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Unterricht bis in die Nachmittagsstunden? Das könnte zum Streitthema im bayerischen Wahlkampf werden.

Schule bis 16 Uhr: „Pädagogischer Mehrwert“

München – Wann endet künftig die Schule? Um 13 oder erst um 16 Uhr? Fehlende Ganztagsschulen in Bayern könnten ein wichtiges Thema beim Landtagswahlkampf 2013 werden, schließlich hat Ministerpräsidenten-Kandidat Christian Ude (SPD) der CSU hier Blockadehaltung vorgeworfen.

Doch Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sucht die Vorwärtsverteidigung: „Wir haben jeden genehmigungsfähigen Antrag genehmigt“, beteuerte er am Freitag. Bei der Koalitionsrunde in St. Quirin an diesem Wochenende soll es eine Aufstockung der Mittel geben.

Derzeit gibt es rund 3500 offene Ganztagsgruppen und 5525 Gruppen mit Mittagsbetreuung. Die Zahl der echten Ganztagsklassen, in denen am Nachmittag regulärer Unterricht stattfindet, ist freilich bescheidener. 983 Ganztagsklassen gibt es derzeit in Bayern. Statistisch betrachtet sind damit gerade einmal vier bis fünf Prozent der Schüler erfasst, hat der Lehrerverband BLLV vorgerechnet. Eine staatliche Ganztagsschule, in der alle Klassen aller Jahrgänge bis 16 Uhr zur Schule gehen, gibt es gar nicht.

Das ist der Punkt, wo die SPD einhakt. SPD-Bildungsexperte Martin Güll fordert ein ambitioniertes Programm. So müsse es ein Recht auf den Ganztagsplatz geben, außerdem in jedem Landkreis Ganztagsschulen. Güll sieht sie als Schulen „mit einer eigenen Philosophie“ an, wo nicht nur ein paar Klassen, sondern alle auf Ganztagsbetrieb umgestellt sind. Standorte könne ein Landkreis in einem Bildungsplan festlegen. Güll: „Es spricht doch nichts dagegen, von drei Gymnasien eines ganztags zu betreiben und den Eltern die Wahlfreiheit zu lassen.“

Wie viele in der SPD hält Güll die echte Ganztagsschule im Vergleich zu einer regulären Halbtagsschulen für pädagogisch wertvoller. Doch ist er skeptisch, ob die Ganztagsschule zur Regelschule erhoben werden könne. Spaenle wiederum schließt das auf lange Sicht nicht aus und konzediert sogar, eine neue Studie zeige, dass sie „einen pädagogischen Mehrwert“ habe. Für Konservative ist das eine bemerkenswerte Aussage. Um ganztags zur Regel zu machen, sei aber ein Landtagsbeschluss erforderlich. Er selbst könne das derzeit nicht empfehlen.

Dirk Walter

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