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Paletten-weise am der Steuer vorbei: Italienische und deutsche Ermittler ließen  einen internationalen Ring von Schnapsschmugglern auffliegen.

Fiskus um Millionen geprellt

Schnapsschmuggel-Ring ausgehoben

München - Rund eine Million Liter Schnaps haben internationale Verbrecher über die Grenzen an der Steuer vorbei geschmuggelt und den Fiskus dabei um viele Millionen Euro geprellt.

Bei einer gemeinsamen Aktion hoben italienische und deutsche Ermittler einen internationalen Schmugglerring aus, wie der Zoll am Dienstag in München mitteilte. Mehr als 20 Verdächtige sitzen in Italien und Deutschland in Untersuchungshaft. Die Drahtzieher lebten in Saus in Braus, kauften Immobilien und fuhren Luxusautos.

Mehr als 50 Lastwagen-Ladungen mit Trinkbranntwein soll die Bande geschmuggelt haben, so der Zoll. Gelungen sei den Schmugglern ihren Machenschaften "durch Manipulationen des überwachungspflichtigen Warenverkehrs", heißt es in einer Pressemitteilung des Zoll.

Gemeinsam mit Kollegen der italienischen Agenzia Delle Dogane (italienische Zollverwaltung) und den Carabinieri vor Ort durchsuchten deutsche Zollfahnder und Staatsanwälte sowie italienische Ermittler bereits Anfang Oktober zeitgleich fast 70 Wohn- und Geschäftsadressen in Deutschland und Italien (34 in Italien, 35 in Deutschland) und vollstreckten dabei insgesamt 19 Haftbefehle (15 in Italien, vier in Bayern).

In Deutschland soll der Trinkbranntwein auf dem Schwarzmarkt überwiegend in Bayern, Nordrhein Westfalen und Berlin quasi als unversteuerte Schmuggelware "verschwunden" sein.

Insgesamt gehe es in Deutschland um Steuerhinterziehung in Höhe von 3,5 Millionen Euro und in Italien von rund 6 Millionen Euro.

Die aktuellen Festnahmen sind das vorläufige Ergebnis einer internationalen Großaktion der Zollfahnder, die sich insgesamt über einen langen Zeitraum erstreckte.   

Schon im Juni 2011 ging beim Zollkriminalamt in Köln der Hinweis ein, dass es bei einer in Georgensgmünd (Landkreis Roth) ansässigen Firma Unstimmigkeiten bei der Lieferung von Wein nach Großbritannien gegeben haben soll, so der Zoll. Bei der Zollkontrolle von LKW-Lieferungen hatten britische Zöllner hinter einer Tarnladung Teigwaren mehrere Paletten Wein entdeckt, für den es in Großbritannien eine nationale Verbrauchsteuer gibt.

60 Telefonanschlüsse abgehört

Schärfer beobachtet wurde sodann von Zollfahndern aus Weiden (Oberpfalz) die Firma in Georgensgmünd und es erhärtete sich der Verdacht, dass dort entgegen dem nach außen hin vorgetäuschten Geschäftsgebaren kein oder nur mäßiger Warenumschlag stattfand. Warenlieferungen fanden zwar auf dem Papier korrekt statt, sollen letztlich aber auf dem Schwarzmarkt, überwiegend in Deutschland, gelandet sein.

So fotografierten die Fahnder zu verschiedenen Jahreszeiten das Betriebsgelände und stellten fest, dass die Firma kaum regelmäßig von Lastwagen angefahren wurde.    

Seit März dieses Jahres ermitteln die Zollfahnder mit vereinten Kräften gegen die in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin ansässigen Tatbeteiligten, hörten fast 60 Telefonanschlüsse ab, werteten dabei rund 60.000 Datensätze und die Nachrichten von 16 E-Mail Postfächern aus.

dpa/mol

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