Eine Grafik von Oberbayern.
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Die Inzidenzgrafik für das südliche Oberbayern zeigt, dass im Osten Live-Unterricht nicht möglich ist.

Am Montag beginnt vermehrter Wechsel-Unterricht

Schule: Der Streit um die Luftfilter

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Luftfilter könnten in Klassenzimmern für mehr Sicherheit in der Corona-Pandemie sorgen. Aber beileibe nicht alle Kommunen haben Fördergelder beantragt. Eine Empfehlung des Ministeriums behindert Investitionen.

München – Ab heute wird es in den Schulgebäuden wieder voller: In 62 der 96 kreisfreien Städte und Landkreise mit einer Inzidenz von unter 100 können die Klassen wieder in de Präsenzunterricht zurückkehren – in der Regel mit geteilten Klassen und im täglichen Wechsel. Zahlen aus dem Kultusministerium zeigen jedoch, dass es an Sicherheitsvorkehrungen mangelt. Denn beileibe nicht alle Schulträger – also Kommunen – haben Geld für den Einbau von Luftfiltern beantragt. Viele begnügen sich mit stündlichem Stoßlüften der Klassenräume.

Die exakten Zahlen: Bayerische Schulträger haben Geld für Luftfilter in 12 000 Klassenzimmern und Fachräumen beantragt. Erst für 4700 ist die Förderung bewilligt, wie das Kultusministerium auf Anfrage mitteilte, für weitere 7300 liegen Anträge vor. Bayernweit gibt es laut Kultusministerium jedoch rund 74 000 Schulklassen – die Zahl der Klassenzimmer ist noch höher. Die Defizite illustriert auch folgende Zahl: Nur gut 800 der bayernweit 2500 Schulaufwandsträger haben bisher überhaupt Anträge für Luftfilter gestellt.

Eine Mutter beschwert sich

Der Schriftwechsel einer Mutter in Freising mit der Stadt illustriert, woran die Zurückhaltung liegen könnte. Die Mutter eines elfjährigen Gymnasiasten hatte gefordert, dass die Stadt Luftfilter einbaut und Plexiglasscheiben zwischen den einzelnen Sitzplätzen installiert. Die Kommune beruft sich indes auf den Rahmenhygieneplan des Ministeriums, der laut Stadt „ordnungsgemäße Stoß- und Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster“ empfiehlt. Luftfilter werden gar nicht erwähnt. Trennwände wiederum würden „die Luftzirkulation behindern“ und dürften daher gar nicht installiert werden. Diese Auffassung findet sich auch im Rahmenhygieneplan, der am vergangenen Freitag aktualisiert wurde.

Prof. Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg, hält diese Aussagen für falsch. Kähler hat den Luftfilter-Einbau früh propagiert und auch Messungen durchgeführt (wir berichteten). „Die Schutzwände behindern nicht die Luftzirkulation, da in Klassenzimmern die Mischlüftung vorherrscht“, schrieb er der Mutter. Er halte die Annahmen in dem Schreiben für falsch. Das Ministerium vertraue offenbar den „wissenschaftlich nicht fundierten“ Konzepten des Umweltbundesamtes, das allein auf „lüften, lüften, lüften“ setze. Das werde er dem Ministerium auch mitteilen. Eine Reaktion des Ministeriums steht noch aus.

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