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Die Vereinfachte Ausgangsschrift bleibt

Schrift, Inklusion und Co.

Das wird sich an Grundschulen ändern

München - Die Grundschule in Bayern steht vor weitreichenden Veränderungen. Einige Entscheidungen sind schon gefallen – zum Beispiel, welche Schrift die Kinder künftig lernen sollen.

Auf den ersten Blick ist bei der Grundschule fast alles beim alten geblieben: Die Zahl der Grundschüler in Bayern ist nur leicht gesunken (um 5600 auf jetzt 416.800), die Klassenstärke stagniert (im Schnitt 21,2 Schüler je Klasse – Vorjahr: 21,3). Es gibt mehr Schulen mit dem Profil „Inklusion“, zum Beispiel nun auch in Fürstenfeldbruck, Dießen oder Grafing. Und die Zahl der sogenannten Flexiblen Grundschulen wird geringfügig erhöht – so können beispielsweise nun auch Kinder an der Grundschule Odelzhausen entscheiden, ob sie die ersten beiden Schuljahre in ein, zwei oder drei Jahren absolvieren – ohne dass dies im Zweifelsfall als Sitzenbleiben zählt. Das war’s auch schon mit den Veränderungen an den Grundschulen. Aber nicht für lange.

Denn in diesem Schuljahr werden die Weichen für eine umfassende Reform gestellt. Das Kultusministerium will zum nächsten Schuljahr 2014/15 einen von Grund auf neu geschriebenen Lehrplan („LehrplanPlus“) in Kraft setzen und die Grundschule sozusagen neu erfinden. Die Lehrer müssen sich in den kommenden Monaten mehrere Nachmittage lang fortbilden, an jeder Schule wird ein „Lehrplanbeauftragter“ installiert. Ein erster Entwurf des „LehrplanPlus“ wurde an Sachverständige der Universitäten geschickt, im November soll es eine Verbandsanhörung geben, im April die endgültige Entscheidung.

Das Kultusministerium hat angekündigt, mehr Wert auf grundlegende Kompetenzen statt auf Faktenwissen zu legen. Die bisherigen Verlautbarungen sind etwas wolkig, in einer Präsentation des Schulamts Rosenheims etwa hieß es, „Lernprozesse“ sollten künftig „wichtiger als das Ergebnis“ sein. Bereits jetzt äußert sich der Verband BLLV sehr skeptisch, da der Wert der Noten unverändert erhalten bleiben wird. Trotzdem wird es gravierende Veränderungen geben:

Rechtschreibung: Aufgeschreckt durch den Philologenverband – 60 Prozent der Lehrer an den Gymnasien hatten laut Umfrage Rechtschreibschwächen der Fünftklässler moniert – ist eine Diskussion über die Lehrmethode entbrannt. Die meisten Grundschullehrer korrigieren Rechtschreibfehler bei Erst- und Zweitklässler nur selten. „Unser Ziel ist die frühe Vermittlung von Rechtschreib-Strategien“, sagt dazu der Sprecher des Kultusministeriums, Ludwig Unger. Die Methodenwahl solle bei den Lehrern liegen.

Substraktionsverfahren: Seit einigen Jahren gibt es eine neue Abziehmethode, die von Eltern äußerst kritisch bewertet wird. Das Kultusministerium hat noch nicht entschieden – selbst an einer Universität hätten sich Fachleute widersprochen. Für den BLLV sagt Schulrektorin Simone Fleischmann: „Am besten wäre es, wenn die Lehrer verschiedene Methoden anbieten könnten.“

Schrift: Eine Zeit lang liebäugelten Experten mit einer neuen „Grundschrift“, die die jetzige „Vereinfachte Ausgangsschrift“ abgelöst hätte. Das scheint entschieden: die bisherige Schrift bleibt, bestätigt Ministeriumssprecher Unger. Allerdings fordert der BLLV Verbesserungen im Detail, etwa bei den Übergängen einzelner Buchstaben (etwa zum a). Das ist offen.

Eines ist auch klar: Für die Kommunen als Schulträger wird es teuer – sie müssen neue Bücher beschaffen. Der Oldenbourg Verlag als Branchenprimus freut sich schon: „Als bayerischer Schulbuchverlag unterstützen wir Sie auch 2014 bei der Einführung des neuen Lehrplans mit den passenden Lehrwerken.“

Dirk Walter

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