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Ausgerüstet mit Warnkelle und leuchtender Jacke sichern (v.l.) Anja Peschel, Isabel Kerscher, Florian Metzel und Bernd Hertling seit Jahren die Wege der Schulkinder.  

Lotsen dringend gesucht

Schutzengel für eine halbe Stunde

Vier verdiente Schulweghelfer aus dem Kreis Ebersberg sind im Innenministerium geehrt worden. Thema war auch, wie die Sicherheit der Schulkinder zusätzlich erhöht werden kann.

München – Morgens um kurz nach sieben Uhr verlässt Anja Peschel aus Grafing im Landkreis Ebersberg das Haus. Denn egal, ob es schneit, regnet oder die Sonne scheint: Pünktlich um 7.15 Uhr muss sie mit ihrer leuchtend gelben Jacke an ihrer Kreuzung stehen. Sie bewacht die vielen Kinder, die dort die Straße überqueren. Die Kleinen und deren Eltern zählen darauf, dass Anja Peschel mit ihrer rot-weißen Warnkelle die Autos anhält, damit sie sicher über die Straße gelangen.

Als ihre kleine Tochter vor rund zehn Jahren eingeschult worden war, hat Anja Peschel als Schulweghelferin angefangen. „Es gab sehr wenige Lotsen, daher ließ ich mich damals bei der Polizei ausbilden“, sagt die 50-Jährige. Für ihr langjähriges Engagement wurde sie nun im bayerischen Innenministerium mit einer Urkunde geehrt.

Bernd Hertling ist Schulweghelfer seit zwölf Jahren

Gemeinsam mit ihr wurden drei weitere Schulweghelfer aus Grafing gewürdigt: Isabel Kerscher und Florian Metzel bewachen seit 2012 im Dienst der Schüler die Straßen. Heilpraktiker Bernd Hertling (56) achtet seit der Einschulung seines Sohnes vor rund zwölf Jahren darauf, dass die Schüler in seiner Gegend heil im Klassenzimmer ankommen. Bisher ist ihm das gelungen, nur einmal war es kritisch.

„Ein Autofahrer hat vor dem Zebrastreifen, an dem ich mittags stehe, abgebremst. Also ist der Bub, der dort die Fahrbahn überqueren wollte, losgelaufen“, berichtet Bernd Hertling. Plötzlich aber hat der Pkw-Fahrer das Gaspedal gedrückt und ist über den Zebrastreifen gebraust – den Buben hat er glücklicherweise nicht erfasst. „Mein Dienst an dem Tag war eigentlich vorbei, aber ich bin dem Mann trotzdem nachgefahren“, sagt Hertling. An einer roten Ampel holte er ihn ein und stellte ihn für sein gefährliches Verhalten zur Rede.

ABC-Schützen achten oft auf alles andere als den Straßenverkehr

Dass Erwachsene ganz besonders auf die Kinder achten müssen, machte Katja Seßlen von der Kommunalen Unfallversicherung Bayern deutlich. Zumal Kinder im Straßenverkehr vieles nicht sehen. Gerade ABC-Schützen sind auf dem Schulweg oft abgelenkt, denn für sie ist vieles neu und aufregend. Gleichzeitig sieht sie die Eltern in der Pflicht, die Kinder vorzubereiten. „Da die Schuleinschreibungen gerade laufen, sollten sich Eltern nun über den für ihr Kind besten Schulweg informieren und ihn gemeinsam üben“, ergänzt Wolfgang Prestele, der Geschäftsführer der Gemeinschaftsaktion „Sicher zur Schule – Sicher nach Hause“.

Hierbei sieht Anja Peschel Nachholbedarf. Zwar hat sie selbst damals mit ihrer Tochter so viel geübt, dass sie sie nach einiger Zeit allein zur Schule geschickt hat. „Und so konnte ich als Schulweghelferin im Dienst sein“ sagt sie. Übung allein ist der Grafingerin zufolge aber kein Sicherheitsgarant. „Die Schüler sollen selbstbewusst Blickkontakt zu den Autofahrern aufnehmen und anzeigen, wenn sie die Straße queren wollen.“

Jeder zweite deutsche Schülerlotse hilft in Bayern 

Gut 31 500 ehrenamtliche Schulweghelfer waren 2016 in Bayern im Einsatz. Damit war deutschlandweit zwar jeder zweite im Freistaat tätig, sagt Thomas Hampel, Stellvertreter des Landespolizeipräsidenten. Die Tendenz ist aber sinkend. Dabei genügt es schon, wenn Helfer mittags oder morgens etwa 30 Minuten lang die Straßen bewachen, so Wolfgang Grote von der Landesverkehrswacht Bayern. „Wenn sie nur einen Unfall verhindern, ist das ein großer Einsatz.“

Regina Mittermeier

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