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Horrorfahrt bei minus 20 Grad: In diesem Transporter hat ein Schleuser 19 Flüchtlinge einfach zurückgelassen.

“Noch nie ein Fall so einer Kälte“

Schleuser lässt Flüchtlinge bei -20 Grad zurück

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Rosenheim - Ein Schleuser hat 19 Flüchtlinge bei eisiger Kälte einfach auf einem Autobahnparkplatz zurückgelassen. Unter ihnen waren vier Kinder.

Skrupellosigkeit ist die Bundespolizei von Schleusern gewöhnt. Doch einen solchen Fall haben die Rosenheimer Einsatzkräfte noch nie erlebt: Bei eisiger Kälte hat ein Schleuser am Samstag 19 Flüchtlinge auf einem Autobahn-Parkplatz im Fahrzeug zurückgelassen. Nach stundenlanger Fahrt bei minus 20 Grad überließ er die Menschen in dem unbeheizten Transporter einfach ihrem Schicksal. Unter ihnen waren vier Kinder, eines davon ein Kleinkind. Das Fahrzeug war unverschlossen. So konnte einer der Flüchtlinge auf dem Parkplatz an der A 93 bei Brannenburg zwei andere Reisende ansprechen und ihnen gestikulierend erklären, dass er Hilfe brauche. Sie erkannten die Notsituation und riefen die Polizei. Als die Beamten und der Notarzt eintrafen, waren die Flüchtlinge bereits stark unterkühlt.

„Sie waren die ganze Nacht bei Eiseskälte unterwegs“, berichtet Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizei in Rosenheim. In dem Transporter gab es weder Sitzgelegenheiten noch Gurte. Die Menschen harrten auf dem Boden sitzend in der Kälte aus. „Sie hatten zwar Jacken, waren auf die Kälte aber überhaupt nicht vorbereitet“, sagt Scharf. Schon auf der Fahrt hätten sie erfrieren können, betont er.

Flüchtlinge hatten keine Reisepapiere

Die Flüchtlinge stammen aus dem Irak, dem Iran und Syrien. Sie hatten keine Reisepapiere. Die Schleuser hatten sie von einem Flüchtlingslager in Italien aus nach Deutschland transportiert. Dafür mussten sie zwischen 500 und 800 Euro pro Person bezahlen. Nach etwa einem halben Tag hatte es offenbar Probleme mit dem Motor des Transporters gegeben. Daraufhin hatte der Fahrer den Wagen einfach zurückgelassen und sich offenbar von einem anderen Schleuser mitnehmen lassen.

Die Bundespolizei hatte für die Asylbewerber die Dienststelle vorgeheizt. Sie bekamen warme Decken und Tee, mussten aber nicht ins Krankenhaus gebracht werden. „Ein Kind war noch so klein, dass der Vater es die ganze Zeit im Arm gehalten hatte“, berichtet Scharf. Immer wieder komme es vor, dass Schleuser Flüchtlinge aussetzen. „Aber noch nie hatten wir einen Fall so einer Kälte“, sagt Scharf.

Drei Kinder ohne Eltern geflüchtet

Nachdem sich die Flüchtlinge aufgewärmt hatten, wurden sie von der Polizei in eine Aufnahmestelle gebracht. Drei der Kinder waren ohne ihre Eltern nach Deutschland geflüchtet, sie alle sind jünger als 14 Jahre und nun in Obhut des Jugendamtes.

Die Fahndung der Landes- und Bundespolizei nach dem Schleuser blieb bislang erfolglos. Zwar habe man das Kennzeichen des britischen Transporters, allzu große Hoffnungen dürfe man sich deswegen aber nicht machen, sagt Scharf. „Das Fahrzeug könnte auch gestohlen sein oder falsche Kennzeichen haben.“ Fest steht bereits, dass der Transporter wohl nicht über die Autobahn nach Deutschland gekommen sei. Die Menschen darin hatten eine Horrorfahrt bei Eiseskälte hinter sich. 

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