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„Hier hat’s ja noch Schnee zum Saufuttern!“ Bei seiner Wandertour von der Kesselberg-Passhöhe (Urfeld) hinauf zum Herzogstand staunt Thorsten (37) nicht schlecht. Neben dem geräumten Weg türmt sich der Altschnee noch über zwei Meter hoch

Schneefalle in unseren Hausbergen

München - Nach der sehr guten Skisaison wird die weiße Pracht jetzt zur Last: Stellenweise türmt sich der Schnee auch in unseren Haubergen noch meterhoch. Experten warnen die Wanderer.

Der erste Unfall des Bergfrühlings hätte Stefan Winter beinahe schon beim Frühstück ereilt. Als der Alpenvereins-Experte die Panorama-Bilder im Fernsehen anschaute, fiel er nämlich fast vom Stuhl: „Ich muss gestehen, dass ich regelrecht geschockt war: Oben in den Wandergebieten schaut es momentan aus wie im tiefsten Winter.“

ADAC: Die Top-Skigebiete 2011 in den Alpen

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Nach der sehr guten Skisaison wird die weiße Pracht jetzt zur Last (hier geht's zum Outdoor-Special): Stellenweise türmt sich der Schnee noch meterhoch – selbst in den Münchner Hausbergen unter der 2000-Meter-Grenze. Einheimische sprechen von extremen Verhältnissen, wie sie das bayerische Voralpenland zuletzt nach den Rekordwintern 1979, 1999 und 2000 erlebt hat.

Die heikle Folge: Kraxler müssen sich auf überdurchschnittlich viele Altschneefelder einstellen – und das voraussichtlich bis weit in den Hochsommer hinein. Diese Hindernisse können tückisch sein – vor allem an schattigen Nordhängen, in Gräben, Rinnen und Bachbetten. Bei der Querung passieren immer wieder schwere Unfälle (siehe unten).

Die Bergwachtler rüsten sich für eine arbeitsreiche Saison. Oberhalb der Mittenwalder Hütte konnten sie am Maifeiertag ein Drama gerade noch verhindern. Zwei Holländer hatten beim Aufstieg zur Westlichen Karwendelspitze die Orientierung verloren. „Dort oben liegt noch eine geschlossene Schneedecke“, berichtet Bergfex Hans-Peter Gallenberger, „irgendwann kamen die jungen Burschen weder vor noch zurück.“ Die Retter seilten sich von der Gondelbahn aus ab, um die beiden Flachland-Tiroler einzusammeln.

Erfahrungsgemäß wird der nächste Einsatz dieser Art nicht lange auf sich warten lassen. Zumal selbst erfahrene Hüttenwirte kaum mit dem hartnäckigen Altschnee fertig werden. „Wir kommen mit dem Jeep nicht mal zur Talstation unserer Materialseilbahn“, erzählt Charly Wehrle, der inzwischen die Frederick-Simms-Hütte in den Lechtaler Alpen führt. „Wir müssen die Vorräte mit dem Hubschrauber einfliegen lassen. Die Situation ist extrem.“

Wehrle muss es wissen. 24 Sommer lang hatte der Kletterer mit Nanga-Parbat-Erfahrung die Reintalangerhütte an der Zugspitze bewirtschaftet – und die Zustiege unter bis zu 20 Meter hohen Lawinen freigelegt. Mit einem speziellen „Abtau-System“, das auch seine Nachfolger nutzen: Sie zapfen mit 200 bis 300 Meter langen Feuerwehrschläuchen Wasserfälle an und leiten die Fluten auf die Lawinen um. Wehrle: „Das Wasser ist wärmer als der Schnee und bringt ihn so schneller zum Schmelzen.“

Aber selbst dieser Trick wird heuer nur bedingt helfen. Im Reintal liegt noch so viel Schnee, dass die Hütteneröffnung auf 26. Mail verschoben werden musste.

So gefährlich können Altschneefelder sein

Der Mann heißt nicht nur Winter – er kennt sich auch mit den Auswirkungen der kalten Jahreszeit auf den Bergfrühling bestens aus: Stefan Winter , Ressortleiter Breitensport des Deutschen Alpenvereins (DAV), erklärt in der tz, warum beim Queren von Altschneefeldern so viel passiert.

Verlust der Orientierung: „Wenn Wanderer den zugeschneiten Weg nicht mehr finden, dann geraten sie oft in wildes Gelände. Der Boden ist in der Regel nicht mehr gefroren, so dass der Schnee weich und das Spuren sehr anstrengend wird. Das kann bis zur totalen physischen und psychischen Erschöpfung gehen. Es gab schon Leute, die waren bei ihrer Rettung am Rande eines Nervenzusammenbruchs.“

Ausweichmanöver: „In Rinnen und Bachbetten hält sich der Schnee oft hartnäckig. Viele Wanderer versuchen dann, diese Stellen zu umgehen.“ Dabei kommen sie oft in nasses, matschiges Gelände, verlieren den Halt.

Vereisung: „Gerade in der Früh sind Altschneefelder oft noch überfroren. Man sollte mit den Schuhen Stufen in den Schnee treten – immer zur Bergseite hin.“ Wer ausrutscht, kann ganz schnell im Geröll landen. „Dabei ziehen sich viele Opfer Abschürfungen mit Verbrennungscharakter zu – vor allem, wenn sie ohne Handschuhe und in kurzen Hosen unterwegs sind.“ Das kann bis hin zu Skalpierungen führen – also Hautverlust bis auf die Knochen.

Einbrechen: „In Bachbetten kann die Schneedecke ausgehöhlt sein.“ Wenn sie bricht, steht der Kraxler im Wasser.

Andreas Beez

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