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Sit-in vor der Münchner Uni: Am Montag war die Teilnahme am Bildungstreik eher gering.

Bayerns Schüler proben den Aufstand

Symbolischer Banküberfall, Schul-Blockade, Streiks – mit zwiespältigen Aktionen versuchen Schüler, die Diskussion über das Bildungssystem anzuheizen. Fast alle Schulleiter bemühen sich um Verständnis.

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„Ideologisch einseitig“, „rechtsstaatlich fragwürdig“ – Josef Kraus, Chef des Deutschen Lehrerverbands und Leiter des Gymnasiums in Vilsbiburg, gibt den Scharfmacher: Wer Unterrichtsboykott propagiere, stelle sich „ins Abseits“. „Ich verstehe auch gar nicht, warum die Aktionen am Vormittag stattfinden.“ Freilich: In Niederbayern, meint Kraus, werde nichts los sein. „Meine Schüler sind alle bodenständig.“

Tatsächlich ist schwer einzuschätzen, wie viele Schüler sich diese Woche am bundesweit ausgerufenen „Bildungsstreik“ beteiligen werden. Bundesweit wird mit 150 000 Teilnehmern gerechnet, in Bayern sollen es allein am Mittwoch mehrere tausend sein. Die Schulleiter, obwohl angespitzt durch einen scharfen Brief aus dem Kultusministerium (wir berichteten), zeigen sich gelassen. „Das lasse ich auf mich zukommen“, sagt Schulleiterin Brigitte Schmid-Breining vom Feodor-Lynen-Gymnasium Planegg. Falls jemand schwänze, werde sie nacharbeiten lassen. Verweise – „davon halte ich nicht so viel.“

Ein „Erörterungsaufsatz über Schulstreiks“ wäre eine geeignete Maßnahme, meint Winfried Steflbauer vom Gymnasium Icking bei Wolfratshausen. Ähnlich unaufgeregt Bernd Hieronymus, Lehrer am Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching: Schon bei einer ersten Aktion im November sei „nichts los“ gewesen – Unterhaching sei wohl schon zu weit weg vom Münchner Aktionsradius.

Schwieriger ist die Lage für die Schulleiter nahe der Münchner Uni, wo am Mittwoch ab 9 Uhr die Großkundgebung beginnt. Peter Schwartze vom Oskar-von-Miller-Gymnasium in München-Schwabing meint aber, mehr als eine Handvoll Schüler werde wohl nicht mitmachen. Für diese könne es auf 90-minütige Nacharbeiten rauslaufen. Der Leiter des Luisengymnasiums, Peter Kemmer, sagt: „Wer unentschuldigt fehlt, der muss den Unterricht nachholen – wie beim letzten Mal.“

Im November 2008 hatte Kemmer mehr als 100 Schüler vermisst: Der Demonstrationszug war direkt an seinem Haus vorbeigezogen. Ein Schüler hatte einen Feueralarm im Luisengymnasium ausgelöst, es gab Beschwerden über verschlossene Türen. Der Zug soll jetzt wieder an der Schule vorbeiführen. „Wir werden niemanden am Verlassen des Gebäudes hindern“, verspricht Kemmer.

Anders als im Herbst unterstützt die Münchner Stadtschülervertretung diesmal den Bildungsstreik. Sprecher Felix Ackermann sagt, „wir stehen auf jeden Fall hinter den politischen Forderungen der Veranstalter.“ Es sei allerdings „schade, dass einige Teilnehmer den Streik nutzen, um die Schule zu schwänzen“.

Das sieht der Landesschülersprecher Nicolas Lahovnik aus Bad Kissingen anders: „Einen Verweis sollte man schon in Kauf nehmen“, meint er. Politische Rückendeckung hat er – zumindest von der SPD. Isabell Zacharias, Bildungsexpertin in der SPD-Landtagsfraktion, packte Isomatte und Schlafsack. Heute Nacht wird vor der Uni gezeltet. „Campen für die Bildung“, nennt das Zacharias.

Von Dirk Walter und Thierry Backes

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