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Es geht wieder los, auch für die Erstklässler. Wahrscheinlich bekommt aber nicht jeder so eine dicke Schultüte wie dieses Mädchen.

Talsohle scheint durchschritten

Wende nach zehn Jahren: Schülerzahl steigt wieder

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München - Es ist eine Trendwende: Zu Beginn des neuen Schuljahrs am kommenden Dienstag sind erstmals seit über zehn Jahren wieder mehr Schüler registriert. Das hängt aber nicht nur mit steigenden Flüchtlingszahlen zusammen.

Die Talsohle scheint durchschritten, jetzt geht es wieder nach oben: Nachdem die Zahl der bayerischen Schüler im zurückliegenden Schuljahr 2015/16 mit 1,68 Millionen einen absoluten Tiefstand erreicht hatte, steigt sie im neuen Schuljahr 2016/17 erstmals seit über zehn Jahren an – um gut 17 000 Kinder auf dann 1,698 Millionen. Vor allem die Zahl der Grundschüler wächst. So werden 111 000 Erstklässler eingeschult, 2000 mehr als im Vorjahr. Das Kultusministerium rechnet damit, dass dieser Anstieg anhalten wird – im Schuljahr 2017/18 werden 1,709 Millionen Schüler erwartet, 2030 1,76 Millionen, also 80 000 mehr als heute. „Man kann von einer Trendwende sprechen“, sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Gründe seien die Binnenwanderung aus anderen Bundesländern und eine wieder steigende Geburtenzahl. Auch wenn man den dritten Faktor, die steigende Anzahl von Flüchtlingskindern, herausrechne, weise die Gesamtschülerzahl nach oben.

Für Spaenle bedeutet das: Er muss schauen, wo er die Lehrer herbekommt. An Grund- und Hauptschulen wurde heuer jeder Junglehrer eingestellt, selbst wenn er eine 3,5 im Staatsexamen hatte. Es herrsche Vollbeschäftigung. „Früher hatten wir eine lange Warteliste, heute holen wir den Lehrer mit Kapelle am Bahnhof ab“, sagt Spaenle. Lediglich an Realschulen und Gymnasien ist es bei manchen Fächerverbindungen weiter schwierig bis unmöglich, eine Stelle zu ergattern.

Zwei Schwerpunkte gibt es im neuen Schuljahr:

-die Flüchtlingskinder: Das Sozialministerium hatte Ende Juli 58 500 Zuwanderern im schul- oder berufsschulpflichtigen Alter gemeldet. Für sie gibt es zum einen knapp 700 Übergangsklassen an Grund- und Hauptschulen, in denen die Schüler vor allem Deutsch lernen. Sind erste Kenntnisse vorhanden, wechseln die Schüler in die normale Klasse, erhalten aber zusätzlich Deutsch-Unterricht. Vermutlich noch mehr Flüchtlingskinder im jugendlichen Alter, etwa 20 000, gehen zum zweiten in eine von über 650 Berufsintegrationsklassen. Sie sind auf zwei Jahre angelegt. Punktuell, an fünf Standorten, gehen Flüchtlingskinder auch in Förderklassen in Gymnasien, die Realschulen probieren das an 17 Standorten aus.

-Zweiter Schwerpunkt ist die Vorbereitung von G9-Zügen an den Gymnasien. Ab dem Schuljahr 2018/19, ein Schuljahr später als zunächst gedacht, soll jedes Gymnasium eine um ein Jahr gedehnte Mittelstufe anbieten dürfen. Auch neue Möglichkeiten für die Begabtenförderung sind angedacht, etwa die von Philologenchef Max Schmidt ins Spiel gebrachte Überlegung, G9-Schülern einen individuellen Wechsel ins G8 zum Halbjahr zu ermöglichen. Der Dialog mit den Verbänden dauert an – es wird noch weitere Ideen geben. Spaenle skizzierte gegenüber unserer Zeitung den Zeitplan: Bis Juli 2017 soll der Landtagsbeschluss vorliegen und sowohl das Schulgesetz als auch die Gymnasiale Schulordnung geändert werden. „Danach haben die Gymnasien ein ganzes Jahr Zeit, sich damit zu befassen.“ Die Schule – Schulträger ebenso wie die Verantwortlichen bei Lehrern und Eltern – müssten dann einen Antrag formulieren. „Und dieser wird in München, im Kultusministerium, entschieden“, stellte Spaenle klar. Das Ministerium habe dann auch die politische Verantwortung.

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