Einem Betrüger auf der Spur: Millionenbeute im Wald

Rosenheim/Ebbs - In einem Wald soll ein Betrüger aus Rosenheim 1,6 Millionen Euro vergraben haben. Schatzsuchern winkt üppiger Finderlohn – Goldgräberstimmung in Ebbs.

Noch ist es still im Eichelwanger Wald. Unten fließt der Inn an der Autobahn entlang, oben steigen die Fichtenschonungen im felsigen Gelände steil gen Zahmer Kaiser an. Kamerateams stapfen durch den 15 Hektar großen Wald, der einigen einheimischen Landwirten gehört. Sie suchen Schatzsucher, die es aber nicht gibt. Noch nicht gibt. „Aber Schaufeln darf hier eh niemand“, sagt Anton Geißler, Leiter der Gemeindeverwaltung von Ebbs. Dort, nahe bei Kufstein, dicht am bayerischen Gebiet, wird der Schatz des verurteilten Betrügers Augustin G. vermutet. Bis zu 1,6 Millionen sind vergraben. Im Eichelwanger Wald – oder vielleicht ganz woanders? Ein Millionending. Dem Finder winken 40 Prozent.

Augustin G. sei eigentlich „ein herzensguter Mann, der sehr schnell das Vertrauen anderer gewinnen kann“, sagt selbst Peter Astner, der Anwalt betuchter Rosenheimer Kreise, die bei G. viel Geld verloren haben. G. hat es durch dubiose Börsengeschäfte in den Sand gesetzt.

Wir schreiben den 3. Januar 2002, nur drei Tage nach der Euro-Einführung, lässt sich der mit allen Vollmachten ausgestattete damalige Vermögensverwalter G. per „Blitzüberweisung“ von der DAB-Bank München exakt 1 349 810, 56 Euro auf sein Konto bei der Raiffeisenbank Reutte in Tirol transferieren. Weitere Überweisungen folgen – die DAB-Bank beklagt bis heute einen Schaden von rund 1,65 Millionen. Dazu kommen die dubiosen Börsen-Finanzgeschäfte. Wie hoch die Verluste für seine Mandanten damals waren, weiß Anwalt Astner nicht mehr. Nur soviel: „Die niedrigste Summe war 100 000, die höchste 2,1 Millionen Euro.“

G. fliegt rasch auf, weil er sich nicht ins Ausland absetzt, sondern erst mal gemütlich in den Skiurlaub fährt. Er lernt ein Skihaserl kennen, als er die Dame im März 2002 in Frankfurt zum Essen ausführt, klicken die Handschellen. G. kassiert sechs Jahre Haft wegen fünffachen Betrugs in besonders schwerem Fall sowie Untreue. Schon damals ist der Richter davon überzeugt, dass G. „die fehlenden 1,6 Millionen Euro irgendwo verborgen“ hat. Auch Astner ist sich da „sehr sicher“. Der Verdacht liegt auch nahe, weil ein Hobbyarchäologe schon 2002 an einer Friedhofsmauer nahe des Schlosses Ambras bei Innsbruck in einer Stahlkassette 120 500 Euro gefunden hatte – zusammen mit Ausweispapieren des Verurteilten.

2008 kommt G. frei – und seitdem ist ihm Wirtschaftsfahnder Erich S. aus Neumarkt/Oberpfalz auf der Spur. Seine Auftraggeber sind unter anderem ein Ehepaar aus Götting (Kreis Rosenheim) – die beiden 76-Jährigen haben 1,7 Millionen D-Mark verloren – „alles Geld, das wir uns 40 Jahre lang hart erarbeitet und angespart haben“, wie Kurt H. unserer Zeitung sagt.

Eines Nachts im April 2009 beobachtet Detektiv S., wie Augustin G. die Autobahnausfahrt Kufstein Nord nimmt, Richtung Ebbs abbiegt und sein Auto an einer Gärtnerei abstellt. Er verschwindet im Wald, kommt nach einer Stunde wieder. „Er muss dort etwas ausgegraben haben“, ist S. überzeugt. Denn via Mittelsmann übergibt der einstige Betrüger wenig später 100 000 Euro an das Ehepaar aus Götting, vielleicht aus Mitleid, da beide erkrankt sind. Die 500-Euro-Scheine rochen „modrig“ und waren „angeschimmelt“, sagt der Privatfahnder.

Erich S. geht davon aus, dass der offenbar wieder im Landkreis Rosenheim lebende Ex-Betrüger weitere Verstecke hat. Ein Anhaltspunkt: Grainau (Kreis Garmisch-Partenkirchen), wo G. nach seiner Haftentlassung gelebt und teils auch als Produktmanager gearbeitet haben soll.

Kripo und Justizbehörden haben sich lange nicht mehr für G. interessiert und zögern, die Fährte wieder aufzunehmen – „strafrechtlich ist der Fall abgeschlossen,“, sagt ein Rosenheimer Staatsanwalt, „und die Rückführung des Vermögens wäre Aufgabe der DAB-Bank“ – diese müsste ein zivilrechtliches Verfahren gegen G. anstrengen.

Und in Ebbs? Dort freut sich die Tourismusverwaltung über kostenlose Werbung, die der Fall beschert. Wirtin Maria Egger vom stattlichen Gasthaus „Zur Schanz“ ist sogar bereit, mit einem Spaten in der Hand für die Fotografen zu posieren – es sind noch Zimmer frei. „Unsere Gastronomie ist aufnahmefähig“, sagt Amtsleiter Geißler.

Dirk Walter und Rosi Gantner

Rubriklistenbild: © Google Earth

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