Schon 23 EHEC-Erkrankungen in Bayern

Erlangen - Der EHEC-Erreger breitet sich weiter aus. Jetzt ist die Zahl in Bayern auf 23 schwere Fälle gestiegen. Nun ist neben Bayreuth auch zwei Münchner Kliniken betroffen.

Die Zahl der am Darmbakterium EHEC erkrankten Menschen ist in Bayern am Freitag erneut gestiegen. Inzwischen hätten die bayerischen Gesundheitsbehörden 23 schwerere Fälle registriert, teilte eine Sprecherin des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Freitag in Erlangen mit. Acht EHEC-Patienten würden wegen des lebensbedrohlichen hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) behandelt, 15 weitere wiesen HUS-Symptome auf. Darüber hinaus gebe es drei HUS-Verdachtsfälle, Noch am Vortag waren in Bayern erst 15 gefährliche Infektionen mit dem Darmkeim EHEC bekannt.

Unverändert kritisch ist der Zustand der Bayreuther EHEC-Patientin. Die 28-Jährige liegt seit dem vergangenen Sonntag auf der Intensivstation des Klinikums. Sie befinde sich nach wie vor in einem stabilen künstlichen Koma, sagte der Leiter der Abteilung für Nierenheilkunde, Prof. Harald Rupprecht, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Ihre Laborwerte hätten sich zwar mittlerweile etwas gebessert. Ihre Nieren seien aber schwer geschädigt. Auch eine Schädigung des Gehirns könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, sagte Rupprecht.

In Münchner Kliniken werden inzwischen zwei Frauen mit schweren EHEC-Erkrankungen behandelt. Eine 30-Jährige werde auf der Infektions- Abteilung im Krankenhaus Schwabing, eine 47-Jährige in der Klinik in Harlaching intensivmedizinisch betreut. “Bei beiden Patienten ist der Zustand dem Krankheitsverlauf entsprechend, aber stabil“, sagte ein Sprecher der Städtischen Kliniken München. Zwei am Klinikum Augsburg behandelte EHEC-Patienten sollten dagegen am Freitag nach umfassender Hygieneberatung entlassen werden.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Die Behörden in Bayern haben unterdessen die Kontrollen von Gemüse ausgeweitet. Salatgurken aus Spanien dürfen demnach nur dann verkauft werden, “wenn das Lebensmittelunternehmen mittels entsprechender Prüfung die Unbedenklichkeit bestätigen kann“, teilte das Landesamt in Erlangen mit. Bislang seien bei den Überprüfungen im Freistaat keine EHEC-Keime in Gemüse nachgewiesen worden. Im Hamburg wurden als Quelle für den gefährlichen EHEC-Erreger Gurken aus Spanien identifiziert.

Rege genutzt wird nach Angaben der LGL-Sprecherin eine von der Landesbehörde geschaltete Telefon-Hotline. 50 Prozent der Anrufer seien besorgte Bürger, die sich über den Ausbreitungsgrad von EHEC informierten und wissen wollten, bei welchen Lebensmitteln eine Infektionsgefahr bestehe. Die andere Hälfte seien Firmen und Betreiber von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Heimen.

Die derzeitigen EHEC-Infektionen könnten nach Einschätzung eines Experten vom Gülleeinsatz in der industriellen Landwirtschaft mit verursacht worden sein. Die auf den Feldern ausgebrachte Gülle enthalte den gefürchteten Keim, sagte der leitende Oberarzt der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München, Hans Dieter Nothdurft am Freitag. Etwa jede fünfte Kuh trage irgendwelche EHEC-Erreger in sich. Damit seien sie ebenso wie Schafe und Ziegen potenzielle Verbreiter. Zudem würden die Tiere in der konventionellen Haltung mit Antibiotika behandelt. Dies könne die Resistenz des aktuellen, sehr seltenen Keims begünstigt haben.

dpa/lby

Rubriklistenbild: © dpa

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