Ehemann galt als Waffennarr

SEK-Beamter wirft Blendgranate nach Frau

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München - Die Ehefrau eines Waffenliebhabers bekommt 15.000 Euro zugesprochen. Sie war bei einem SEK-Einsatz verletzt worden. Ein Beamter soll eine Blendgranate gezielt nach ihr geworfen haben.

Eine Frau aus Walleshausen (Kreis Landsberg am Lech), die 2009 bei einem Einsatz des Sondereinsatzkommandos (SEK) durch eine Blendgranate verletzt wurde, bekommt 15.000 Euro Schmerzensgeld vom Freistaat Bayern. In der Urteilsbegründung des Landgerichts Augsburg heißt es unter anderem: „Die eingesetzten Beamten haben gegen ihre Amtspflichten verstoßen.“ Ein SEK-Beamter hätte „gezielt“ mit einem „Irritationskörper“ nach Christine W. geworfen.

Der Vorfall ereignete sich vor rund fünf Jahren. Damals stürmten mehrere SEK-Beamte das Haus von Familie W. in Walleshausen. Der Ehemann und der Sohn von Christine W. gelten als Waffenliebhaber, sie waren einschlägig vorbestraft, unter anderem wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Das Landgericht Augsburg schreibt: „Aufgrund der damals vorliegenden Erkenntnisse (...) stand im Raum, dass der Ehemann der Klägerin und der zusätzlich mitanwesende Sohn der Klägerin höchst aggressiv gegen die gerichtlich angeordneten Maßnahmen vorgehen und auch nicht zögern werden, Waffen gegen die Polizeibeamten zu richten.“ Weiter heißt es: „Die Beamten hatten (...) mit einer erheblichen Eigengefährdung zu rechnen.“ Sie seien berechtigt gewesen, „mit größtmöglicher Sicherheit vorzugehen“. Ein „Überraschungsangriff“ sei gerechtfertigt gewesen – nicht jedoch die Verwendung einer zweiten Blendgranate, die „Verletzungen bei der Klägerin verursachte“.

Der Anwalt von Christine W., Marcus Becker aus Landsberg am Lech, lobt das Urteil: „Mir war wichtig, dass meine Mandantin Genugtuung und Rehabilitation erfährt“, sagte er unserer Zeitung. Bis zuletzt habe die Gegenseite „die Verletzungen bagatellisiert“. Das Urteil sei eine „justizielle schallende Ohrfeige“ für den Freistaat Bayern.  

bn

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

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