Schuhe ausziehen, bitte! Was Feuerwehrler alles erleben

Der ganze Keller steht unter Wasser - doch die Hausbesitzerin befiehlt den Feuerwehrmännern an der Tür, die Schuhe auszuziehen. Wenn Floriansjünger aus dem Nähkästchen plaudern, wird es sehr amüsant...

„Es gibt nichts, was es nicht gibt. Uns passieren ständig außergewöhnliche Dinge“, berichtet Gerhard Bullinger, Kreisbrandrat im Landkreis Ebersberg und Stellvertretender Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands.

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Er erinnert sich an einen Vorfall in Vaterstetten, als nach starken Regenfällen der Keller einer älteren Dame unter Wasser stand. „Sie wollte uns aber nicht hereinlassen, bevor wir nicht unsere Schuhe ausgezogen haben“, sagt Bullinger schmunzelnd. „Das ging natürlich nicht – wir haben ja Vorschriften unsere Schutzkleidung betreffend.“ Dann habe sie die Feuerwehrleute ständig ermahnt, „ja keinen Dreck zu machen“. Weil der Einsatz länger dauerte als geplant, bat ein Feuerwehrmann die Hausbesitzerin, seinen Arbeitgeber anrufen zu dürfen. Die Rentnerin habe ihm das Telefon mit den Worten „Aber legen’s mir danach 20 Cent hin“ gereicht.

Pingelige Hausbewohner hat auch Josef Gmeinwieser, Kommandant in Unterhaching (Landkreis München) , schon erlebt. „Als wir bei einem Mann den Wasserschaden unterm Dach richten wollten, meinte dieser auch, wir sollten unsere Schuhe ausziehen. Sonst würde sein weißer Teppich dreckig werden. Diesen Zahn habe ich ihm aber gleich gezogen“, sagt Gmeinwieser lachend.

Die dramatischen Einsätze der Münchner Feuerwehr

Die dramatischen Einsätze der Münchner Feuerwehr 2008

Bei einem anderen Einsatz wurde die Unterhachinger Feuerwehr vor einigen Jahren an einem Ostersonntag in eine Pension gerufen. „Es ging darum, eine Zimmertür aufzubrechen, weil sich im Raum ,eine kranke Person‘ befände“, erzählt Gmeinwieser. Als die Feuerwehrleute sich Zugang ins Pensionzimmer verschafft hatten, fanden sie einen Mann vor, der so viele Ostereier mit Schnapsfüllung gegessen hatte, dass er „völlig betrunken im Zimmer hing“. „Das war phänomenal“, sagt der Unterhachinger Kommandant. „Da lag ein riesiger Berg von leeren Ostereierpapierchen. Der muss soviel gegessen haben – eigentlich hätte es den zerreissen müssen.“

Missverständnisse sind ein täglich Brot bei der Feuerwehr. Kreisbrandmeister Andreas Englberger aus Sauerlach (Kreis München) berichtet von einer Begegnung, als sich eine Familie Sorgen um eine betagte Angehörige machte. Als die Truppe die Wohnung der Dame für den Notarzt öffnete, stand diese plötzlich im Nachthemd vor den Einsatzkräften und beschimpfte diese aufs Übelste. „Da haben wir uns schon sehr erschrocken“, sagt Englberger.

Viele Einsätze seien kurios, berichtet Ludwig Etzelsberger, Kreisbrandmeister aus Kirchheim (Kreis München). „Aber das ist ja auch das Problem der Feuerwehren: Was ein Außenstehender vielleicht als lustig empfindet, ist für den Leidtragenden nicht so witzig.“ Deswegen müsse man immer sehr sensibel damit umgehen.

lom

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