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Freizügigkeit verpönt: An der Realschule Haag ist Schulkleidung Pflicht.

Bauchfrei und in knappen Röcken

Schulen gehen gegen leicht bekleidete Schüler vor

Steigen die Temperaturen, fallen die Hüllen. Doch eher spärlich gekleidete Schüler sind dem einen oder anderen Lehrer und Direktor ein Dorn im Auge. Das belegen Beispiele aus Erding.

Die Schüler des Gymnasiums Erding II hörten aufmerksam zu, als ihr Direktor Hermann Bendl am Montag eine Durchsage machte. Die Gymnasiasten waren sich sicher, dass nach Bendls einleitenden Worten „Wir freuen uns alle über das warme und schöne Wetter“ Hitzefrei verkündet würde. Doch weit gefehlt. Der Oberstudiendirektor hatte es auf so manch sommerlich knappes Beinkleid beziehungsweise tief ausgeschnittenes T-Shirt abgesehen.

Bendl teilte seinen Schülern per Lautsprecher mit: „Es ist uns aufgefallen, dass manche – vor allem Mädchen – unsere Kleiderordnung sehr großzügig auslegen und in einer Kleidung zur Schule kommen, die für den Badestrand angemessen ist, aber kaum für die Schule.“

Sein Hinweis kam bei den Jugendlichen gar nicht gut an. „Wir lassen uns doch nicht bevormunden. Es muss ja nicht jeder auch noch bei 40 Grad mit Anzug und Krawatte rumlaufen“, lautete eine der noch harmloseren Reaktionen. Bendl versichert, weder Spießer noch Spaßverderber sein zu wollen. „Mir geht es gerade um die kleinen Schülerinnen. Die wissen oft gar nicht, wie ihr knappes Outfit in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.“ Kontrollen werde es nicht geben. „Mir ging es nur darum, ein gewisses Bewusstsein zu schaffen.“

Tatsächlich gibt es keine übergeordnete „Vorschrift zur Bekleidung“, wie die Sprecherin des Kultusministeirums, Nicole Steinbach, betont. Ein Regelungsrecht habe der Schulleiter gleichwohl – über Artikel 56 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes, in dem es heißt: Schüler hätten „alles zu unterlassen, was den Schulbetrieb ... stören könnte“. Auf der Grundlage dieses Gesetzes könne ein Schulleiter zum Beispiel auch einschreiten, wenn ein Schüler bestimmte Kleidermarken trage, die eindeutig der rechtsextremen Szene zugeordnet werden könne.

So einen Fall gab es vor zwei Jahren. Klagen über leicht bekleidete Schülerinnen indes sind an das Ministerium noch nicht herangetragen worden. Die Schulen regelten das intern, heißt es am Salvatorplatz. Zum Beispiel in Haag bei Wasserburg. Realschulleiter Wilhelm Kürzeder lacht, als er vom Erdinger Vorfall hört. Seit vier Jahren hat die Realschule verpflichtend einheitliche Schulkleidung eingeführt. „Es fördert den Gemeinschaftssinn und verhindert Markenzwang“, sagt Kürzeder. Allerdings gibt er zu, dass es den Schülern nicht leicht fällt, sich mit der Kleiderordnung zu arrangieren.

Ein extra eingerichteter Modeausschuss wacht darüber, dass die angebotene Kollektion modisch mit dem Zeitgeist Schritt hält. „Die Mädchen haben darauf bestanden, dass auch ein breiter gelber Strich aus dem Schullogo entfernt wird, weil sich das nicht kombinieren lässt.“

Einen anderen Weg wiederum beschreitet die Erdinger Realschule Heilig Blut, die sich in kirchlicher Trägerschaft befindet. Die Schulleitung hält für den „Notfall“ T-Shirts bereit, die sich allzu dürftig bekleidete Schüler überziehen müssen. Direktor Ludwig Kirmair will aber aus der Mücke keinen Elefanten machen. „Wir haben hier keinen Kodex.“

Allerdings habe er festgestellt, dass die Lehrer höchst unterschiedlich auf die Kleidung ihrer Schützlinge reagierten. „Was für den einen noch ganz normal ist, regt den anderen furchtbar auf“, so Kirmair. „Wir haben hier 60 Lehrer und damit auch 60 voneinander abweichende Auffassungen über korrekte Kleidung.“ Wenn ein Lehrer ein zu kurzes Röckchen moniere und zum Schul-T-Shirt greife, „bekomme ich das meist gar nicht mit“, so der Schulleiter. Kirmairs Schmerzgrenze: „Badekleidung, denn eine Schule ist nun einmal kein Strandbad.“

Ihm ist aufgefallen, dass gerade die jüngsten Schülerinnen gerne austesteten, möglichst spärlich beschürzt zum Unterricht zu erscheinen. „Und dann sitzen sie in der Klasse und nesteln den ganzen Vormittag an ihrer Kleidung herum, weil es ihnen doch peinlich ist.“

Von Dirk Walter und Hans Moritz

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