Die Kämpfer an der Schönauer Seestraße: Geschäftsleute aus der Königssee-Gemeinde, angeführt von Trachtenhändler Zeitz (links), und aus Oberammergau mit Sportartikelhändler Mühlstrasser (4.v.r.) an der Spitze. Foto: Pfeiffer

Dürfen Geschäfte öffnen?

Der Kampf um den Sonntag geht weiter

Schönau am Königssee – Sie geben die Hoffnung nicht auf: Einzelhändler vom Königssee und aus Oberammergau kämpfen für mehr Freiheit bei der Ladenöffnung an Sonntagen. Jetzt wollen sie Politiker mit ins Boot holen.

Der Besuch im Landtag vor einigen Tagen hat den Geschäftsleuten vom Königssee Zuversicht gegeben. „Die Herrschaften in München haben unser Anliegen verstanden“, ist sich Trachtenhändler Markus Zeitz sicher. Unterstützung erhält er auch aus Oberammergau. Auch dort hatte ein Verkaufsverbot an Sonntagen für Wirbel gesorgt. Nun haben sich die Orte zusammengeschlossen, um gemeinsam zu kämpfen. Unterstützung soll aus der Landespolitik kommen.

Markus Zeitz und die Geschäftsleute vom Königssee strahlen Optimismus aus. Zumindest das. Die letzten Monate waren nervenaufreibend. Das erste Gespräch in München soll aber nur ein erster Schritt auf einem weiten Weg zu einem möglichen bayerischen Ladenschlussgesetz sein. Wenigstens wurden sie angehört, meint Zeitz.

Auch Klaus Stöttner, Mitglied des Landtags und Tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, war bei diesem Treffen. Tourismusorte stärken, den Geschäftsleuten Chancen geben – das ist Stöttners Ziel. Über jene Artikel, die sonntags verkauft werden dürften, etwa Süßigkeiten, Badehosen oder Kerzen mit Widmung, darüber hat der Tourismuspolitische Sprecher eine klare Meinung: „Das ist alles veraltet und gehört überarbeitet.“

Doch ganz so einfach scheint es nicht zu sein. Denn ob es jemals zu einem eigenen Gesetz kommt, muss sich zeigen. Das Thema ist zum Politikum geworden. Klaus Stöttner wirft der FDP vor, sie behindere mit ihren weitreichenden Forderungen eine Einigung. „Öffnungszeiten bis 24 Uhr? Nicht mit uns“, sagt Stöttner. Vor der nächsten Wahl werde wohl nichts mehr passieren – wenn die FDP „ihre Blockadehaltung nicht endlich aufgibt“. Ein gemeinsamer Nenner liegt in weiter Ferne, meint der CSU-Mann. Dietrich von Gumppenberg, Wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Landtag, beschwichtigt. Er bestätigt auf Anfrage, dass der Bedarf eines bayerischen Ladenschlussgesetzes sehr groß sei. In Bayern gilt derzeit das alte Bundesgesetz. Auch wenn es unterschiedliche Positionen gebe, das Ziel sei fraktionsübergreifend klar. Die Königssee-Geschichte habe das den Politikern vor Augen geführt. Von Gumppenberg erklärt, dass seine Fraktion gesprächsbereit sei, alles daran setzen werde, dass es noch in dieser Legislaturperiode dazu kommen soll: „Wir brauchen das bayerische Ladenschlussgesetz unbedingt“, sagt er. Partei-Unstimmigkeiten könnten nicht auf dem Rücken betroffener Einzelhändler in Tourismusregionen ausgetragen werden.

„Die Politik versteht langsam, dass Geschäfte in Tourismusorten auch sonntags ihre Waren verkaufen dürfen“, meint Trachtenhändler Zeitz. Der Oberammergauer Sportartikelhändler Bernd Mühlstrasser kann von der ganzen Thematik ebenfalls ein Lied singen. Vor zwei Jahren mussten er und seine Kollegen sonntags im Ort ihre Geschäfte schließen. Nachdem 15 Jahre lang der Verkauf erlaubt war. „Das war für uns ein absoluter Schock“, erzählt er in einer Gaststätte nur unweit der Seestraße am Königssee. Drei Geschäftsleute aus Oberammergau haben ihn dorthin begleitet. „Wir wollen mit den Königsseern zusammenarbeiten und weitere Orte mobilisieren“, sagt Mühlstrasser. Denn in Oberammergau hat man damals resigniert und gegen die Verordnung, schließen zu müssen, nichts unternommen. „Das war ein Fehler.“

Umso notwendiger erachtet er es, aktuell zu handeln. „In Urlaubsorten gibt es auch am Sonntag Bedarf am Verkauf.“ Wenn man es nun verschlafe, zu handeln, gebe es am Ende nur noch Geisterstädte in Tourismusorten. „Tagesausflügler kommen dann am Wochenende auch keine mehr“, sagt Mühlstrasser. Gemeinsam mit Trachtenhändler Markus Zeitz ist er der Meinung, dass es nur einen Weg geben kann: Eine faire Lösung für ganz Bayern, für alle Tourismusorte: „Entweder rührt sich die Politik jetzt und tut endlich was oder es schaut düster aus.“

Kilian Pfeiffer

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