Schnee als ewiges Mysterium: Schneeforscher Harald Garcke untersucht das Phänomen mathematisch.

Die schönsten Seiten des Winters

Dieser Mann kennt die Formel für Schnee

München - Es gibt Menschen, die können nicht genug bekommen von Schnee und Kälte. Sie schaffen es, sich über die schönen Seiten dieser Jahreszeit genauso sehr zu freuen wie Kinder. Die einen brauchen den Winter für ihr liebstes Hobby, die anderen, um Geld zu verdienen. Und einen Mann in Bayern gibt es, der nie damit fertig wird, den Schnee neu zu entdecken.

Neulich, als Harald Garcke mit seiner Familie beim Einkaufen war, haben sie alle kollektiv den Kopf geschüttelt. Über eine achtzackige Deko-Schneeflocke in einem Schaufenster. Achtzackig! Da hat jemand so gar keine Ahnung von Schnee gehabt. Oder nicht damit gerechnet, dass draußen ein Schneeforscher mit seiner Familie vorbeikommt. Die Garckes wissen es und haben es auch schon oft genug mit der Lupe überprüft: Jede Schneeflocke ist sechseckig. Und ein Unikat. Wenn man einmal damit anfängt, sie sich genauer anzusehen, diese „Briefe aus dem Himmel“, die gerade täglich auf Bayern herunterrieseln, dann kommt man eigentlich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, verrät Garcke.

Der 51-Jährige ist Mathematik-Professor an der Uni Regensburg. Und seinem Beruf verdankt er es, dass er sich selbst dann mit Schnee beschäftigen kann, wenn draußen alle in T-Shirt und Flipflops unterwegs sind. Denn Harald Garcke hat vor einigen Jahren damit begonnen, den Schnee auszurechnen. Hochkomplizierte mathematische Formeln sind dabei herausgekommen. Die Zahlen drücken das aus, was jede Schneeflocke auf dem Weg zur Erde mitmachen muss. Garcke und sein Team berechnen die Regelmäßigkeiten beim Wachstum der Schneekristalle. Mit einem Computerprogramm können sie die Schneeflocken künstlich nachbauen – und sich zumindest virtuell auch während der Sommermonate mit Schnee beschäftigen.

Wenn’s um Schnee geht, könnte Garcke stundenlang vor sich hin schwärmen. „Jede Flocke wird vom Wind einen anderen Weg getragen“, erklärt er. Durch Luftfeuchtigkeit und Temperatur verändert sich ihr Aussehen. Die eine kommt als längliche Flocke mit kleinen Spitzen auf der Erde an, die andere wird auf ihrer Reise durch den Himmel zu einem sechseckigen Kunstwerk. Kein Wunder, dass Harald Garcke auch bei privaten Spaziergängen so fasziniert durch die Schneelandschaft läuft, als wäre es sein erster Winter. „Der Schnee ist für mich ein alltägliches Wunder“, sagt er und schmunzelt. „Er ist ein Mysterium, das wir wohl nie ganz entschlüsseln werden.“

Schnee als Gäste-Garantie: Hüttenwirtin Kathi Lindlbauer hat bei diesem Wetter alle Hände voll zu tun.

Harald Garcke ist nicht der Einzige, der zur Zeit jeden Morgen auf dem Weg in die Arbeit einen Jubelschrei loslassen könnte. Für Katharina Lindlbauer ist es der schönste Winter seit Jahren. Seit die 26-Jährige gemeinsam mit ihrem Vater die Quenger-Alm im Brauneck (Kreis Bad Tölz-Wolfratshauen) übernommen hat. Besonders der letzte Winter hat ihr viele schlaflose Nächte bereitet. Es gab kaum Schnee – und deshalb kaum Gäste. Noch so ein Winter und Kathi Lindlbauer hätte vielleicht aufgegeben. Seit einem Monat fährt sie jeden Morgen mit der ersten Gondel hinauf auf die Hütte. Wenn sie mit ihrem Vater und dem Hüttenkoch beim Frühstück auf der Terrasse sitzt und die wunderschöne Schneelandschaft am Brauneck eine halbe Stunde lang ganz für sich alleine hat, dann geht ihr das Herz auf, verrät sie. Es sind lange, anstrengende Arbeitstage für Katharina Lindlbauer und ihr Team – und sie könnte sich nichts Schöneres vorstellen. Manchmal, wenn die Wintersportler und Wanderer ihr regelrecht die Hütte einrennen und sie vor lauter Arbeit nicht einmal mehr die letzte Gondel ins Tal bekommt, fährt sie abends mit Skiern hinunter. So eine Belohnung bekommt man als Hüttenwirtin nur im Winter!

In Uffing (Kreis Garmisch-Partenkirchen) gibt es eine ganze Gruppe, die es kaum erwarten kann, dass es noch kälter und eisiger wird. Einer von ihnen hat einen Hinweis auf seine liebste Jahreszeit bereits im Nachnamen versteckt: Rupert Wintermeier. Leidenschaftlicher Eisstockschütze. Er wartet seit Tagen darauf, dass der Staffelsee endlich zugefroren ist und es losgehen kann. „Letztes Jahr hat es nicht ein einziges Mal geklappt“, erzählt er. Aber diesen Winter stehen die Chancen gut, wenn es noch ein paar Tage so kalt bleibt wie bisher. Wenn es soweit ist, sind die Eisstockschützen sofort startbereit. „Es dauert meistens nicht lange, bis der Anruf kommt und wir uns alle am See treffen“, erzählt Wintermeier. Auf diese eiskalten Tage freut er sich wie ein Kind. Und nicht nur er. Denn wenn der Staffelsee dieses Jahr mal wieder so richtig zugefroren ist, könnte nach vier Jahren endlich mal wieder das große Dorf-Turnier stattfinden. Dann wären garantiert 200 Leute auf dem Eis, prophezeit Wintermeier. Dann würde ein ganzes Dorf zusammen so richtig den Winter genießen.

Katrin Woitsch

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