Grundstücksbesitzer muss Ausgrabung bezahlen

45 Tonnen Scherben verzögern Baubeginn

Westerndorf – 45 Tonnen alte Fundstücke schlummern unter der Erde, auf der Wolfgang Mayer ein Wohn- und Geschäftsgebäude errichten will. Das hat ihn Zeit gekostet. Und eine Menge Geld. Denn rechtlich ist er verpflichtet, das Denkmal zu erhalten.

Wolfgang Mayer sitzt auf einem riesigen Haufen alter Scherben. Sie schlummern unter der Erde auf seinem Grundstück in Westerndorf (Kreis Rosenheim). Dort sollte bis 2012 ein neues Wohn- und Geschäftsgebäude entstehen. Doch als die Arbeiten im Mai 2011 begannen, kamen die Überreste einer römischen Terra-Sigillata-Manufaktur zum Vorschein. Das bayerische Denkmalschutzgesetz verpflichtet Wolfgang Mayer zu Voruntersuchungen und einer aufwändigen Grabung. Die Kosten dafür, muss jeder Bauherr selbst tragen – ob privat oder Geschäftsgebäude.

In Mayers Fall sind sie aufgrund der Masse an Fundstücken sehr hoch: etwa 150 000 Euro. Rund 45 Tonnen – hauptsächlich Tonscherben. Er wird die Scherben der Archäologischen Staatssammlung in München schenken – und überträgt damit auch die Verpflichtung, die Fundstücke zu archivieren. „Die ganzen Scherben waschen, katalogisieren und lagern – das kann ich nicht leisten“, sagt er.

Müsste er allerdings, sobald er sie ausgraben lässt. Und das muss er, wenn er auf dem Grundstück bauen will, so steht es in den Artikeln 1 und 7 des Denkmalschutzgesetzes. „Wer ein Grundstück besitzt, auf dem ein Bodendenkmal entdeckt wird, darf ohne denkmalrechtliche Erlaubnis nicht bauen“, erklärt Sebastian Sommer, Leiter der Abteilung Bodendenkmäler beim Landesamt für Denkmalschutz. Die Untere Denkmalschutzbehörde muss abschätzen, ob die Entwicklung eines Grundstücks oder der Erhalt eines Denkmals das höhere Ziel ist. „Das kann für einen Grundstückbesitzer bedeuten, dass er nicht bauen darf“, sagt Sommer. „Das ist aber die Ausnahme.“ In 97 Prozent der Fälle muss er das Denkmal vorher ausgraben lassen und es bewahren. So wie in Wolfgang Mayers Fall.

Allerdings sei bekannt gewesen, dass es in Westerndorf ein Bodendenkmal gibt, betont Sommer. In den Bauplänen jeder Gemeinde seien die Flächen markiert, sagt er. „Wir kennen in Bayern rund 50 000 Bodendenkmäler – 2013 gab es bislang nur einen Fall, bei dem Fundstücke unerwartet bei einer Baumaßnahme entdeckt worden sind.“

Sommer betont: „Wer vorsätzlich wegschaut, wenn ein Bodendenkmal entdeckt wird, verstößt gegen das Denkmalschutzgesetz.“ Das kann Bußgelder bis zu 250 000 Euro bedeuten. Dazu kommen die Kosten, die für die Ausgrabungen angefallen wären. Es wird also wesentlich teurer. Wer sich hingegen beraten lässt und von den Bauplänen abweicht, zum Beispiel auf eine Unterkellerung verzichtet, der bekommt die denkmalbedingten Mehrkosten sogar bezuschusst. „Wir versuchen immer einen Weg zu finden, dass Baupläne verwirklicht werden können, ohne dass dabei Bodendenkmäler zerstört werden.“

In Westerndorf im Kreis Rosenheim hoffen die Archäologen noch auf einen großen Fund – etwa den Brennofen. Er wurde in der ehemaligen römischen Siedlung bei Rosenheim noch nicht entdeckt. Wolfgang Mayer hingegen hofft inständig, dass nichts mehr auf seinem Grundstück ausgegraben wird. Die Funde haben seine Baupläne bereits jetzt um anderthalb Jahre verzögert. Das sei ungewöhnlich lang, sagt Sommer. „Vermutlich hängt das damit zusammen, dass Wolfgang Mayer sein eigenen Angestellten mit den aufwändigen Grabungen beauftragt hat, um Löhne zu sparen.“ Wenn die Mitarbeiter der Landesamtes diese Aufgabe übernehmen, dauert es etwa ein halbes Jahr, so Sommer.

Um Hilfestellung zu geben, hat das Landesamt für Denkmalschutz einen kostenlosen Ratgeber für Bauherren zusammengestellt, der auf der Internetseite www.blfd.bayern.de heruntergeladen werden kann oder auf Anfrage kostenlos zugeschickt wird.

Katrin Woitsch und Ramona Anner

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