Schüler mit Maske
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Die Abschlussklassen dürfen noch in den Präsenzunterricht. (Symbolbild)

Stress, Panik und Zukunftsängste

Schüler machen sich Sorgen um das Abitur

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Seit Mittwoch starren 40 Prozent der Schüler in Bayern wieder auf ihre Bildschirme statt auf die Tafel. Vier Münchner Schülervertreter haben in einer Videokonferenz die Situation der Jugendlichen geschildert – und nahmen kein Blatt vor den Mund.

München – Stress vor dem Abi, Panik den Stoff nicht aufholen zu können, Bammel vor dem ständigen Arbeiten mit der Online-Lernplattform. Gerade durchleben die Schüler ein Chaos der Emotionen. Doch das vorherschenden Gefühl der Angst überwiegt. Angst, wie es weitergeht.

„Vor allem in der Oberstufe geht jetzt während des Lockdowns die Angst um“

Alexander Löher

„Wir wissen nicht was kommt“, sagte Alexander Löher, Vorsitzender der Münchner Schülervertretung (SSV), in der Online-Pressekonferenz zusammen mit dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Der 18-Jährige aus Neuried (Kreis München) macht nächstes Jahr sein Abitur. „Vor allem in der Oberstufe geht jetzt während des Lockdowns die Angst um“, sagte er. „Wir möchten die Rückstände aufholen, aber die Zeit bis zum Abitur läuft davon. Außerdem geht der Stoff ja weiter.“ Noch dürfen die Abschlussklassen in den Präsenzunterricht kommen – doch wie lange das so bleibt, weiß keiner. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann erwartet, dass im Januar schon mehr Schüler in den Distanzunterricht wechseln müssen. „Wir setzen aber alles daran, dass ihr nicht zu Verlierern werdet, und versuchen den zusätzlichen Druck so gut es geht rauszunehmen“, sagte sie. Das ist eine Maßnahme, die sich die Schüler dringend wünschen. „Der Noten- und Leistungsdruck in diesem Halbjahr ist sehr hoch“, sagte Julien Greiner, Schüler einer Freien Waldorfschule. Das liege daran, dass die Lehrer versucht hätten noch vor dem erneuten Lockdown alle Noten zusammenzubekommen. „Der Staat muss eine klare Ansage machen“, sagte Greiner. In seinen Augen sollen die Noten während der Pandemie nur zweitrangig sein. Das würde den Schülern eine enorme Last nehmen. „Die Psyche der Jugendlichen leidet unter der aktuellen Situation“, bestätigte Löher.

In Bayern wird zwischen dem 9. Dezember und 5. Januar wegen der Coronavirus-Pandemie der Katastrophenfall verhängt. Welche Regeln jetzt gelten.

Online-Unterricht: Kein Feedback für Schüler

Ein Problem ist, dass in vielen Online-Klassen derzeit keine Interaktion mehr stattfindet. Die Lehrer geben Arbeitsaufträger, die Schüler führen sie zu Hause aus. „Wir bekommen kein Feedback mehr“, sagte die Münchner Gymnasiastin Mireia Herrer. „Für mich basiert Bildung aber auf Korrekturen.“ Geärgert hat die Schüler auch, dass Mebis immer wieder streikt. „Schon im Frühjahr hat das Programm nicht einwandfrei funktioniert“, sagte Löher. „Was wurde in den letzten Monaten gemacht?“

Neben den vielen negativen Aspekten hat der Distanzunterricht auch positiven Seiten. Die Schüler würden mit mehr Lust und Motivation an den Unterrichtsstoff rangehen und versuchen Rückstände aufzuholen, sagte Fleischmann. „Das war es dann aber auch schon mit den positiven Dingen“, merkte Löher an.

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