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Wehrhaftes Brauchtum: Zum Selbstverständnis der Gebirgsschützen gehören das „Bleame am Huat“ und der Karabiner in der Hand. Im Namen nicht nur der Reichenhaller Kompanie sagt Hauptmann Karl-Heinz Schmitt daher: „Ohne Waffen sind wir ein Trachtenverein wie viele andere auch.“

Wieder Streit zwischen Schützen und Kirche

Büchse gegen Kreuz: Pfarrer verbietet Waffen

Bad Reichenhall - Ein priesterliches Waffenverbot hat in Bad Reichenhall einen heftigen Streit zwischen den Gebirgsschützen und dem Stadtpfarrer ausgelöst. Nach einem Disput in Bad Endorf ist dies der zweite Konflikt zwischen Schützen und Kirche.

Erneut ist in Oberbayern ein Streit über die Armierung von Gebirgsschützen eskaliert. Nach dem Zwist zwischen dem Pfarrverbandsrat und der Schützenkomanie in Bad Endorf (Landkreis Rosenheim), bei dem letztlich das Erzbischöfliche Ordinariat aus München anreisen und für einen Kompromiss hatte sorgen müssen, krachte es jetzt in Bad Reichenhall (Landkreis Berchtesgadener Land).

Der dortige Seelsorger Eugen Strasser-Lengenfeld, der nach der Zusammenlegung der vier Reichenhaller Pfarreien seit 2102 als Stadtpfarrer fungiert, lehnt nämlich Waffen in Gottesdiensten strikt ab. Er könne einfach nicht verstehen, so Strasser-Lengenfeld, dass den Schützen der Karabiner wichtiger sei als der Kelch. „Eucharistie und Waffen gehören für mich nicht zusammen“, sagte Strasser-Lengenfeld dem „Reichenhaller Tagblatt“. Dem hielt der Reichenhaller Gebirgsschützen-Hauptmann Karl-Heinz Schmitt entgegen, dass ein Gebirgsschütze ohne Büchse einfach kein Gebirgsschütze sei, „sondern nur ein Trachtenvereinsmitglied wie jedes andere auch“.

Eine Lösung scheint sich nicht abzuzeichnen, im Gegenteil. Das diesjährige Fronleichnamsfest – das aufgrund des schlechten Wetters ohne Prozession stattfand – besuchten die Gebirgsschützen aus Protest nicht. Und auch in Zukunft wollen sie die kirchlichen Feiern in Reichenhall boykottieren. Das Tragen der Waffen sei für die Kameraden identitätsstiftend, weshalb sie ihre historischen Karabiner und Säbel auch weiterhin bei Gottesdiensten zeigen wollen, betonte gestern Hauptmann Schmitt.

Das Erzbischöfliche Ordinariat ist über die Vorgänge in Reichenhall informiert und will dem Pfarrer bislang keine Vorschriften machen. Wie eine Sprecherin bestätigte, habe ein Gespräch mit Strasser-Lengenfeld stattgefunden. Darüber hinaus gebe es aber „keine grundsätzliche Haltung bei uns im Ordinariat: mit oder ohne Waffen.“ Jeder Pfarrer sei für seine Gemeinde und Gottesdienste selbst verantwortlich.

Karl Steininger, Landeshauptmann der bayerischen Gebirgsschützenkompanien aus Kleinpienzenau (Landkreis Miesbach), ist in seiner Haltung dagegen eindeutig: „Für uns gibt es kein Wenn und Aber!“ Gebirgsschützen verstünden sich als Hüter des wehrhaften Brauchtums. Allein in Bayern gebe es von Berchtesgaden bis zum Werdenfelser Land 47 Kompanien, in denen 12 000 Mitglieder organisiert seien. „Wir werden deshalb auch in Zukunft mit Waffe auftreten!“

Selbst das Bayerische Innenministerium ist mittlerweile in die Causa eingeschaltet. Pfarrer Strasser-Lengenfeld hatte nämlich angeregt, dass die Schützen ihre Waffen während der Gottesdienste im Pfarrheim deponieren könnten. Landeshauptmann Steininger hielt dies aus waffenrechtlicher Sicht für bedenklich, da im Falle eines Diebstahls oder gar Missbrauchs Dritter der Waffenbesitzer haftbar gemacht würde. „Wie soll das denn gehen“, fragte Steininger, „wenn bei größeren Kompaniefesten mehrere Hundert Waffen dort aufbewahrt werden sollen?“ Das Ministerium soll den Vorschlag des Pfarrers daher prüfen und bewerten. Hauptmann Schmitt fiel zu den Plänen des Pfarrers nur ein: „Ja wo samma denn!“

Anfang April hatte ein ähnlicher Streit zu einem tiefen Graben durch den Pfarrverband Bad Endorf geführt, der nur durch einen – hinter verschlossenen Türen – zusammengezimmerten Kompromiss überbrückt werden konnte. Demnach sollten die Schützen zur Fronleichnamsprozession zwar mit ihren Karabinern erscheinen dürfen, sollten diese aber nicht neben, sondern jeweils nur vor und hinter der Monstranz hertragen dürfen. Dadurch sollte gewährleistet werden, dass das Allerheiligste nicht durch Waffen verdeckt wird. „Das hat super funktioniert“, berichtete gestern Josef Entfellner, Hauptmann der Bad Endorfer Gebirgsschützenkompanie, „alles war friedlich.“

Stefanie Zipfer

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