Wandergruppe verschüttet? Lawinenabgang im Berchtesgadener Land

Wandergruppe verschüttet? Lawinenabgang im Berchtesgadener Land
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Urlauber fotografieren bei Tschagguns in Vorarlberg einen Hubschrauber des österreichischen Bundesheers, der eingeschneite Wintersportler ins Tal bringt.

Schneechaos im Alpenraum: Skigebiete eingeschneit

Lech am Arlberg/Garmisch-Partenkirchen/Bad Tölz - Berge von Schnee, abgeschnittene Orte und hohe Lawinengefahr: Die Situation in den österreichischen Alpen, aber auch im bayerischen Voralpenland, hat sich am Montag weiter zugespitzt.

Der Schnee kommt in rekordverdächtiger Menge. „Im Westen Österreichs hat es so viel geschneit wie schon lange nicht mehr“, verlautet aus der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. An einigen Wetterstationen wurde seit 30 Jahren in einem Januar nicht mehr so viel Schnee gemessen.

Der Schnee bringt den gesamten Verkehr zum Erliegen, tausende Urlauber sitzen fest. Weder auf der Straße noch per Bahn ist ein Durchkommen möglich. Auch in Salzburg und Tirol sind mehrere Gebiete nicht zu erreichen. Die Lawinengefahr steigt in hohen Lagen auf Stufe vier der fünfteiligen Skala.

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An der Arlberg-Bundesstraße, der Verbindung von Tirol nach Vorarlberg, schafft es schließlich ein Hubschrauber, die Straße wieder passierbar zu machen. Eine Baumgruppe drohte wegen der Schneelast auf die Straße zu stürzen, berichtet Autobahnmeister Stefan Siegele. 40 große Fichten an einem Steilhang oberhalb der Straße waren betroffen: „Für die Einsatzkräfte war das unmöglich zu erreichen.“ Dann steigt ein Hubschrauber des österreichischen Bundesheeres auf und fliegt so nahe an die Bäume, dass der Rotor-Abwind den Schnee von den Ästen bläst.

Von einer „außergewöhnlichen Situation“ spricht auch der Bürgermeister von Lech am Arlberg. Dabei ist die Vorarlberger Gemeinde im Winter häufiger kurzfristig von der Umgebung abgeschnitten. Auch das Hintere Paznauntal und Seitentäler des Lechtales sind zeitweise nicht erreichbar. In mehreren Orten sind tausende Haushalte stundenlang ohne Strom.

Im Skigebiet Axamer Litzum setzen Helfer die Suche nach einem 15-jährigen Skifahrer fort, der seit Samstag in dem stark lawinengefährdeten Gebiet vermisst wird. Nahe Kufstein wird eine Urlauberin aus Polen auf der Piste von einem umstürzenden Baum getroffen und verletzt.

Abgeschnitten sind die Urlauber auch in Hochfügen im Zillertal. Hier hängt eine Lawinenrolle über der Straße, So lange die nicht gesprengt werden kann, kommt keiner vom Berg. Zu den Eingeschlossenen gehört auch eine Redakteurin unserer Zeitung. Noch sei die Stimmung unter den Urlaubern entspannt, berichtet sie am Telefon. „Die meisten gehen spazieren oder sitzen in der Sauna. Andere vertreiben sich die Zeit, indem sie die einzige offene Piste hoch und runter fahren, immer wieder dieselbe.“

Ob und wann die Lawine gesprengt wird, sei unklar. Denn es schneit weiter, und die Sicht sei verheerend.

Unter den Schneemassen sind auch die Autos vieler Urlauber verschwunden. Dass man beim Ausgraben vor Überraschungen nicht sicher ist, musste gestern ein Gast nach langem Schaufeln erleben: Zum Vorschein kam ein fremdes Auto – seines steckt immer noch im Schnee. Irgendwo.

Auch in den bayerischen Alpen bleibt die Lawinengefahr zumindest oberhalb der Waldgrenze groß. „Achtung, umfangreiche Schneeverfrachtungen, ein einzelner Skifahrer kann Lawinen auslösen“, heißt es beim Lawinenwarndienst. In steilem Gelände seien auch Selbstauslösungen größerer Lawinen möglich.

Darum wurde im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen vorsorglich die Bundesstraße 307 in Teilen gesperrt. Sperrungen gibt es auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Hier ist die B 2 seit Tagen nicht befahrbar, auch die Zugverbindung nach Innsbruck ist lahmgelegt.

Nach einer kurzen Sonnenpause erwartet der Deutsche Wetterdienst in München für Freitag bereits einen neuen Tiefausläufer. Meteorologe Christian Freuer formuliert vorsichtig: „Wir wissen noch nicht, ob es bei uns nur ein Streifschuss oder mehr wird.“

dapd/mm

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