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Personaldebakel an katholischer Universität

Ein Schicksalstag für Eichstätt

Eichstätt/München – Die Katholische Universität Eichstätt steht vor einer wichtigen Personalentscheidung. Am Montag tagt der Stiftungsrat. Unterdessen läuft hinter den Kulissen ein beispielloses Intrigenspiel.

Seit mindestens sechs Jahren befindet sich die Katholische Universität Eichstätt, die einzige katholische Universität im deutschen Sprachraum mit rund 5000 Studierenden, in einer Art Ausnahmezustand. Seit 2008 nämlich gelingt es nicht, einen Präsidenten für die Einrichtung zu finden, der durchhält. Zum dritten Mal ist jetzt die Präsidentenwahl gescheitert bzw. gar nicht zustande gekommen (wir berichteten).

Am Montag aber will der Stiftungsrat – Vorsitzender ist der Münchner Kardinal Reinhard Marx, Stellvertreter dessen Generalvikar Peter Beer – einen personellen Neubeginn versuchen mit einem Interimspräsidenten, der in den kommenden zwei Jahren die Situation an der Universität befrieden und eine ordentliche Präsidentenwahl vorbereiten soll.

Von wegen friedlich, katholisch und geprägt von christlicher Nächstenliebe: Hinter den Kulissen scheint in Eichstätt an der katholischen Universität ein Machtkampf zwischen den Gremien entbrannt zu sein. Offen will niemand sprechen. Aber hinter vorgehaltener Hand wird davon berichtet, dass vor allem der Philosoph Nikolaus Lobkowicz, von 1984 bis 1996 Präsident der Uni Eichstätt, mit allen Mitteln versucht, seine Kandidaten an die Spitze der Hochschule zu platzieren. Noch wenige Tage vor der Stiftungsrats-Sitzung verschickte er von seinem Wohnsitz Starnberg aus Mails und Briefe, in denen er für einen Schützling wirbt, der sich bei ihm habilitiert hat. Dieser Kandidat, der keine Erfahrungen mit der Leitung einer Hochschule vorweisen kann, wird auch vom Vorsitzenden des Hochschulrates, dem emeritierten Philosophen Professor Wilhelm Vossenkuhl aus München, unterstützt. Gleichzeitig brachte der emeritierte Philosophie-Professor Vossenkuhl aber noch einen eigenen Favoriten ins Spiel. Seltsamerweise der letzte, der auf der Bewerberliste übrig geblieben war. Der Stiftungsrat als Rechtsaufsicht hatte aber am 2. Juli entschieden, das Verfahren zu beenden, weil mit nur einem Kandidaten „eine echte Wahl nicht mehr möglich“ war.

Vossenkuhl soll es auch gewesen sein, der den bisherigen Amtsinhaber Richard Schenk, einen Ordensgeistlichen, zur Aufgabe gedrängt habe. Nicht konfliktfähig sei er, wird ihm aus dem Hochschulrat vorgeworfen. Er lasse Führungsstärke vermissen und sei nicht kommunikativ. Offiziell hatte Schenk im Februar erklärt, dass er das Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgebe. Philosoph Vossenkuhl, ein brillanter Denker und durchsetzungsstarker Charakter, will sich öffentlich nicht zum Personaldebakel äußern. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte er nur: Manchmal müsse man für richtige Entscheidungen entschieden eintreten.

Während die gescheiterte Wahl eines neuen Präsidenten am 2. Juli in der Öffentlichkeit als weitere Panne wahrgenommen wird, hoffen intern Vertreter der Hochschule, dass die Interims-Präsidentschaft eine Chance zur Konsolidierung bedeutet. „Derzeit“, so erklärte ein Insider gegenüber unserer Zeitung, „sind in Deutschland zehn Präsidentenstellen ausgeschrieben.“ Der Markt sei also sehr eng. Ein Aufschub des Wahlverfahrens könne da nur begrüßt werden. Schließlich werde für diese Universität mit ihrem speziellen Auftrag eine „akademisch große Persönlichkeit“ gebraucht. Es gibt aber nicht nur das Personaldebakel. Auch finanziell könnte die KU durchaus Hilfe gebrauchen – doch die außerbayerischen Bistümer halten sich vornehm zurück. In Bayern lässt sich die Kirche die Uni immerhin 15 Millionen Euro im Jahr kosten.

Philipp Abel, Student der Politikwissenschaften und Mitglied im Senat der Hochschule, ist sehr gespannt, für wen sich der Stiftungsrat am kommenden Montag entscheiden wird. Er betont ausdrücklich: „Die Kirche hat viel Raum zur Entfaltung der Gremien zugelassen.“ Sie habe seiner Kenntnis nach nie Einfluss auf die Auswahl der Kandidaten genommen.

Der Student sieht aber auch die Vielzahl der Gremien – Senat, Hochschulrat, Stiftungsrat und Stiftungsvorstand – als einen der Gründe für die Schwierigkeit, zu Entscheidungen zu kommen. „Ich habe den Eindruck, dass es Personen gibt, die ihre Interessen über das Gesamtwohl der Universität stellen“, sagt er kryptisch. Mehr ist ihm nicht zu entlocken. Allerdings legt der Achtsemestler großen Wert darauf, die tollen Studienbedingungen in Eichstätt herauszustellen. „Es gibt hier ein sehr gutes Betreuungsverhältnis zwischen Professoren und Studenten“, lobt er. Eine Universität mit 5000 Studenten sei sehr flexibel. „Wir haben hier Angebote wie den deutsch-französischen Studiengang oder Lateinamerikanistik, die es sonst nirgendwo gibt.“ Die Universität habe sehr zufriedene Studenten und „bringt sehr gute Leute hervor“.

Abel sieht nicht schwarz für die Zukunft der Uni Eichstätt. Aber er hofft, dass es endlich gelingt, die Hochschule wieder in ruhigere Gewässer zu führen. Die operative Ebene funktioniere sehr gut. Er befürchtet aber, dass auf Dauer die nötige Führungskraft, Konzentration und Energie fehlt, „wenn wir so weiter machen“. Montag ist ein wichtiger Tag für die Zukunft der Katholischen Universität in Eichstätt.

Claudia Möllers

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