Tödliche Flammen: Bei dem Brand in Schneizlreuth vom Mai 2015 starben sechs Menschen.

Prozess um Großbrand

Schneizlreuth: Massive Vorwürfe gegen Gemeinde

Traunstein/Schneizlreuth – Sechs Männer kamen ums Leben, als 2015 ein historischer Bauernhof in Schneizlreuth brannte. Der Pächter steht vor Gericht. Nun stellt sich heraus: Die Gemeinde wusste wohl, dass der Mann illegal Gäste beherbergte.

Im Prozess um den verheerenden Brand mit sechs Toten und 20 Verletzten in Schneizlreuth (Kreis Berchtesgadener Land) gerät zunehmend die Gemeindeverwaltung unter Druck. Die Vernehmung von Rathausbediensteten ergab gestern, dass die Behörde von den illegalen Übernachtungen des Eventmanagers wusste.

Der 47 Jahre alte Pächter eines historischen Bauernhofes muss sich derzeit wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Er hatte seine Gäste ohne Genehmigung in dem Gebäude beherbergt. Bei dem Inferno waren im Mai 2015 sechs Mitarbeiter einer Baufirma aus dem niederbayerischen Arnstorf im Alter zwischen 30 und 42 Jahren erstickt.

Klaus Bauregger, Ex-Bürgermeister von Schneizlreuth, musste sich als Zeuge vom Gericht belehren lassen, lieber nichts mehr zu sagen als zu lügen. Er hatte zuvor geäußert, er habe nicht mitbekommen, dass ganze Schulklassen in dem Haus übernachteten. Er sei vielmehr davon ausgegangen, dass der Angeklagte nicht mehr als acht Gästebetten habe. Das Rathaus liegt allerdings direkt gegenüber dem einstigen Bauernhof.

Aus einem vor Gericht verlesenen Schreiben der Gemeinde aus dem Jahr 2007 geht zudem hervor, dass es eine Vereinbarung mit dem Pächter des Bauernhofes gab. Demnach sollte der 47-Jährige die Übernachtungen per Meldezettel an die Gemeinde weiterleiten, da er „offiziell keine Gäste“ beherberge. Für Verteidiger Harald Baumgärtl ist das Schreiben der Beweis, dass die Gemeinde von den illegalen Übernachtungen wusste.

Ein Rathausmitarbeiter sagte aus, es hätten regelmäßig bis zu 30 Urlauber in dem Bauernhaus geschlafen. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob Gemeinde und Pächter gemeinsame Sache gemacht hätten, meinte der Zeuge: „Das könnte man so sehen.“ Auch der seit 2014 amtierende Bürgermeister, Wolfgang Simon, bestätigte, von Übernachtungen des Angeklagten gewusst, sich aber über Genehmigungen keine Gedanken gemacht zu haben.

Unter den Prozessbeobachtern waren auch die Eltern von einem der sechs Todesopfer. Über die juristischen Folgen für den Angeklagten sagte der 70-jährige Vater: „Ein gerechtes Urteil kann es nicht geben. Kummer und Schmerz lassen sich nicht gegenrechnen.“ Für ihn sei aber eine entscheidende Frage, „welche Schuld auf den Behörden lastet“. Das Urteil ist für den 5. Februar vorgesehen.

Nadja Wolf und Monika Kretzmer-Diepold

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