+
Rudi wurde vom Jäger erschossen. Seine Nicole will Antworten in dem Fall

Im Maisfeld erschossen

Toter Rudi Z.: Jetzt klagt die Verlobte an

Schönwald/Bayreuth - Noch immer herrscht Rätselraten um die genauen Umstände des Todes von Rudi Z., der in einem Maisfeld von einem Jäger erschossen wurde. Jetzt klagt die Verlobte an: Sie will endlich die Wahrheit wissen.

Das letzte Lebenszeichen von Rudi Z. (26) kam abends um halb sieben per SMS: „Schatzi ich bin dann gleich zuhause“, schrieb der Schreiner aus Schwarzenbach am Wald seiner Verlobten Nicole (30). Kaum neun Stunden später war Rudi tot – erschossen von einem Jäger, der ihn für ein Wildschwein hielt.

Auch über zwei Wochen nach dem verhängnisvollen Schuss an einem Maisfeld bei Schönwald (Oberfranken) ist der Fall voller Rätsel. Was Rudi Z. früh um fünf Uhr in dem Feld 54 Kilometer von seinem Zuhause wollte, ist genauso unklar wie die Frage, warum der Jagdpächter (51) schoss. Die Staatsanwaltschaft Hof ermittelt gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung. Doch die Ermittler beschäftigen noch weitere Fragen: Wo ist Rudis Handy, von dem seine letzte Nachricht kam? Und wer ist der geheimnisvolle zweite Mann im Maisfeld, von dem der Jäger nach tz-Informationen in seiner Vernehmung berichtet haben soll?

Auch die Verlobte des Opfers zermartert sich seit zwei Wochen den Kopf über das Geschehen an jenem verhängnisvollen Samstagmorgen. Sie erinnert sich noch, wie gegen halb elf vier Kripoleute in ihrem Hausflur standen. Sie hatte die ganze Nacht versucht, ihren Freund zu erreichen, war kurz davor, Vermisstenanzeige zu erstatten. „Wo ist er?“, wollte Nicole B. nun von den Beamten wissen. „Er liegt noch da, wo wir ihn gefunden haben“, soll die Antwort gewesen sein.

Weil Rudi Z. früher Stress mit der Polizei hatte, machten Gerüchte die Runde, er habe Drogen von Tschechien nach Bayern schmuggeln wollen. „Das stimmt nicht“, sagt aber Nicole B.: „Dafür kenne ich ihn zu gut.“ Aber was machte er dann in den letzten Stunden seines Lebens? Nicole B., eine dreifache Mutter: „Mir sagte er, dass er in Hof einen Verstärker holen wollte.“

Rudi Z. soll am Tag vor seinem Tod mehrere Leute gefragt haben, ob sie ihn nach Naila oder Hof an den Bahnhof fahren könnten. Auch von einer Verabredung mit einer Freundin am Burger King in Hof am Freitagabend war die Rede. Doch da erschien Rudi Z. nicht mehr. Und sein Handy war ausgeschaltet.

Obwohl ihr Rudi nie zuvor in Schönwald, wo er erschossen wurde, gewesen sei, glaubt Nicole B. nicht an einen tragischen Zufall im Morgengrauen. „Ich glaube, das ist mehr als nur eine Verwechslung“, sagt sie. Der Jäger beharrt allerdings darauf, er habe den raschelnden Schatten drei Meter unter seinem Hochsitz für eine Wildsau gehalten.

Diese Woche noch soll Rudi Z. in Schwarzenbach beerdigt werden. Seine Verlobte darf nicht dabei sein: „Seine Familie macht mich für das alles verantwortlich. Ich durfte mich nicht einmal von ihm verabschieden“, sagt sie traurig. Dabei wünscht sie sich doch auch nur, die Wahrheit zu erfahren – und eine harte Strafe für den Schützen.

MC

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polizei hebt große Cannabis-Aufzuchtanlage aus 
Bei der Durchsuchung des Grundstücks eines 29-Jährigen in Markl am Inn fanden die Ermittler eine professionelle Indoor-Anlage zur Produktion von Cannabis. Außerdem …
Polizei hebt große Cannabis-Aufzuchtanlage aus 
Unfall mit mehreren Lastwagen sorgt für lange Staus auf A3
Nach einem Unfall mit mehreren Lkws nahe der Ausfahrt Marktheidenfeld musste am Donnerstagmorgen die A3 in beiden Richtungen gesperrt werden.
Unfall mit mehreren Lastwagen sorgt für lange Staus auf A3
Mindestens zwei Schwerverletzte bei Karambolage auf A92
Bei einem Unfall mit fünf Fahrzeugen auf der Autobahn 92 nahe Wörth an der Isar (Landkreis Landshut) sind am Donnerstagmorgen mindestens zwei Menschen schwer verletzt …
Mindestens zwei Schwerverletzte bei Karambolage auf A92
Kommentar: Für das Kindeswohl Eizellspende erlauben
Das Embryonenschutzgesetz muss dringend reformiert werden, kommentiert Merkur-Redakteurin Barbara Nazarewska: Nicht-anonyme Eizellspenden sollten erlaubt werden – zum …
Kommentar: Für das Kindeswohl Eizellspende erlauben

Kommentare