+
Der 15-Jährige, der sich in der Wildschönau verfahren hatte.

Riesiges Glück: Schüler (15) überlebt in Schneehöhle

Wildschönau/Bayerisch Gmain - Einmal nur nahm Patrick wegen der saumäßigen Sicht die falsche Kurve. Doch dieser Skischwung wurde für den 15-jährigen Schüler, der aus Bayrisch Gmain (Kreis Berchtesgadener Land) stammt, zum Kampf auf Leben und Tod.

Gefangen bei klirrender Kälte im Schneesturm am Berg! Und doch gab es Hoffnung…

Mit seiner Klasse war Patrick im Skilager in Thierbach in der Wildschönau, wo alle in einer Unterkunft am Fuße des Schatzbergs (1903 Meter) untergebracht sind. Das Hotel lässt sich von der Piste aus erreichen, dafür mussten die Jugendlichen allerdings in den freien Skiraum abzweigen. Genau diesen Weg nahm Patrick anfangs auch, wie schon zuvor. Doch der Schneefall war so dicht, dass er sich plötzlich alleine und an einem für ihn unbekannten Ort wiederfand. Was tun? Es war bereits gegen halb fünf, und die Sicht unter aller Kanone.

Das Skigebiet Wildschönau.

Sein Fehlen fiel in der Unterkunft lange nicht auf. Um 19.30 Uhr klingelte es bei der Bergrettung im Nachbarort Auffach. „Es war ein Lehrer am Apparat, der einen Schüler vermisste“, erinnert sich Werner Hofer von der Bergrettung, der später den Einsatz leitete. Der Lehrer gab als Hinweis, dass der Bursch’ zuletzt bei der Abfahrt vom Schatzberg gesehen wurde. Draußen fegte ein heftiger Schneesturm über die Gipfel, die Retter wussten: Jetzt gilt jede Minute. Über 30 Männer der Bergrettung und dazu Alpinpolizisten machten sich auf die Suche. Bernhard Silberberger war dabei: „Es war ein Einsatz unter Lebensgefahr, verbunden mit enormen Strapazen.“ Immer wieder riefen die Retter, die in kleinen Gruppen ausgeschwärmt waren, den Namen des Vermissten in die Nacht. „Patrick, Patrick!“ Doch nie kam eine Antwort, zu hören nur der eigene, um Sauerstoff ringende Atem.

Bis jemand tatsächlich eine Skispur entdeckte. „Sie führte zum Weißenbachgraben, einer klassischen Schlucht“, sagt Bergretter Werner Hofer. In der Wildschönau ist der Graben wegen seiner Steilheit gefürchtet. Unten tost im Frühjahr das Wildwasser, im Winter ist er fast unzugänglich, auch wegen der Lawinengefahr. Genau hier hatte Patrick, eine Art „kontrollierten Absturz“ hingelegt, wie es Hofer erklärte, um Schutz vor dem Wetter zu suchen. Weit unten entdeckten die Retter schließlich um 23.30 Uhr den vermissten Schüler, er döste in einer selbstgegraben, höhlenähnlichen Not-Biwak, sein Schutz zum Überleben bei minus 20 Grad. Seine Körpertemperatur betrug allerdings nur noch 34 Grad. Bergrettungsarzt Michael Bachmann, der den Schüler ins Krankenhaus Kufstein einwies: „Der Einsatz in dieser Nacht war eine Lebensrettung.“ Für alle Beteiligten war aber auch klar: Der tapfere Patrick hat in dieser Situation alles richtig gemacht. Das Fernsehen hatte ihm die Tipps dazu gegeben. Den Rettern sagte er: „Ich habe in der Serie Galileo gesehen, wie man sich in Bergnot verhält.“

Markus Christandl

Chefarzt erklärt: Darum ist Patrick nicht gestorben

Dass der junge Mann noch lebt, verdankt er wahrscheinlich seiner Skibekleidung“, sagt Anästhesie-Chefarzt Prof. Peter Tassani (48) vom Deutschen Herzzentrum München. „Denn erst ab einer Körpertemperatur von unter 30 Grad Celsius herrscht Lebensgefahr. Dann beginnt das Herz zu flimmern und so schnell zu schlagen, dass kein Blut mehr transportiert wird. Bei einer Temperatur von 34 Grad hat ein Mensch also sehr gute Überlebenschancen. Die Frage ist, wie lange er es noch in seiner Schneehöhle ausgehalten hätte. Denn wie schnell ein Körper auskühlt, hängt auch von der Kleidung ab. Dazu kommt, dass Kälte den Körper auch schützen kann. Das Herz schlägt dann langsamer, der Stoffwechsel der Gehirnzellen verlangsamt sich. Während bei einem Menschen mit 37 Grad Körpertemperatur das Gehirn höchstens drei Minuten ohne Schäden überleben kann, verlängert sich diese Zeit bei unterkühlten Patienten. Manchmal kann dann sogar eine Stunde nach Eintreten des Todes eine Wiederbelebung erfolgreich sein.

Diesen Effekt nutzen wir auch in der Herzchirurgie bei Babys. Wenn man hier keine Herz-Lungen-Maschine anschließen kann, kühlen wir den kleinen Körper ab. Dann können die Chirurgen bis zu 45 Minuten am stehenden Herz operieren, ohne dass Hirnschäden zurück bleiben. Keine Überlebenschance haben dagegen Menschen, die in null Grad kaltes Wasser fallen. Ihr Körper kühlt so schnell aus, dass der Tod schon nach wenigen Minuten eintritt.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Autofahrerin prallt gegen Hauswand und stirbt
Bei einem schweren Unfall am Samstagnachmittag ist eine Frau ums Leben gekommen. Die 63-Jährige war in Regensburg gegen eine Hauswand gefahren.
Autofahrerin prallt gegen Hauswand und stirbt
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Ein Auto ist im Kreis Dillingen in die Donau gefahren. Taucher fanden am Samstagnachmittag die Fahrerin im Wageninneren.
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen
Es ist das größte Hüttenbauprojekt, das die Alpenverein-Sektion Oberland je in Angriff genommen hat: Ab September wird die Falkenhütte im Karwendel für 6,3 Millionen …
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen
Gefahr für Schwammerlsucher - Bereits 200 Anrufe bei Giftnotruf
Der nasse Sommer lässt die Pilze sprießen. Kundige Sammler füllen ihre Körbe für einen leckeren Schmaus. Doch gleichzeitig vergiften sich immer wieder Menschen.
Gefahr für Schwammerlsucher - Bereits 200 Anrufe bei Giftnotruf

Kommentare