Andrea Langstein hat Ministerpräsident Markus Söder wegen der schwierigen Corona-Lage in den Schulen einen Offenen Brief geschrieben.
+
Andrea Langstein hat Ministerpräsident Markus Söder wegen der schwierigen Corona-Lage in den Schulen einen Offenen Brief geschrieben.

In Regionen mit 100er-Inzidenz ändert sich nichts

Schulen bleiben zu, Friseure offen - Mutter richtet Wutbrief an Söder: „Dauerhaft kaum zu ertragen“

  • Veronika Mahnkopf
    vonVeronika Mahnkopf
    schließen

Einer Mutter aus Bayern platzt in einem Brief an Söder der Kragen: Trotz Corona-Lockerungen sind ihre Kinder nach wie vor nicht in der Schule. Deren Öffnung hängt weiter an der Inzidenz.

Mühldorf am Inn - Andrea Langstein will die „momentanen Zustände bei der Betreuung unserer Kinder nicht länger stillschweigend hinnehmen“. Der zweifachen Mutter aus dem Landkreis Mühldorf am Inn reicht es einfach. Sie hat Ministerpräsident Markus Söder deshalb einen Brief geschrieben. Es ist ein wütender Brief.

Seit einem Jahr Corona*-Pandemie beschult Langstein ihre Kinder, zwei Buben in der dritten und sechsten Klasse, fast durchgehend zuhause. Sie ist berufstätig. Und jetzt, nach dem großen Corona-Gipfel* am Mittwoch und weitreichenden Lockerungen, die beschlossen wurden, sieht es nicht so aus, als ob sich daran bald etwas ändern würde.

Corona: Landkreis Mühldorf am Inn unterschreitet 100er-Inzidenz einfach nicht

Langsteins Problem ist, dass sie mit ihrer Familie in einem Landkreis lebt, der die 100er Inzidenz einfach nicht unterschreitet. Mühldorf am Inn hat als grenznaher Landkreis seit Monaten mit hohen Fallzahlen zu kämpfen. Der aktuelle Inzidenzwert liegt bei 106.

Zu viel, um die am Mittwoch beim Bund-Länder-Gipfel beschlossenen Erleichterungen wie Präsenz- oder wenigstens Wechselunterricht an den Schulen mitzunehmen. Aber offenbar nicht zu viel, um Friseure wieder zu schließen oder Blumen- und Buchläden am kommenden Montag gar nicht erst zu öffnen.

Corona-Lockdown mit Inzidenz über 100: Schulen zu, Friseure offen

Genau das ist es, was Andrea Langstein so stinkt. „ Es ist kaum zu glauben, dass ich mit meinen Kindern zum Frisör kann oder mir die Fußnägel lackieren, aber meine beiden Söhne seit Monaten nicht der gesetzlich vorgeschriebenen Schulpflicht nachkommen dürfen“, schreibt sie in ihrem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder.

Die Grafik zeigt die geplanten Lockerungen. Schulen sind hier nur in der ersten Stufe aufgeführt.

Tatsächlich ist es nach den neuen Regelungen so, dass bei Inzidenzen über 100 Schulen in den Distanzunterricht gehen oder wie im Fall des Landkreises Mühldorf am Inn, in diesem System bleiben. Bundesweit wurden am 1. März aber bespielsweise Friseure geöffnet, Baumärkte und der Buchhandel sollen am Montag, 8. März, folgen. Eine Abhängigkeit von der 7-Tages-Inzidenz besteht hier nicht.

Nach Corona-Gipfel: Für manche Regionen ändert sich nichts

„Bei uns im Landkreis hat sich leider nichts geändert“, schreibt Langstein nach den Beschlüssen frustriert an Merkur.de*. Wieder werde sie nicht vernünftig arbeiten können. Und weiter in ihrem Brief an Söder: „ Wir Eltern jonglieren seit Monaten zwischen Homeoffice und Homeschooling, ohne jegliche Perspektive oder Verlässlichkeit der Kinderbetreuung.“

Das Problem sei, so Langstein, dass Kinder in Deutschland keine Lobby hätten. Die Bedürfnisse der „Zukunft des Landes“ stünden offenbar eben nicht, wie nach dem ersten Corona-Lockdown 2020 bekundet, an erster Stelle. „Dies ist dauerhaft kaum zu tragen und für alle Beteiligten - Kinder, Eltern und Arbeitgeber - absolut desaströs.“

Von Markus Söders Pressestelle war bislang nicht zu hören, ob der Brief den Ministerpräsidenten persönlich erreicht hat. Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage man bei den Schulen an den Inzidenzgrenzen festhält, kann das Kultusministerium nicht sagen. Dafür sei das Gesundheitsministerium zuständig. Hier steht eine Antwort aus. Das Kultusministerium teilt aber mit, dass der Brief vorliege und man Andrea Langstein antworten werde. Ein schwacher Trost. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Mehr zum Thema

Kommentare