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Mafia nutzt Corona-Krise zu ihrem Vorteil: Eine Stadt in Bayern ist besonders heftig betroffen

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Von: Thomas Eldersch

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In Bayern bietet die italienische Mafia vermehrt Gastronomen illegale Kredite an.
In Bayern bietet die italienische Mafia vermehrt Gastronomen illegale Kredite an. (Symbolbild) © imago images

Illegale Kreditgeschäfte, Geldwäsche und Drogenhandel zeichnen die italienische Mafia aus. Auch in Bayern ist sie stark vertreten und nutzt die Corona-Krise zu ihrem Vorteil.

Augsburg - Für viele Menschen findet die italienische Mafia nur in Filmen und Serien statt. Kaum einer glaubt wohl, dass die Gaststätte um die Ecke möglicherweise der kalabrischen Ndrangheta gehören könnte. Mafia-Experte Sandro Mattioli von „mafianeindanke“ aus Berlin weiß jedoch, dass die Verflechtungen der Verbrecherorganisation - auch in Bayern - enorm sind. Selbst die Corona-Krise* konnte diese Entwicklung nicht aufhalten. Im Gegenteil. Es läuft zur Zeit wie geschmiert.

Augsburg: Die Mafia macht sich die Notlage der Gastwirte durch Corona zunuzte

Als einen Hotspot für Mafia-Geschäfte in Bayern hat Mattioli die schwäbische Metropole Augsburg* ausgemacht, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung verrät. Dort soll es eine „relativ hohe Mafiadichte“ geben, an der auch „Corona vermutlich nichts geändert“ hat. Die Masche scheint dabei immer die gleiche zu sein. Gastronomen, die wegen Corona* möglicherweise in Schieflage geraten sind, sind die bevorzugte Beute. Ihnen wird ein Kredit mit horrenden Zinsen angeboten. Sollte dieser nicht zurückgezahlt werden können, wechselt das Restaurant unbemerkt den Besitzer. „Der Wirt wird vermutlich derselbe bleiben, der Name des Lokals auch.“

Wenn der Betrieb dann heimlich den Besitzer gewechselt hat, würde er häufig für die Geldwäsche genutzt, so Mattioli. Aber nicht nur. „Zum anderen ist es für die Mafia wichtig, bestimmte Leute mit Arbeit zu versorgen. Es braucht auch Rückzugsorte für Mafiosi, die in Italien gesucht werden oder Streit haben. Und es geht immer darum, den Machtbereich auszubauen.“ Dass Corona die Geschäfte der Mafia negativ beeinflusst hat, daran glaubt der Experte nicht. In Krisenzeiten bräuchten viele Menschen Unterstützung. Außerdem seien die Geschäftsreisen nicht eingeschränkt worden und der Kokainhandel floriere weiter. „Das sieht man an der Rekordbeschlagnahmung in Hamburg in diesem Jahr, 16 Tonnen Kokain.“

Es fehlt am politischen Willen gegen die Mafia in Deutschland vorzugehen

Um der Mafia Herr werden zu können, kann die Polizei in Bayern relativ wenig tun, meint der Experte. Kaum jemand würde illegale Kreditgeschäfte melden oder sich als Zeuge zur Verfügung stellen. „Grundsätzlich fehlt es auch an politischem Willen, entschieden gegen die italienische Mafia in Deutschland vorzugehen“, sagt Mattioli. Verantwortlich für eine rechtliche Verfolgung der Mafiosi sind auch die Staatsanwaltschaften. „Die Polizei kann nur das an Ermittlungen leisten, was durch Staatsanwälte und Staatsanwältinnen beauftragt wird.“

Ein weiteres Problem ist - es werden immer mehr Mafiosi in Deutschland. Das jedoch schlage sich nicht in „einer entsprechenden Zunahme an Ermittlungsaktivitäteten nieder“. Anfragen im Bundestag hätten ergeben, dass sich die Zahl der Mafia-Anhänger zwischen 2007 und 2017 vervierfacht hat. 2019 ging man an allein von 600 Mitgliedern der kalabrischen Ndrangheta in Deutschland aus. Die Dunkelziffer läge aber eher bei 800 bis 1000 Leuten. „Und selbst das ist konservativ geschätzt, wenn man italienischen Staatsanwälten glaubt“, sagt Mattioli.

Die Metropolen in Bayern sind nicht zwangsläufig Mafia-Hotspots

Bayern hat sich der Mafia-Experte auch einmal genauer angeschaut. Nach seiner vorsichtigen Schätzung geht er davon aus, dass es im Freistaat rund 100 Mafiosi geben wird. Die seien über das ganze Land verteilt. Sie würden sich aber nicht nur in Ballungsräumen wie München, Nürnberg* und Augsburg finden lassen. „Das Allgäu ist seit Ewigkeiten ein beliebter Ort für italienische Mafiosi, am Chiemsee gibt es Leute, in vielen ländlichen Gemeinden auch“, weiß Mattioli.

Genau nachvollziehen, wo sich die Mafiosi aufhalten, könne man nur schwer. Bei Polizeiaktionen in Italien würden immer wieder Verbindungen nach Bayern aufgedeckt, so der Experte. Dabei kamen eben auch Bezüge zur Stadt Augsburg* auf. „Da sind dann auch Anekdoten wie von einer Hochzeit überliefert, zu der ein Kleinbus aus Italien mit Gästen nach Augsburg kam. Die sollten unbedingt kalabrisches Süßgebäck mitnehmen.“

Angst vor Gewalttaten oder Morden müssen man in der Regel nicht haben, meint Mattioli. Es läge nicht im Interesse der Mafia, Gewalt auszuüben, da man sonst nur unnötig die Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Augsburger Gastronomen könnten also durchaus Angebote ablehnen, ohne Angst um ihr Leben haben zu müssen, so Mattioli. Seit den Mafia-Morden in Duisburg 2007* „fährt sie eine Linie, die auf Gewalt verzichtet, wenn es nur irgendwie möglich ist.“ (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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