Das ist tatsächlich eine Staatsstraße: Wer auf der St 2073 durch Ascholding (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) fährt, sollte vor lauter Löchern besser nicht zu viel Gas geben. Foto: SH

Die schlimmsten Straßen Bayerns

München - Bayerns Straßen sind so „löchrig wie der Sparstrumpf der Landesbank", schimpft die SPD. Tatsächlich investiert die Staatsregierung nur einen Bruchteil der nötigen Mittel. Manche Landkreise trifft es besonders hart.

Nirgendwo in Oberbayern ist der Zustand der Staatsstraßen so schlecht, wie im Landkreis Mühldorf am Inn. Über die Hälfte der Strecke, 52 Prozent, ist sanierungsbedürftig. Geschätzte Kosten: 13,1 Millionen Euro. Kaum besser sieht es in Bad Tölz-Wolfratshausen aus, hier reiht sich auf 86 Kilometern ein Schlagloch an das andere. Doch die Chancen auf frischen Asphalt stehen schlecht, sehr schlecht.

Eine Anfrage beim Innenministerium offenbart: Der Nachholbedarf für die Erhaltung der Fahrbahnen liegt bayernweit bei gewaltigen 720 Millionen Euro. Doch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) muss zugeben, es werden heuer nur 80 Millionen ausgegeben.

Die SPD fordert nun dringend höhere Investitionen und warnt, „dass die Unfallgefahr auf schlechten Straßen insbesondere in Kurven und bei Nässe steigt, vor allem für Motorradfahrer“, so der Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher. Das Geld für die öffentliche Infrastruktur fehle an allen Ecken und Enden.

Der Sanierungsbedarf in Oberbayern nach Landkreis/kreisfreien Städten

Besonders holprig sind laut Innenministerium die Staatsstraßen in Niederbayern - rund 49 Prozent müssten repariert werden. Doch auch in Oberbayern sieht es nicht gerade rosig aus - 33,6 Prozent (1055 Kilometer) brauchen neuen Teer. Das allein würde 158 Millionen Euro kosten, dabei stehen für ganz Bayern ja nur 80 Millionen zur Verfügung. Die Rechnung geht nicht auf. Die Staatsregierung, die selbst die Zahlen geliefert hat, will auf den Angriff der SPD jedoch nicht reagieren. Nur auf einen Punkt geht das Ministerium ein: Die Verkehrssicherheit, heißt es, sei immer gegeben. Notfalls werde ja mit Schildern auf Gefahrenstellen hingewiesen.

„Natürlich dient die Straßensanierung der Sicherheit“, sagt Günther Grafwallner vom Staatlichen Bauamt Weilheim. „Das machen wir doch nicht zum Selbstzweck.“ Der Fachmann bestätigt, dass die Fahrt durch Bad Tölz-Wolfratshausen besonders ungemütlich werden kann. Viele Straßen seien 40 bis 50 Jahre alt. „Der Bestand ist in einem relativ schlechten Zustand.“ Besonders kritisch sei die Ortsdurchfahrt Ascholding und die Strecke zwischen Bad Tölz und Dietramszell.

Grafwallner berichtet noch von einem weiteren Problem, das den Autofahrern meist verborgen bleibt: Brücken. Wenn sich deren Zustand verschlechtert, müssen sie irgendwann für Lastwagen gesperrt werden. So habe es zum Beispiel bei Einöd zwei Überquerungen gegeben, die auf zehn Tonnen „runtergestuft“ werden mussten. „Die Laster fuhren dann jahrelang durch Tölz, bis wir die Bauwerke ersetzen konnten.“ Bei dem Sanierungsbedarf von 720 Millionen Euro sind Brücken allerdings noch nicht mal mitgerechnet.

Der Straßenbauer Grafwallner hält sich tapfer: „Mit den Mitteln, die wir die letzten Jahre hatten, können wir das Niveau halten“, sagt er. Doch die Substanz der Straßen, die wird immer älter.

Thomas Schmidt

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