Seit dieser Woche gibt es für die Abschlussklassen in Bayern Wechselunterricht.
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Seit dieser Woche gibt es für die Abschlussklassen in Bayern Wechselunterricht. (Symbolbild)

Forderung an die Staatsregierung

Wechselunterricht in Bayern: Eltern, Schüler und Verbände sauer - „Fühlen uns als Versuchskaninchen“

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
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Es war als erster Schritt hin zum Präsenzunterricht gedacht. Abschlussklassen sollen im Wechsel wieder in die Schule kommen. Doch das Konzept kommt nicht gut an.

München - Distanzunterricht versus Präsenzunterricht ist das Streitthema für viele Schulen, Eltern und Politiker seit Beginn der Corona-Pandemie*. Neu entflammt ist die Diskussion um das Gleichgewicht zwischen Infektionsschutz und adäquater Wissensvermittlung Anfang Januar. Da wurde aufgrund der hohen Corona*-Fallzahlen beschlossen, Schulen und Kitas in Bayern zu schließen. Seitdem befinden sich die Kinder und Jugendlichen im Freistaat im Homeschooling. Zumindest für die Abschlussklassen ist das ab heute (1. Februar) vorbei. Darüber freuen sich aber wohl nur wenige.

Corona an den Schulen: Wechselunterricht ist schlechteste Variante

Denn statt komplett auf den Präsenzunterricht für Abschlussklassen umzuschwenken, hat sich das Kultusministerium eine Zwischenlösung ausgedacht - Wechselunterricht. Das heißt, ein Teil der Klasse kommt ganz normal in die Schule, während der andere Teil virtuell über den Computer oder Tablett am Unterricht teilnimmt. So soll die Anzahl der Schüler vor Ort reduziert und das Infektionsrisiko minimiert werden. Eine Methode, die der bayerische Philologenverband (bpv) mit seinem Vorsitzenden Michael Schwägerl, als die schlechteste Variante ansieht. Denn trotz des hohen Aufwands und der ungewohnten Situation Laufe der Distanzunterricht besser als gedacht.

„Doch nun werden halbe Kurse in die Schulen geholt, was die Lehrkräfte dann dort bindet. Dies geht auch zulasten anderer Klassen“, befürchtet etwa der bpv. Die Landeselternvereinigung sieht das ähnlich: „Wechselunterricht sei nicht nur die organisatorisch schwierigste und anstrengendste Variante, sondern auch weniger effektiv als gut strukturierter Unterricht aus der Distanz.“ Warum wurde also dann dieses Konzept gewählt? Schwägerl hat eine Vermutung: „Viele Lehrer und Schüler fühlen sich momentan als Versuchskaninchen für die im Raum stehende bayernweite Schulöffnung ab Mitte Februar.“ So sehen das auch die Lehrer an einem Münchner Gymnasium und haben einen Brief* an Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) und Landeschef Markus Söder (CSU) geschrieben.

Corona an den Schulen: Wechselunterricht bedeutet für die Lehrer zusätzlichen Stress

Besonders für Lehrer ist der Wechselunterricht wohl mit sehr viel mehr Stress und Fahrerei verbunden. Unterrichtsstunden könnten deshalb öfter ausfallen, so die Befürchtung von Experten. „Vielerorts müssen Lehrkräfte erst nach Hause fahren, um eine gute, stabile Internetverbindung zu haben“, schreibt etwa die Bayerische Direktorenvereinigung BayDV. „Eine Mischung aus Wechselunterricht für die einen und gleichzeitig Distanzunterricht für die anderen ist praktisch nicht möglich und erzeugt Verunsicherung und im schlimmsten Fall Chaos“, kritisierte der Landesvorsitzende Walter Baier.

Für Schwägerl und dem bpv geht nur entweder oder. „Entweder bleiben wir im Distanzunterricht oder wir können es pandemisch zulassen, die ganze Q12 reinzuholen.“ Schon jetzt könnten Klausuren in ausreichend großen Räumen im Präsenzformat geschrieben werden. Und auch der Präsenzunterricht könnte mit einer flächendeckenden Teststrategie an Schulen oder besseren Schutzmasken wieder stattfinden. „Nur mit deutlich erhöhtem Gesundheitsschutz ist aus unserer Sicht momentan an Präsenzunterricht in den Schulen zu denken“, sagte Schwägerl. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar des Merkur-Redakteurs Dirk Walter.

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