Zoff um Faschingsferien

Lehrer wollen es „ruhig angehen“: Schulaufsicht alarmiert - SPD wittert „Skandal“ in Bayern

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Eigentlich sollten die Faschingsferien in Bayern ausfallen, um den Unterrichtsentfall des Corona-Lockdown auszugleichen. Die Lehrer sehen darin hauptsächlich unbezahlte „Mehrarbeit“.

Update vom 15. Februar, 12.05 Uhr: Werden Schulleitungen von offizieller Seite aufgefordert, „Unterricht light“ an anderen Schulen in der Faschingswoche zu melden? Offenbar gibt es hierzu Belege (siehe Erstmeldung vom 14. Februar). Die SPD-Fraktion im Landtag übt heftige Kritik.

„Erst bekommt das bayerische Kultusministerium über Wochen und Monate keinen gescheiten Distanzunterricht hin. Dann funktioniert der Distanzunterricht endlich halbwegs, und als erste Amtshandlung streicht der Minister den Lehrerinnen und Lehrern und den Schülerinnen und Schülern die dringend benötigten Faschingsferien“, rügte Bildungsexpertin Simone Strohmayr am Montag. Die Bezirksregierung Oberbayern habe nun zudem gefordert: „Meldet Schulen, die diese Woche einen etwas gemäßigteren Kurs fahren!“, heißt es in einer Pressemitteilung der SPD-Fraktion. Und: „Wenn diese Anordnung ursprünglich vom Ministerium stammt, ist das ein Skandal.“

Strohmayr kritisiert den von Minister Michael Piazolo (Freie Wähler) gegenüber Schulen gefahrenen Kurs scharf. „Die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrerinnen und Lehrer, sind erschöpft vom wochenlangen Hin und Her, von nicht funktionierender Software, von Unterricht daheim. Was es gebraucht hätte, wäre ein Konzept gewesen, um benachteiligte Schülerinnen und Schüler aufzufangen: Die Ferien hätten für individuelle Förderung genutzt werden können“, betonte die Politikerin.

Zoff um Faschingsferien in Bayern: Lehrer wollen es „ruhig angehen“ - Piazolo-Sprecher droht mit Schulaufsicht

Erstmeldung vom 14. Februar:

München – „Herr Minister Piazolo, nehmen Sie die Streichung der Faschingsferien zurück“ – mit dieser Aufforderung hat die Lehrergewerkschaft GEW das Netz aktiviert. Über „Open Petition“ sammelte die GEW über 36.000 Unterschriften für die Beibehaltung der Ferien, die nach einer Verfügung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (FW) ausfallen. Genutzt hat die Petition nichts – Piazolo hat klargestellt, dass die Woche genutzt werden soll, um ausgefallenen Unterricht nachzuholen. Auch mehrere Anläufe von SPD und Grünen, ihn umzustimmen, scheiterten.

Corona-Aus für die Faschingsferien: Schulleiter raten ihren Lehren, es langsamer angehen zu lassen

Schule also wie bisher? Offenbar nicht ganz. Den Münchner Merkur erreichten Berichte, nach denen Schulleiter diverser Schulen – von Grundschule bis Gymnasium – ihren Lehrern geraten haben, es diese Woche etwas langsamer angehen zu lassen. Keine Hausaufgaben, weniger Videokonferenzen, teils werden ganze Schultage gestrichen und nur die Notbetreuung aufrechterhalten. Ein Beispiel ist der Landkreis Erding, wo die Eltern über die vergangenen Wochen stöhnen. Der Grünen-Schulpolitiker Max Deisenhofer, selbst früher Lehrer, bestätigt das: „Das kann man unter den Lehrern schon raushören – und es wundert mich nicht.“ Erstens hätten alle Beteiligte nach den anstrengenden Distanzlern-Wochen Ferien verdient; ihre Abschaffung sei falsch. Zweitens aber seien die Vorgaben für den Distanzunterricht „schwammig“ und viel ins Ermessen der Lehrer gestellt. Sie könnten Spielräume nutzen.

Auch die Stadt München reagiert: „Am Dienstag ist um 12 Uhr Schluss“, bestätigt ein Sprecher des städtischen Schulreferats. Begründet wird das damit, dass auch sämtliche städtischen Behörden – von der Müllabfuhr bis zum Standesamt – an diesem Tag ab 12 Uhr Büroschluss haben.

Corona-Aus für die Faschingsferien: Lehrer sollen Mehrarbeit abrechnen

Sicher ist aber auch: Das Kultusministerium ist alarmiert. Kultusminister Michael Piazolo hatte noch am Donnerstag auf die Frage von Antenne Bayern eher verwundert reagiert: „Es ist normaler Unterricht, kein Wiederholen.“ Sein Sprecher brachte nun aber gegenüber unserer Zeitung die Schulaufsicht ins Spiel, falls „in einzelnen Fällen kein entsprechendes Unterrichtsangebot aufrechterhalten“ werde.

Derweil hat die neue GEW-Landesvorsitzende Martina Borgendale eine neue Aktion gestartet: Der Unterricht während der Ferien sei angeordnete Mehrarbeit. „Deshalb empfehlen wir allen Lehrerinnen und Lehrern in Bayern, einen Antrag auf Vergütung von Mehrarbeit zu stellen.“ Die Konkurrenz vom BLLV hält davon nichts. „Während andere im derzeitigen Corona-Lockdown um ihre berufliche Existenz fürchten und von finanziellen Sorgen aufgefressen werden, fordern Lehrerinnen und Lehrer die Bezahlung von Mehrarbeit???“, schreibt die BLLV-Abteilung Dienstrecht und Besoldung an die Mitglieder. Der Aufruf entbehre „jeglicher rechtlicher Grundlage“, die GEW leiste den Lehrern damit „einen Bärendienst“.

Indes werden Forderungen nach einem entsprechenden Ausgleich des entfallenen Unterrichts laut. Lehrer könnten künftig an Samstagen und in den Ferien Schulstunden nachholen, heißt es von verschiedenen Seiten.

Ärger gab es auch wegen der Einführung des Wechselunterrichts in den Abschlussklassen. In Nürnberg, Augsburg und München streikten ganze Klassen. Lehrer-Verbände empfanden den Übergang vom Distanz- zum Wechselunterricht ebenfalls als nicht gelungen.

Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in Bayern in unserem aktuellen News-Ticker.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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