Im Landkreis Dillingen wird eine Elfjährige vermisst. Die Polizei hofft auf Hinweise.
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Im Landkreis Dillingen wird eine Elfjährige vermisst. Die Polizei hofft auf Hinweise.

Nach dem Joggen nicht heim gekommen

Elfjährige in Bayern vermisst: Sekte soll Mädchen bei sich haben - Rätsel um Aufenthaltsort

Eine Elfjährige aus dem Landkreis Dillingen kam nach dem Joggen nicht mehr nach Hause. Die Polizei wandte sich an die Öffentlichkeit. Nun hat sich der Verdacht des Vaters bestätigt.

  • Die elfjährige Shalomah aus dem Landkreis Dillingen gilt als vermisst.
  • Sekte meldet sich: Vermisste Elfjährige offenbar bei ihren leiblichen Eltern. (Update 18. Oktober, 9.08 Uhr).
  • Tschechische Polizei gibt Stellungnahme: In Skalna ist das Mädchen nicht. (Update 18. Oktober, 16.55 Uhr)

Update vom 18. Oktober 2021, 21.10 Uhr: Wo ist Shalomah? Am Samstag ist das elfjährige Mädchen vom Joggen nicht mehr zurückgekehrt. Ihre Pflegeeltern aus Holzheim (Landkreis Dillingen) erstatteten Anzeige. Offenbar wurde Shalomah von der Sekte entführt, der man das Kind weggenommen hatte – den zwölf Stämmen, die 2000 bis 2017 im nahen Klosterzimmern lebten und dann nach Tschechien zogen.

Rund 100 Einsatzkräfte hatten in der Gegend nach dem Kind gesucht. Offenbar hält sich das Mädchen in Tschechien auf. Es sei bei dem Pflegevater der Schülerin eine E-Mail eines Absenders eingegangen, der mutmaßlich der Sekte zuzuordnen sei, berichtete das Polizeipräsidium in Augsburg gestern. Darin steht offenbar, sie befinde sich bei den Eltern und es gehe ihr gut. „Dem gehen wir nach“, sagte ein Polizeisprecher. Es müsse aber auch noch überprüft werden, ob die Mail authentisch ist.

Das Polizeipräsidium in Cheb (Eger) teilte mit, man sei von den deutschen Kollegen um Zusammenarbeit bei der Fahndung nach der Elfjährigen gebeten worden. Auf dieser Grundlage habe man einen möglichen Aufenthaltsort des Mädchens in der Stadt Skalna in der Verwaltungsregion Karlsbad (Karlovy Vary) überprüft. „Die Polizisten stellten vor Ort fest, dass sich das vermisste Mädchen nicht dort befindet.“ In Skalna befindet sich eine der zwei Gemeinschaften der „Zwölf Stämme“, die andere ist in Msecké Zehrovice bei Prag.

Video: Die ganze Pressekonferenz von BR24 zum Nachhören

„Zwölf Stämme“: Es gab mehrere Strafverfahren gegen die Sekte

Im September 2013 hatten die Behörden wegen der Prügelvorwürfe gegen die Sekte 40 Buben und Mädchen in Klosterzimmern bei Deiningen (Landkreis Donau-Ries) abgeholt, wo die Sekte damals neben dem mittelfränkischen Wörnitz ihren Sitz hatte. Auch Shalomah befand sich unter diesen Kindern. Laut Landratsamt Dillingen hatte das Mädchen aber „unregelmäßigen Kontakt“ zu seinen Eltern. Es gab mehrere Strafverfahren gegen die Sekte – eine Erzieherin wurde zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt. Die Sekte hatte sich auch geweigert, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Die leiblichen Eltern gingen gegen den Sorgerechtsentzug vor. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied 2018, dass die Entscheidungen deutscher Familiengerichte zulässig waren. In Bayern war der Sekte auch der Betrieb einer eigenen Privatschule für die Kinder untersagt worden. Die 1970 in den USA gegründeten „Zwölf Stämme“ sehen sich als Urchristen. Weltweit leben etwas 2000 ihrer Anhänger in Kommunen, sie lehnen die Evolutionstheorie und die Sexualkunde ab. Körperliche Züchtigungen werden aus der Bibel abgeleitet. JOHANNES WELTE UND ULF VOGLER

Update vom 18. Oktober, 16.55 Uhr: Nun hat sich auch die tschechische Polizei zu dem Fall geäußert. Das Polizeipräsidium in Cheb (Eger) teilte am Montag mit, man sei von den deutschen Kollegen um Zusammenarbeit bei der Fahndung nach der Elfjährigen gebeten worden. Auf dieser Grundlage habe man einen möglichen Aufenthaltsort des Mädchens in der Stadt Skalna in der Verwaltungsregion Karlsbad (Karlovy Vary) überprüft. „Die Polizisten stellten vor Ort fest, dass sich das vermisste Mädchen nicht dort befindet.“ Dies bestätigt den Verdacht der Bild (siehe Update 14.44 Uhr). In Skalna befindet sich eine der zwei Gemeinschaften der „Zwölf Stämme“.

Update vom 18. Oktober, 16.19 Uhr: Im Fall der verschwunden Elfjährigen ermittelt die Polizei unter anderem wegen Kindesentzugs. Nach einer eingegangen Mail an den Pflegevater (siehe Update 9.08 Uhr) wollten die Beamten prüfen, ob die Elfjährige in einer der beiden Sektengemeinschaften in Tschechien ist. Details zu den bisherigen Maßnahmen und Erkenntnissen wurden aber nicht bekannt gegeben. Ein Reporter der Bild war an einem der Standorte vor Ort und hat sogar mit einem Sektenmitglied sprechen können (siehe Update 14.44 Uhr).

„Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte der Polizeisprecher. Auch ein Verbrechen oder ein Unglück werde weiterhin nicht ausgeschlossen. Im Falle eines Kindesentzuges drohen den leiblichen Eltern bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Rätsel um Vermisstenfall: Befindet sich die verschwundene Shalomah in Tschechien?

Update vom 18. Oktober, 14.44 Uhr: Ein Bild-Reporter hat den tschechischen Ort Skalna, in dem die Sekte „Zwölf Stämme“ mittlerweile lebt, besucht. Nach seinen Angaben habe er mit einem Mitglied der Sekte sprechen können. Die junge Frau sagte gegenüber der Bild, dass die Polizei bereits hier gewesen sei. „Die Familie, die das Kind haben soll, lebt seit rund einem Jahr nicht mehr hier. Wir wissen auch nicht, wo sie sich aufhalten sollen und haben auch keinen Kontakt mehr zu ihnen“, wird die Frau zitiert.

Update vom 18. Oktober, 12.32 Uhr: Die Ermittlungen um das verschwundene Mädchen laufen weiterhin auf Hochtouren. Wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte, werde nun auch geprüft, ob die Elfjährige in einer der beiden Sektengemeinschaften in Tschechien ist. Ob die tschechische Polizei dort bereits aktiv geworden ist, das ist bislang aber unklar. Details zu den bisherigen Maßnahmen wollte der Sprecher des Präsidiums in Augsburg nicht benennen.

Wegen dem damaligen Vorgehen der Behörden gegen die Sekte (siehe Update 11.18 Uhr), sind die „Zwölf Stämme“ nach Tschechien umgesiedelt. In Bayern war der Sekte auch der Betrieb einer eigenen Privatschule für die Kinder untersagt worden.

Sekte „Zwölf Stämme“ bereits früher wegen Prügelvorwürfen in den Schlagzeilen

Update vom 18. Oktober, 11.18 Uhr: Die Polizei Augsburg* bestätigte nun den Eingang einer Mail bei dem Pflegevater des Kindes. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Augsburg sagte der dpa, die Mail müsse noch überprüft werden, ob sie authentisch sei.

Die „Zwölf Stämme“ waren früher im nordschwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen (Landkreis Donau-Ries) angesiedelt. Die Sekte kam immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie das Prügeln von Kindern als angemessene Erziehungsmethode betrachtet. Vor acht Jahren hatten dann die Behörden 40 Buben und Mädchen aus der Gemeinschaft geholt und bei Pflegefamilien untergebracht. Die „Zwölf Stämme“ siedelten daraufhin nach Tschechien um.

Nach Mail von Sekte: Mädchen offenbar bei leiblichen Eltern

Update vom 18. Oktober, 9.08 Uhr: Wie der BR berichtet, sei die Elfjährige offenbar bei ihren leiblichen Eltern, die der Sekte „Zwölf Stämme“ angehören. Ein Mitglied habe das dem Pflegevater per Mail mitgeteilt. Sie sollten sich keine Sorgen machen, dem Mädchen gehe es gut, schrieb er in der besagten Mail. Der Pflegevater des Mädchens habe bereits vermutet, dass sich das Mädchen dort befindet (siehe vorheriges Update).

Nach den neuen Erkenntnissen werde heute nicht weiter nach dem Mädchen gesucht. Ermittlungen stünden nun im Vordergrund, so ein Polizeisprecher der Kripo Dillingen gegenüber dem BR. Im Laufe des Vormittags soll es weitere Informationen geben.

Elfjährige aus Bayern vermisst: Pflegevater hat Entführungstheorie

Update 18. Oktober, 6.21 Uhr: Ist Shalomah mit ihren leiblichen Eltern unterwegs? Gegenüber Bild hat der Pflegevater der Elfjährigen diesen Verdacht geäußert. „So wie es aussieht, ist Shaloma mit höchster Wahrscheinlichkeit von ihren Eltern abgeholt worden. Sie war Samstagnachmittag hier joggen und ist nicht zurückgekommen“, gab er zu Protokoll.

Shalomah lebt seit etwa acht Jahren bei der Pflegefamilie, habe aber auch zu ihren leiblichen Eltern nach wie vor eine emotionale Bindung. An eine gewaltsame Entführung glaubt Günter S. daher nicht: „Ich denke, dass sie freiwillig eingestiegen ist.“ Zeugen hätten auch beobachtet, dass schon Tage vor dem Verschwinden der Elfjährigen ein fremdes Auto vor ihrer Schule geparkt hätte.

Shalomahs leibliche Eltern leben inzwischen in Tschechien, waren dort für die Polizei allerdings zunächst nicht greifbar (siehe Updates unten). Jetzt wollen die Einsatzkräfte über weitere Maßnahmen beraten.

Mädchen (11) aus Bayern vermisst: Polizei schweigt zu Sekten-Gerüchten

Update, 17. Oktober, 17.15 Uhr: Von der elfjährigen Shalomah aus Dillingen an der Donau fehlt noch immer jede Spur. Die Polizei hatte mit einem Aufgebot von rund 100 Einsatzkräften nach dem Mädchen gesucht, nachdem es am Samstagnachmittag in Holzheim zum Joggen aufgebrochen und auch am Abend nicht wiedergekommen war.

Ermittelt werde sowohl im Umfeld der leiblichen Familie des Mädchens, aber auch ein Unfall oder eine Straftat würden nicht ausgeschlossen. „Nach einer Ausreißer-Geschichte sieht das nicht aus“, sagte Polizeioberkommissar Markus Trieb. Weil zunächst nicht auszuschließen war, dass die leiblichen Eltern des Mädchens in Zusammenhang mit dem Verschwinden stehen, nahm auch die Kripo Dillingen erste Ermittlungen auf. Die Polizei äußerte sich nicht zu einem Bericht des Bayerischen Rundfunks, wonach die Eltern der Sekte „Zwölf Stämme“ angehörten. Das Mädchen ist laut BR seit acht Jahren bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Vermisste Elfjährige aus Bayern: Suche für Sonntag beendet - ohne Anhaltspunkte

Ein Suchhund und ein Hubschrauber kamen bei der Fahndung ebenfalls zum Einsatz. Für Sonntag sei die Suche beendet, „leider ohne Erfolg“, sagte Trieb. Die Polizei werde über eine neue Suche entscheiden, wenn sich bei den Ermittlungen neuen Anhaltspunkte ergäben.

Erstmeldung vom 17. Oktober 14.30 Uhr

Holzheim-Eppisburg - Seit Samstag (16. Oktober) gilt eine Elfjährige aus dem Landkreis Dillingen* als vermisst. Die Schülerin brach zum Joggen auf und kehrte nicht wieder zurück. Eine groß angelegte Suche brachte zunächst keinen Erfolg. Nun hofft die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Elfjährige aus dem Kreis Dillingen vermisst - rund 100 Einsatzkräfte auf der Suche nach ihr

Gegen 15 Uhr brach die elfjährige Shalomah Hennigfeld aus Holzheim-Eppisburg von zu Hause auf, um eine Runde Joggen zu gehen. Als sie auch am Abend nicht zurückkehrte, verständigte die Familie die Polizei. Die leitete sofort eine größere Suchaktion ein. Mehrere Streifen kontrollierten die üblichen Joggingstrecken des Mädchens. Auch ein Polizeihund sowie ein Polizeihubschrauber kamen zum Einsatz. Die Suche blieb jedoch ohne Erfolg.

Am Sonntag (17. Oktober) wurde die Fahndung nach der Schülerin wieder aufgenommen. Rund 100 Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr sowie eine Rettungshundestaffel sind derzeit auf der Suche nach ihr. Gleichzeitig haben sich die Beamten dazu entschieden, mit ihrer Personenfahndung an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie hoffen auf Mithilfe aus der Bevölkerung.

Vermisstes Mädchen: Elfjährige könnte möglicherweise von ihren leiblichen Eltern verschleppt worden sein

Die Elfjährige wird wie folgt beschrieben:

Name:Shalomah Hennigfeld
Größe:140 Zentimeter
Figur:schlank
Haare:braun, schulterlang
Kleidung:schwarze Adidas-Laufhose, pink-rosa Nike-Sportschuhe, weinrotes Sporttop mit Spaghettiträgern, weißer Sport-BH und schwarzer Haarreif

Die Polizei schreibt in ihrer Fahndung, dass nicht auszuschließen ist, dass die leiblichen Eltern etwas mit dem Verschwinden der Elfjährigen zu tun haben könnten. Deshalb nahm auch die Kripo Dillingen die Ermittlungen auf. Wer Hinweise zu dem Verbleib des Mädchens geben kann, der soll sich unter Telefon (0 90 71) 5 60 melden. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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