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Eine Luxus-Enklave: Dieser Entwurf aus dem Jahr 2014 zeigt, wie das Chalet-Dorf in etwa aussehen könnte.

Der Schlossherr von Elmau und sein Projekt

Chalet-Dorf: Grüne haben Söder unter Mauschelverdacht

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Krün - Dietmar Müller-Elmau hat Großes vor: Unweit seines Luxushotels will er ein exklusives Chalet-Dorf bauen. Das Finanzministerium hat keine Einwände, zum Ärger der Grünen. 

Ein alpenländischer Gasthof mit Sauna, Pool und Spa-Bereich, dazu elf Chalets, Luxusausführung. Ein Plan so ganz nach dem Geschmack eines Schlossherren. Dietmar Müller-Elmau, Inhaber des Hotels Schloss Elmau in Krün (Kreis Garmisch-Partenkirchen), schwebt seit Langem der Bau eines Chalet-Dorfs vor, 15 Minuten Fußweg von seinem Hotel entfernt. Elf Millionen Euro soll die Anlage kosten; Müller-Elmau will die Wohnrechte für die exklusiven Häuser für eine bestimmte Zahl an Tagen verkaufen, in der übrigen Zeit sollen die Häuser vermietet werden.

Monatelangen Prüfungen im Finanzministerium

Das Konzept ist besonders – und, was seine Genehmigung betrifft, offenbar besonders kompliziert. Nach monatelangen Prüfungen hat das Finanzministerium nun sein Okay gegeben. Die Landtags-Grünen wittern hierin einen kleinen Skandal. In einem Schreiben erklären sie, Finanzminister Söder setze sich „über alle fachlichen Bedenken hinweg“. Vielleicht ja, um dem Schlossherren ein kleines verspätetes Dankeschön zukommen zu lassen – für die Ausrichtung des G 7-Gipfels?

Für das Finanzministerium und die Regierung von Oberbayern ist die Vermutung totaler Unfug. Schließlich, sagt Regierungs-Sprecher Martin Nell, sei die ganze Sache viel komplizierter.

Die große Frage war bisher, ob das Dorf mit dem Landesentwicklungsprogramm vereinbar ist. In jenem LEP gibt es das „Anbindegebot“, das besagt, dass sich neue Projekte an bestehende Gebäude anpassen sollen, um eine Zersiedelung zu verhindern. Beim Chalet-Dorf ist das nicht der Fall – zumal das Gelände, auf dem es entstehen soll, von Natur- und Landschaftsschutzgebieten umgeben ist. Allerdings gibt es für die Erweiterung von Beherbergungsbetrieben Ausnahmen. Laut Finanzministerium ist das Projekt des Schlossherren eine solche Ausnahme.

Grüne: "Wie in einem schlechten Film“

Die Grünen – und vor allem die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm, die sich „wie in einem schlechten Film“ vorkommt – waren stutzig geworden, weil die zuständige Regierung von Oberbayern die Prüfung an das Finanzministerium abgegeben hatte. Regierungs-Sprecher Nell sagte allerdings: „Schwierige Fälle wie diese werden generell weiter gegeben. Das ist üblich.“

Müller-Elmau möchte in einigen Tagen Stellung zu der Geschichte beziehen. Er gilt als jemand, der seine Ideen stringent verfolgt – und dabei manchmal übers Ziel hinausschießt. Kurz vor dem G 7-Gipfel im Sommer 2015 musste er einen Schwarzbau – den gläsernen Aufbau einer Almhütte – entfernen. Kurz davor ließ er ein riesiges Festzelt errichten, um den Geburtstag eines russischen Geschäftsmanns zu feiern – ebenfalls ohne Genehmigung. Und auch die Chalets bot Müller-Elmau schon vor Monaten zum Kauf an, ohne dass eine Baugenehmigung für das Projekt bestanden hätte.

Die gibt es auch jetzt noch nicht, das Okay des Ministeriums ist nur ein kleiner Schritt. Und die Grünen sind nicht die einzigen, die das Projekt kritisch beäugen. Garmisch-Partenkirchens Landrat Anton Speer hatte vor einigen Monaten den Skeptiker gegeben, weil das Dorf in einer sensiblen Landschaft geplant ist. Wie es damit weitergeht, liegt aber nicht bei ihm, sondern bei der Gemeinde Krün.

Bisher stand der Gemeinderat den Plänen des Schlossherren aber aufgeschlossen gegenüber.

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