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Patschnass wird in diesen Tagen fast jeder, der einen Fuß vor die Tür setzt. Das Tief „Elaine“ sorgt dafür, dass der Sommer buchstäblich ins Wasser fällt. Und in den nächsten Tage bleibt’s dabei: Wetterfeste Kleidung ist Pflicht!

Schafskälte lähmt Bayern

München - Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Das ist angesichts des anhaltenden Sauwetters eine Frage, die Meteorologen, Biergartenbetreiber und Fußballfans gleichermaßen beschäftigt.

Es ist zum narrisch werden. Und dabei hatte Florian Spiegelberger alles so schön geplant. Das volle Programm wollte der Gastronom zur WM auffahren, mit Großleinwand, Pavillon und Zelt. Der Biergarten des „Dorfgasthofs Alter Wirt“ – ein Familienbetrieb – sollte die perfekte Kulisse für spannende Fußballabende sein. Abseits der Hauptstraße in Fahrenzhausen (Kreis Freising) liegt er ruhig und beschaulich. Ein bisschen zu ruhig für Spiegelbergers Geschmack. Jetzt steht er im Regen und hadert mit der Biergartensaison. „Dabei sind wir auf die Einnahmen angewiesen“, sagt er.

„Elaine“ ist schuld

Schuld an der Misere ist das Tiefdruckgebiet „Elaine“: Nachdem es jüngst für sintflutartigen Regen im westlichen Mittelmeerraum gesorgt hat, hält es nun Süddeutschland in seinen nassen Klauen. Wer aber jetzt voreilige Schlüsse zieht und den Sommer 2010 verflucht, sei belehrt: „Der Juni liegt bisher um 1,4 Grad über dem langfristigen Mittelwert“, erklärt Diplom-Meteorologe Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst München. Mit durchschnittlich 18 Grad „ist es eigentlich sogar zu warm“.

Damit dürfte es in den nächsten Tagen vorbei sein: Am Wochenende sucht die „Schafskälte“ Bayern heim, mit Höchstwerten von zehn bis 15 Grad. Ihren Namen erhielt diese Wetterlage in Anlehnung an die Schafe, die bis Mitte Juni bereits geschoren und deshalb bei einem plötzlichen Kälteeinbruch besonders gefährdet sind. Die Ursache für die „Schafskälte“ ist die unterschiedlich schnelle Erwärmung von Landmasse und Seewasser. Sie bringt polare Kaltluft mit sich und ist auch als „europäischer Sommermonsun“ bekannt. „Das ist keine ungewöhnliche Erscheinung“, sagt der Meteorologe.

Ein Blick in die Statistik zeigt: „Um die letzte ,Schafskälte‘ auszumachen, muss man nicht lange zurückschauen. Erst im vergangenen Jahr haben wir im Juni einen rapiden Temperaturabfall verzeichnet“, so Wünsche. In der „Fußballarena Lamprecht“ in Peiting (Kreis Weilheim-Schongau) hat man sich indes dem Wetter angepasst. Auf 450 Quadratmetern will das Team von Helmut Heddererich Stadionatmosphäre bieten. Notfalls auch bei Regen: „Wir haben alles dicht gemacht, damit die Besucher im Trockenen sitzen.“

Weil die „Fußballarena“ in einem Innenhof aufgebaut ist, sei auch die Kälte kein größeres Problem. Schwerer wiegt da schon das schleppende Biergartengeschäft: 60 bis 70 Prozent weniger Einnahmen muss Hedderich im Vergleich zum Vorjahr verschmerzen. „Immerhin klappt die Fußball-Übertragung“, sagt er. Anderen Biergartenbetreibern bleibt dagegen nur, ihr Public Viewing in die Gaststube zu verlegen. Was nicht zwingend den Geschmack der Gäste trifft.

„Wenn die Leut’ sich in ein stickiges Zimmer setzen müssen, bleiben die meisten gleich daheim“, meint Philipp Paradiso, der das „Wirtshaus Flößerei“ in Wolfratshausen führt. Eigentlich waren auch hier Übertragungen der wichtigsten Spiele im Biergarten geplant. Daraus wurde bisher nix: „Nur beim Eröffnungsspiel hatten wir gutes Wetter.“ Aber wie wird er denn nun, der Sommer 2010? Auf fixe Vorhersagen wollen sich die Meteorologen nicht festlegen. Verlässliche Prognosen könne der Wetterdienst jeweils nur für die kommenden sieben Tage anstellen, sagt Wünsche. Was darüber hinausgeht, ist reine Spekulation.

Allerdings: „Wir sind gerade im ersten Sommermonat. Da ist noch genügend Spielraum für schöne Sommertage.“ Tatsächlich soll es schon in der kommenden Woche bergauf gehen, pünktlich zum kalendarischen Sommeranfang am 21. Juni. „Es wird wieder wärmer, 20 bis 22 Grad, zwischendrin gibt’s ein bisschen Sonne“, sagt Wünsche. Gastwirt Spiegelberger übt sich derweil in Zweckoptimismus. „Irgendwann muss es besser werden“, seufzt der Wirt. „Es wird ja wohl nicht auch noch schneien...“

Kathrin Brack

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