Kinder, trinkt Milch: Agrarminister Brunner (2.v.l.), Familienstaatssekretär Sackmann (2.v.r.) und Milchprinzessin Anna Wiedinger werben für das gesunde Getränk.

Schlechte Noten fürs Milchprogramm

München - Milch - da sind sich Fachleute einig - ist gesund. Gerade für Kinder. Daher finanziert die EU Schulmilchprogramme, um den Kindern die Milch schmackhaft zu machen. Für die Aktion gibt es aber schlechte Noten von den Rechnungsprüfern.

Das von der EU geförderte Milchprogramm an Schulen findet bei den Wirtschaftsprüfern des Europäischen Rechnungshofes keine Gnade. Die jährlich mit rund 90 Millionen Euro subventionierte Abgabe von Milchprodukten sei „weitgehend unwirksam und hat sehr geringe Auswirkungen“, heißt es in einem in Luxemburg veröffentlichten Kontrollbericht des Gremiums. Das Urteil zum Schulobst-Programm fiel hingegen deutlich besser aus.

275 000 Euro flossen im vergangenen Schuljahr von Brüssel zur Förderung der Schulmilch an Bayerns Schulen. 1730 Schulen und Kindergärten haben das Programm in Anspruch genommen. 1,5 Millionen Kilo Milch wurden an die Mädchen und Buben ausgeschenkt.

Dass die Milch nicht so angenommen wird, wundert Maria Linderer, Geschäftsführerin der Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft, nicht. „Die Attraktivität des Programms ist in den letzten Jahren erheblich gesunken. Momentan werden 250-Milliliter-Packungen Milch mit 4,64 Cent bezuschusst. Eine Portion kostet in den Schulen also immer noch zwischen 40 und 50 Cent.“ Zu teuer für die Kinder, die dann lieber zum Softdrink greifen. Noch im Jahr 2003 betrug der Zuschuss in dem EU-Programm pro Milchpackung 23,24 Cent, die Milch war entsprechend billiger.

Zusätzlich hemmt eine übertriebene Bürokratie den bezuschussten Milchverkauf, kritisiert Linderer. „Die Schulen und Molkereien müssen drei Monate im voraus mitteilen, wieviele Kinder Milch trinken werden. Das wird kontrolliert. Und die Dokumente müssen sieben Jahre lang aufgehoben werden. Kleine Schulen und Kindergärten machen das doch gar nicht mit.“ Sie stellt ganz klar fest: Wenn es die Politik ehrlich damit meine, dass die Kinder mehr Milch trinken sollen, müsse der Zuschuss auf die Hälfte des Verkaufspreises angehoben werden.

Auch das bayerische Landwirtschaftsministerium moniert die von Brüssel aufgebauten Hemmschwellen. Lieferanten - sprich Molkereien - müssen laut Pressesprecher Hubertus Wörner vor Lieferung eine Bürgschaft in Höhe von 110 Prozent der zu erwartenden Beihilfen leisten. Zudem sei Fruchtjoghurt nicht förderfähig, ebenso wenig Milch, die zur Zubereitung von Speisen verwendet wird. Beim gelobten Schulobstprogramm läuft es anders: Hier werden ausschließlich Grundschulen einmal pro Woche kostenlos mit Obst oder Gemüse beliefert. 55 Prozent der bayerischen Grundschüler kommen in den Genuss. Wenn die Milch für die Schüler billiger wäre, davon ist man im Agrarministerium überzeugt, würde sicherlich mehr getrunken. Selbst die EU-Rechnungsprüfer schlagen vor, dass Milchprodukte gratis an Schüler verteilt werden sollten. Dazu müsse das Programm auf die Altersgruppen beschränkt werden, wo der Effekt auf die Ernährung besonders vielversprechend sei.

Der Bauernverband, dem sehr an Förderprogrammen für den Milchabsatz gelegen ist, moniert vor allem die überbordende Bürokratie. Doch auch vom „Marketing“ ist der Verband nicht überzeugt: „Das fängt mit dem Namen ,Schulmilchprogramm’ an“, kritisiert Pressesprecherin Brigitte Scholz. Da sei ein attraktiverer Name fällig - auch müssten mehr Milchprodukte wie Fruchtjoghurt und Milchmixgetränke aufgenommen werden. „Außerdem müsste das Thema Milch viel stärker in die Lehrpläne integriert werden.“

Von Claudia Möllers

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