der Rettungswagen als erstes an der Einsatzstelle. Drin sitzt dann kein Notarzt, sondern ein – oft ehrenamtlicher – Rettungsassistent. Ihm sind bei der Versorgung von Patienten enge Grenzen gesetzt. Nadeln legen oder Medikamente verabreichen: Das darf nur ein Arzt. Doch das ändert sich momentan. Der Rettungsassistent ist ein Auslaufmodell. Ihn ersetzt als höchste nichtärztliche Qualifikation der Notfallsanitäter. Ein neuer, hauptamtlicher Rettungsberuf mit dreijähriger Ausbildung, der künftig zu jeder Rettungswagenbesatzung gehört. Notfallsanitäter dürfen „invasive medizinische Maßnahmen“ durchführen, also einen Teil der Aufgaben eines Notarztes übernehmen.

Das seit 2014 gültige Notfallsanitätergesetz bedeutet aber auch: Bis zum Ende der Übergangsfrist im Jahr 2024 müssen sich Bayerns Rettungsassistenten in bis zu 500 Schulungsstunden weiterbilden, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. „Wir sind gut in der Zeit“, sagt Leonhard Stärk, Geschäftsführer beim Bayerischen Roten Kreuz. Knapp 1000 der rund 2500 BRK-Rettungsassistenten haben die Weiterbildung absolviert, mehrere hundert angehende Notfallsanitäter sind in der Ausbildung.

Stärk ist von den Vorteilen der Professionalisierung im Rettungsdienst überzeugt. „Das ist eine hoch qualifizierte Ausbildung“, sagt er. Nur an der Bezahlung hapere es, wie so oft in medizinischen Berufen, findet er: „2600 bis 2800 Euro brutto Einstiegsgehalt sind zu wenig.“ Positiv seien dagegen vor allem die erweiterten und klar geregelten Kompetenzen – dass die Notfallsanitäter beispielsweise Infusionen legen oder einem Epileptiker ein Notfallmedikament verabreichen dürfen. „Die Notärzte werden dadurch enorm entlastet“, sagt der BRK-Chef. Er ist überzeugt, dass der Katalog dessen, was die neuen Notfallsanitäter dürfen, in den kommenden fünf Jahren weiter ausgebaut wird. Anfangs seien die Ärzte dagegen gewesen, überhaupt Kompetenzen abzugeben. Das habe sich aber längst geändert. „Der Notarzt wird nie überflüssig sein“, stellt Stärk fest. „Aber er muss nicht wegen jeder Kleinigkeit anrücken.“

Auf die ehrenamtlichen Retter verzichten will das BRK mit der Einführung des Notfallsanitäters aber keinesfalls. Ein Rettungswagen, der nicht ausrücken darf, weil kein solcher verfügbar ist – für Stärk ein Unding. „Für solche Ausnahmefälle brauchen wir dringend auch eine Ausnahmeregelung“, sagt er. Die Einsätze hätten in den vergangenen zehn Jahren um rund 50 Prozent zugenommen. Dazu komme eine „ausgedünnte Kliniklandschaft“. „Wir fahren länger“, konstatiert Stärk. Gerade nachts, am Wochenende und bei Krankheitsausfällen könne das BRK auf seine Freiwilligen bauen.

Und: „Man darf den Ehrenamtlichen nicht die Möglichkeit nehmen, im Rettungsdienst zu arbeiten“, sagt der BRK-Chef. „Wenn man sie von den Menschen fernhält, killt das die Motivation.“ Darum fordert das Rote Kreuz, den Einstieg ins Rettungs-Ehrenamt leichter zu gestalten, zum Beispiel durch flexiblere Ausbildungszeiten. Und ein neues Berufsbild im Rettungsdienst, den „Technischen Rettungssanitäter“, soll es geben: einen Rettungswagen-Fahrer mit medizinischen Grundkenntnissen. Der soll „junge, technisch interessierte Menschen ansprechen“, sagt der BRK-Chef.

Die Notfallversorgung werde nicht unter den gestiegenen Anforderungen leiden, solange es im Notfall Ausnahmeregelungen gibt – davon ist Stärk überzeugt. Flächendeckend schnell zur Stelle sein: „Das schaffen wir auch nach 2024.“

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von Josef Ametsbichler

Rubriklistenbild: © Armin Weigel / dpa

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