Schüler protestieren gegen Situation am G8

Bamberg/München - Bayerns Schüler machen Front gegen den als viel zu hoch empfundenen Leistungsdruck am neuen achtjährigen Gymnasium (G8).

Bei landesweiten Aktionen demonstrierten am Freitag mehrere Tausend G8-Schüler gegen die Politik von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und forderten erneut eine Entschlackung der Lehrpläne. “G8 - nimmt uns die Nacht“, “Wir werden nicht G8et“ oder “Wir sind überarbeitet, nicht die Lehrpläne“ stand auf Plakaten und Transparenten der Schüler. Bei der zentralen Kundgebung in München forderte Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann von der SPD-Landtagsfraktion die Staatsregierung auf, endlich für eine vernünftige Schulpolitik zu sorgen.

Die Demonstrationen seien der Beweis für einen dringenden Handlungsbedarf. In München demonstrierten nach Polizeiangaben am Vormittag 1500 Schüler, an der Abschlusskundgebung nahmen 2500 junge Menschen teil. Die Schüler verlangen auch eine Verringerung der wöchentlichen Stundenzahl, weniger Abituranforderungen, mehr Lehrer und kleinere Kurse. Auch in Bamberg, Bayreuth, Würzburg, Augsburg und Kempten gingen Hunderte von Gymnasiasten auf die Straße. Präsident Klaus Wenzel vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) rief bei der Münchner Protestaktion alle Lehrer dazu auf, sich mit den Schülern zu solidarisieren.

Insbesondere dürfe kein Schüler wegen der Teilnahme an den Protesten bestraft werden, nur weil diese zum Teil während der Unterrichtszeit stattfanden. Vielmehr müsse man die Aktionen der Schüler als “gelebte Demokratiepädagogik“ und als “Politikunterricht vom Feinsten“ verstehen, sagte Wenzel. Kultusminister Spaenle hatte die Terminplanung im Vorfeld als “blanke Provokation“ kritisiert, weil mehrere Protestaktionen noch während der Schulzeit angesetzt waren. Nach den Worten von Spaenle ist es den Direktoren der Gymnasien überlassen, ob sie disziplinarische Maßnahmen ergreifen oder unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht anderweitig pädagogisch aufarbeiten.

Die Folgen von G8

SPD-Bildungssprecher Pfaffmann rief Spaenle auf, von Repressalien und Strafmaßnahmen abzusehen. Dazu werde die SPD-Fraktion eine parlamentarische Initiative einbringen. “Wenn jemand einen Verweis verdient hat, dann die gesamte CSU/FDP-Staatsregierung für ihre verfehlte Schulpolitik zulasten der Schüler, Eltern und Lehrer“, sagte Pfaffmann. Fraktionschefin Margarete Bause von der Grünen-Landtagsfraktion sagte, das Kultusministerium habe mit den bisherigen Korrekturen am G8 die Lage nur “verschlimmbessert“. “Ihr müsst den Murks ausbaden, das ist eine Sauerei“, rief Bause den Schülern auf dem Münchner Odeonsplatz zu. Spaenle sprach dort auch zu den Schülern - aber erst kurz nach 13.00 Uhr und somit nach der Kern-Unterrichtszeit. Der mit Pfiffen empfangene Kultusminister versicherte erneut, dass die von den Schülern benannten Probleme in seinem Hause ernst genommen würden.

In Bamberg gingen nach Angaben der Organisatoren rund 800 Schüler aus Ober- und Unterfranken auf die Straße und zogen vom Bahnhof in die Innenstadt. In Würzburg protestierten rund 500 Schüler auf dem Platz vor der Residenz. In Bayreuth protestierten rund 1000 Gymnasiasten lautstark mit Trillerpfeifen gegen die Bildungspolitik der Staatsregierung. Unterstützt wurden die Schüler auch von zahlreichen Eltern. Der Vater eines Gymnasiasten, der seinen Namen mit Rücksicht auf seinen Sohn nicht genannt haben wollte, beschrieb am Rande der Kundgebung in Bayreuth die Folgen des G8: Angesichts des Leistungsdrucks und der Stofffülle bleibe vom Erlernten wenig hängen.

Kaum ein Schüler habe mehr Zeit für Musik oder Sport. Die Folgen bekämen auch die Vereine zu spüren, die in der Jugendarbeit zunehmend Nachwuchssorgen beklagten. “Das G8 ist eigentlich immer noch ein G9, weil die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Schüler eine Ehrenrunde drehen müssen“, sagte der 47-Jährige. Bei der Protestkundgebung auf dem Rathausplatz in Kempten mit rund 200 Teilnehmern sagte der Großvater eines G8-Schülers: “Es ist gut, dass sich die Kinder wehren. Sie büffeln wie die Ochsen und haben einen längeren Arbeitstag als viele Arbeitnehmer.“ Bei der anschließenden Demonstration zogen rund 650 überwiegend junge Menschen mit.

dpa

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