„Mittelstufe plus“

47 Schulen dürfen G9 ausprobieren

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München - Der G9-Versuch nimmt Formen an: 47 Gymnasien in Bayern dürfen zwei Jahre lang die „Mittelstufe plus“ testen. Am Donnerstag gab der Kultusminister die Standorte bekannt. Die Anzahl der Schulen übertrifft die Erwartungen.

Lob vom Bayerischen Philologenverband erntet der Kultusminister Ludwig Spaenle eher selten. Am Donnerstag aber war es soweit. „Das ist ein guter Schritt“, freute sich Verbandschef Max Schmidt, der früh um 9 Uhr in den Landtag geeilt war. Dort erfuhren die Abgeordneten aus erster Hand, welche Gymnasien die um ein Jahr verlängerte Mittelstufe ausprobieren sollen. Das Ministerium hat kleine und große Schulen aus Land und Stadt ausgewählt – ein möglichst repräsentativer Querschnitt der 422 bayerischen Gymnasien. Ganz ist das nicht gelungen: Aus München zum Beispiel nimmt keine einzige Schule teil. Dafür wurde der Landkreis Rottal-Inn reich bedacht: Alle drei Gymnasien erhielten Zusagen – was an der benachbarten Realschule Arnstorf prompt Stirnrunzeln auslöste. Von dort könnten Schüler überwechseln.

Die Zahl der Teilnehmer insgesamt ist höher als erwartet: 47 Schulen, also über zehn Prozent. Angekündigt waren einst 35 bis höchstens 40. Beworben hatten sich insgesamt 71 Schulen. Auffallend: Auch das Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf ist dabei – es wird von Heinz-Peter Meidinger geleitet, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands, der Spaenle und die Kultusbürokratie mehr als einmal durch kritische Einwände herausgefordert hatte. Er sprach gestern von einer „großen Chance“. „An meiner Schule herrscht Aufbruchstimmung.“

In Oberbayern sind neun Schulen dabei – zum Beispiel auch das Gymnasium Miesbach, dessen Schulleiter Rainer Dlugosch gestern durch unsere Zeitung von der Zusage erfuhr. „Super“, entfuhr es Dlugosch. „Wir werden uns heute zusammensetzen und die Details besprechen.“ Am Gymnasium Miesbach gibt es vier siebte Klassen. Die Eltern der Siebtklässler sollen nun eingeladen werden. Er brauche rasch Rückmeldung, wie viele Kinder an dem Schulversuch teilnehmen möchten, sagte Dlugosch. Eine Klasse komme sicherlich zustande, „mein Traum wären zwei“.

Das Grundgerüst des Versuchs hat das Ministerium vorgegeben: In der Mittelstufe wird es neben der 8., 9. und 10. Jahrgangsstufe neu eine „9+“ geben. Kernfächer werden durchgängig in allen vier Jahren unterrichtet, in der Regel mit drei Stunden zusätzlich je Woche. Der Stoff wird aber von drei auf vier Jahre gedehnt. Einzelne Nebenfächer werden in die „9+“ verlegt.

Spaenles Zusage, die er erst nach langem Zögern traf: Nur in der 10. Klasse gibt es Nachmittagsunterricht (zwei Stunden), ansonsten endet der Unterricht nach der 6. Stunde. „Nach der zweijährigen Pilotphase wird es jedem Gymnasium freigestellt sein, die Mittelstufe plus anzubieten“, versprach er am Donnerstag.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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