Corona-Teststrategie an Bayerns Schulen

Söder erhält für Schul-Vorschlag Kontra: „Grenze klar überschritten“

  • Felicitas Bogner
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Ab Montag soll es wieder mehr Präsenzunterricht für Bayerns Schüler geben. Mehr Sicherheit sollen dabei 100 Millionen Schnelltests bringen, doch es gibt Gegenwind.

Nürnberg - Adé Home-Schooling. Zu den jüngsten Lockdown-Lockerungen zählt auch, dass ab kommenden Montag (15. März) Schüler aller Jahrgänge in Bayern wieder regulär in der Schule unterrichtet werden sollen - sofern es die jeweilige 7-Tage-Inzidenz zulässt. Um dies möglich zu machen und für mehr Sicherheit zu sorgen, baut die bayerische Regierung auf massenhaft Schnelltests. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will 100 Millionen Tests bereitstellen.

Söder positioniert sich klar für die Teststrategie und sagt, dass Corona-Schnelltests an der Schulen durchgeführt werden müssen. Denn: „Es bringt auf Dauer nichts, wenn das Testen für die Schule außerhalb der Schule ist“, betonte er bei seinem Besuch am Nürnberger* Sigena-Gymnasium.

100 Millionen Corona-Schnelltests für bayerische Schulen - Schüler sollen sich in der Schule selbst testen

Insgesamt 100 Millionen Schnelltests will der Freistaat für die Schulen anschaffen. Elf Millionen seien schon verfügbar und würden bereits an verschiedene Kommunen ausgegeben werden. Es sollen sowohl Tests, die die Schüler und Lehrer selbst durchführen sollen, als auch Tests, die nur von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden dürfen, für das Projekt verwendet werden.

Bayerischer Schulleiterverband kritisiert Söders Corona-Test-Strategie an Schulen: „Es kann nicht sein ...“

Dieser Plan stößt jedoch auf deutliche Kritik vom bayerischen Schulleiterverband (bsv). In einer Pressemitteilung begründet der Verband seine Abneigung der Schultestungen wie folgt: „Es kann nicht sein, dass Schulleitungen die Verantwortung dafür tragen, dass Selbsttests ordnungsgemäß durchgeführt werden.“ Man könne den Schulleitungen des weiteren nicht abverlangen, Schüler anzuleiten, sich selbst zu testen. Auch allgemein positioniert sich der bsv dagegen, dass „der Selbsttest für Schüler zum schulischen Alltag gehören soll.“

Schnelltest für Bayerns Schüler - Kultusministerium veröffentlicht Schreiben

Das Kultusministerium veröffentlichte heute (12. März) bereits ein Schreiben bezüglich der Schnelltests bei Schülern. Bisher waren die Selbsttests für die Altersgruppe 15+ vorgesehen, die Testkits für eine Durchführung Zuhause von der Schule erhalten. Nun haben auch jüngere Kinder die Möglichkeit an den Selbsttests teilzunehmen. Dabei kommt es aber zu Verfahrensänderungen. In dem Schreiben heißt es: „Die Tests* finden für die Schüler in der Schule, in der Regel im Klassenzimmer oder anderen geeigneten Räumen, statt. Damit können die Selbsttests unter Aufsicht und gegebenenfalls Anleitung der Schule durchgeführt werden. Hierfür erhalten Sie noch gesondert ausführliche Informationen, wie diese Selbsttestungen durchgeführt werden können.“

Kontra vom Bayerischer Schulleiterverband: „Grenze der Zumutbarkeit klar überschritten“

Das bsv kontert in seiner jüngsten Pressemitteilung mit folgender Argumentation: „An den Schulen gibt es keinerlei Schutzausrüstung! Und jetzt sollen ungeimpfte und somit ungeschützte Lehrkräfte die Durchführung von Selbsttestungen bei Grund- und Mittelschülern anleiten, überwachen und gegebenenfalls berichtigend eingreifen. Ärzte weigern sich, dies ohne Begleitung durch die Eltern zu tun.“

Corona-Tests im Klassenzimmer - Lehrer sollen beaufsichtigen und anleiten

Ebenfalls missfällt dem bsv die Tatsache, dass zum Testen die Masken* abgenommen werden müssen und es zu einer Unterschreitung des Mindestabstandes kommt. Auch die Entsorgung der Tests bereite dem Schulleiter-Verband Bauchschmerzen: „Spätestens an dieser Stelle wahrscheinlich, dass die Lehrkraft mit dem Speichelsekret eines Kindes in Berührung kommt. Die Grenze der Zumutbarkeit ist hier klar überschritten.“ Zusätzlich ist der Verband der Auffassung, dass das Ziel infizierte Schüler vom Unterricht fernzuhalten, verfehlt wird, wenn diese in dem Klassenzimmern getestet werden. Der bsv fordert daher, die Verfahrensänderung in der Teststrategie diesbezüglich zurückzunehmen.

Video - Gratis Corona-Schnelltests: So funktionierts bei der Apotheke

Söder sieht in Selbst-Schnelltest langfristige Strategie, um an Veranstaltungen wieder teilzunehmen

Nach wie vor sind die Testungen freiwillig. Aber laut Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU*) müsse die Bereitschaft zum Testen „deutlich erhöht werden“. In vielerlei Hinsicht baut Söder auf Corona*-Schnelltests. Er sehe darin eine Art „Testpass“. Sofern es die jeweilige 7-Tage-Inzidenz* zulasse, können aktuelle negative Tests einen Zugang zu Veranstaltungen und Kultureinrichtungen ermöglichen, meint der Ministerpräsident. (feb) Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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