Kerstin Haferkorn, Direktorin der Realschule Prien.

Zum Schulanfang: In Prien beginnt’s um 7 Uhr

Die Frühaufsteher vom Chiemsee

Prien - Die Schule beginnt in Bayern um 8 Uhr. Das ist so, das war so, das wird immer so sein. Nicht aber in Prien am Chiemsee. Dort ist Schulbeginn an den weiterführenden Schulen um 7.10 Uhr.

Ein Gespräch mit einer „Leidtragenden“, der Direktorin an der Staatlichen Realschule Prien, Kerstin Haferkorn.

Hallo Frau Haferkorn. Bald geht es wieder los, das frühe Aufstehen.

Hören Sie mir auf. Ich bin das Aufstehen ja jetzt schon drei Jahre als Schulleiterin gewohnt, aber der Anfang war hart.

Wann stehen Sie auf?

Um 5 Uhr. Ich habe 19 Kilometer Fahrweg. So um viertel nach sechs Uhr möchte ich im Büro sein. Die ersten Schüler treffen um zehn vor sieben ein. Die Sachranger Kinder fahren schon um kurz nach sechs los.

Warum beginnt eigentlich die Schule in Prien schon um 7.10 Uhr?

Im Moment sogar um 7.05 Uhr. Die Kreisstraße Prien-Frasdorf ist gesperrt – Bauarbeiten. Daher müssen die Busse mittags früher los fahren. Aber warum das so ist? Gute Frage. Das war immer schon so, seit vielleicht 40 Jahren. Uns wurde gesagt, früher sei das wegen ungünstiger Nahverkehrsverbindungen nicht anders gegangen. Viele der Schüler kommen ja von außerhalb, fahren mit Bus oder Bahn. Erst führte das Gymnasium den frühen Schulbeginn ein, dann die kommunale Realschule. Die Staatliche Realschule Prien gibt es ja erst seit 2012, da blieb uns gar nichts anderes übrig, als uns zu fügen.

Hält der Biorhythmus der Kinder das aus?

Manche Kinder finden’s toll, andere haben Probleme damit. Manche sind Frühaufsteher, andere haben mit der Müdigkeit zu kämpfen – das ist auch bei den Lehrern so. Aber so dramatisch ist das nicht. Wenn Sie so Neunt- oder Zehntklässler an anderen Schulen ansehen – die sind auch um 8 Uhr noch nicht ausgeschlafen. Und wenn man bei uns die Ergebnisse von Stegreifaufgaben ansieht, die entweder in der ersten oder erst in der dritten Stunde geschrieben wurden, so gibt es eigentlich keinen Unterschied bei den Noten.

Viele Experten raten dazu, die Schule erst um 9 Uhr zu beginnen. Da führt ja bei Ihnen kein Weg hin, oder?

Überhaupt nicht. Aber 9 Uhr würde ich auch nicht gut finden. Dann fallen die Schüler ja in das Mittagsloch, wenn die Biokurve absackt. Wie soll das funktionieren? Unterricht von 9 bis 12 Uhr und dann erst wieder ab 15 Uhr? Bei uns ist um 12.10 Uhr Schulschluss – das muss man auch mal sehen.

Sie werden also nichts ändern?

Ich kann es gar nicht. Wenn, dann müssten alle drei Schulen umstellen. Wir fahren ja alle mit den gleichen Bussen. Am Gymnasium gibt es immer wieder Unterschriftenlisten, in denen ein späterer Schulbeginn gefordert wird. Das ist bisher immer gescheitert. Als ich einmal öffentlich gesagt habe, ich würde auch darüber nachdenken, konnte ich mich warm anziehen. Es gab sofort Anrufe von Eltern, die ihr Kind von der Schule abmelden wollten.

Das Gespräch führte Dirk Walter

Im neuen Schuljahr: Mehr Flüchtlingskinder, Mittelstufe plus und Englisch für Erstklässler

Trotz der Flüchtlingskinder: Für das neue Schuljahr, das am Dienstag beginnt, geht das Kultusministerium von leicht sinkenden Schülerzahlen aus. Insgesamt gehen 1,68 Millionen Kinder zur Schule – 6700 weniger als im Vorjahr. Es gibt 109 300 Erstklässler, auch das sind weniger als im Jahr zuvor.

Trotz der Flüchtlingskinder: Für das neue Schuljahr, das am Dienstag beginnt, geht das Kultusministerium von leicht sinkenden Schülerzahlen aus. Insgesamt gehen 1,68 Millionen Kinder zur Schule – 6700 weniger als im Vorjahr. Es gibt 109 300 Erstklässler, auch das sind weniger als im Jahr zuvor.

Eine „echte Trendwende“ sieht Schulminister Ludwig Spaenle (CSU) indes bei den Grundschulen insgesamt sowie bei den Mittelschulen: Die Grundschulen wachsen um 5000 auf 425 000 Kinder, die oft schon tot gesagten Mittelschulen um 1300 Schüler auf nun 204 100 Kinder. Rückläufig sind die Zahlen an den Gymnasien (jetzt 330 600 Schüler) und an den Realschulen (231 500).

Die Schülerzahlen werden indes im Laufe des Schuljahres wegen der Flüchtlingskinder zunehmen, sagte Spaenle. Dabei gehe es um Zahlen „im Zehntausender-Bereich“. Flüchtlingskinder werden dabei entweder in bayernweit 470 Übergangsklassen oder in Deutsch-Förderkursen unterrichtet. Insgesamt gebe es somit 1000 Klassen für Flüchtlingskinder. „Wir werden die Situation fortlaufend beobachten“, versprach Spaenle.

Schwierig und politisch umstritten ist die Lehrergewinnung. Das Kultusministerium experimentiert mit neuen Formen und hat eine Stabsstelle eingerichtet, über die freilich vorerst nur 50 Stellen verteilt werden können; weitere 50 Stellen seien „in Aussicht“.

Vor dem Schritt, nach Vorbild des Innenministers im großen Stil pensionierte Lehrkräfte zum ehrenamtlichen Engagement für Flüchtlingskinder zu motivieren, scheut Spaenle (im Moment) noch zurück. Es sei keine derartige Kampagne geplant. Es gebe ja jetzt schon viele ehemalige Lehrer, die das machten. Ebenso wies er Forderungen der Landtags-Opposition, 1000 Lehrer neu einzustellen (die GEW will sogar 2200), weit von sich. Irgendwann sei „die Fahnenstange zu Ende“. „Flüchtlinge kommen, Junglehrer müssen gehen“, kommentierte der Bayerische Philologenverband enttäuscht.

Es gibt noch weitere Neuerungen im Schuljahr:

An 47 Gymnasien in Bayern startet die neue „Mittelstufe plus“ – Schüler absolvieren die 8. bis 10. Klasse unter anderem in Miesbach und Puchheim in vier statt drei Jahren. Der Versuch ist Kernstück eines reformierten Gymnasiums und wurde an den Versuchsschulen im Schnitt von 60 Prozent aller betroffenen Kinder gewählt – dort sind G8-Schüler künftig in der Minderheit.

Außerdem dürfen einzelne Grundschulen neue Formen der Ganztages-Betreuung ausprobieren – mit einer Betreuungszeit bis 18 Uhr auch am Freitag und zum Teil in den Schulferien. Exemplarisch werden 20 Grundschulen – unter anderem in Gauting und Poing – bilingual. Kinder lernen dann ab der 1. Klasse (statt erst ab der 3. Klasse) Englisch.

Spaenle kündigte ferner an, die Begabtenförderung zu einem neuen Schwerpunkt zu machen. Unter anderem soll es darum gehen, begabte Schüler an den Mittelschulen zu identifizieren und zu fördern.

dw


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