1. Startseite
  2. Bayern
  3. Augsburg & Schwaben
  4. Kreisbote Füssen

Energiekrise: Gemeinden im Königswinkel arbeiten an Plänen für Herbst und Winter

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Matthias Matz

Kommentare

Schloss Neuschwanstein bei Nacht
Um Strom zu sparen, hat Schwangau die Beleuchtung von Schloss Neuschwanstein bereits 2020 komplett auf LED-Lampen umgestellt. © Archiv/Bumann

Füssen/Landkreis - Angesichts des bevorstehenden Herbst und Winter bereiten die Stadt Füssen und andere Gemeinden im Königswinkel sich für den Ernstfall vor.

Noch bis zum 21. Juli sollen die Wartungsarbeiten an der Gas-Pipeline Nord Stream 1 andauern. Ob Russland danach Deutschland wieder wie zuvor mit Gas beliefern wird, ist ungewiss. Umso größer ist die Sorge, dass es im Herbst und Winter nicht genug Gas gibt. Vor diesem Hintergrund prüfen derzeit viele Städte und Kommunen verschiedene Einsparmaßnahmen.

Auch die Stadt Füssen und andere Gemeinden im Königswinkel bereiten sich für den Ernstfall vor. Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke (CSU) regt vor diesem Hintergrund eine interkommunale Kooperation der EWR-Gemeinden an.

„Wir nehmen die Situation sehr ernst.“ Der Füssener Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) kommt derzeit gefühlt aus dem Krisenmodus gar nicht mehr heraus: Nach dem Fund von Enterokkoken im Trinkwasser mit anschließender Abkochverordnung kamen zwei Jahre Corona-Krise und der Krieg in der Ukraine mit seinen Folgen wie die Koordination der Flüchtlinge oder die Baupreissteigerungen. „Und nun folgt die vierte Krise innerhalb von drei Kalenderjahren, die Energieversorgung“, stöhnt Eichstetter. Deren Sicherstellung im Winter werde die größte Herausforderung nach Corona. „Aus diesem Grund bereitet sich auch die Stadt intensiv auf einen möglichen Energienotstand im Herbst und Winter vor.“

Im Füssener Rathaus könnte es kalt werden

So habe die Verwaltung bereits einen Krisenplan aufgestellt. Es müsse aber trotzdem jedem klar sein, „dass wir uns nicht autark versorgen können und auf externe Energie angewiesen sind und noch für sehr lange sein werden“, so Eichstetter.

Konkret werde derzeit geprüft, wo Strom gespart werden kann. Als Beispiele nennt Eichstetter die Beleuchtung für das Hohe Schloss oder Teile der Straßenbeleuchtung mit ihren 3000 Laternen. Allein bei der Straßenbeleuchtung geht der Verwaltungschef für dieses Jahr von Mehrkosten in Höhe von 90.000 Euro gegenüber dem Vorjahr aus. Deshalb werden diejenigen Laternen, die sich sonst um 23 Uhr ausschalten, mittlerweile um 22 Uhr abgestellt. Der Rest werde auf 20 Prozent Leistung gedimmt.

Grundsätzlich sieht er dort, wo der Betrieb mit Strom läuft, aber keine Probleme. „Die EWR Reutte können hier mit einer 100-prozentigen Liefersicherheit dienen.“ Auch die Einsatzbereitschaft von Feuerwehr, Bauhof und Verwaltung sei sicher gestellt. Das gelte auch für die Wasserversorgung durch die Stadtwerke. Diese werde mit Strom betrieben und sei somit unabhängig von Gas.

Das gilt jedoch nicht für die Heizung im Betriebsgebäude der Stadtwerke. Hier müsse im Notfall eine andere Lösung gefunden werden oder die Mitarbeiter eben vorübergehend ohne Heizung auskommen. Ähnlich ist die Situation im Rathaus. „Als denkmalgeschütztes Gebäude ist eine Versorgungsumstellung von Gas auf andere Quellen sehr herausfordernd“, erklärt er. „Somit Jackenbetrieb für den Bürgermeister und die Mitarbeiter.“

Beeinträchtigungen zur Folge hätte ein Mangel an Gas auch den Bundesstützpunkt. In den Hallen 1 und 1 müsste auf Heizung und Warmwasserbereitung verzichtet werden. Härter würde es die Arena treffen. Im Gegensatz zu den Hallen läuft die Entfeuchtung dort mit Gas. „Hier müssten wir dann abtauen, damit das Gebäude bzw. die Holzkonstruktion keinen Schaden davon trägt.“

Haf bleibt noch gelassen

Vorerst gelassen bleibt der Pfrontener Bürgermeister Alfons Haf (Pfrontner Liste). „Noch befürchte ich keine Schwierigkeiten“, so Haf auf Anfrage „Die Stromversorgung ist durch das E-Werk Reutte mit einem sehr hohen Anteil an Wasserkraft gut gesichert.“ Zudem verfüge die Gemeinde über viel Holz für die Heizung als Alternative bzw. Zusatz sowie andere speicherbare Brennstoffe. Allerdings seien alle herkömmlichen Heizmittel aktuell unverhältnismäßig teuer. Haf geht deshalb davon aus, dass sich die Kombination aus Photovoltaikanlage und Wärmepumpe künftig verbreiten wird.

Dennoch sind auch in der 13-Dörfer-Gemeinde konkrete Schritte geplant oder werden bereits umgesetzt. So wird laut Haf schon jetzt die Straßenbeleuchtung eine Stunde früher als bisher gedimmt und die Natriumdampflampen gegen sparsame LED-Lampen ausgetauscht. Ferner werde jede Baumaßnahme auf energetische Verbesserungen ausgerichtet. „Im Bauhof schaffen wir ein E-Lastenfahrrad an“, so der Rathauschef weiter. Darüber hinaus soll das Freibad heuer früher geschlossen werden. „Das Freibad werden wir voraussichtlich zum Ferienende schließen, da die kalten Nächte viel Gas kosten.“

Sorgen wegen ABC-Bad

Im Nesselwanger Rathaus geht man ebenfalls davon aus, dass es im Herbst und Winter zu Einschränkungen kommen kann. „Wir hoffen jedoch darauf, dass sich die Situation in einem erträglichen Rahmen stabilisieren und die Regierung Maßnahmen ergreifen wird, um Bürger und Betriebe zu schützen“, so Bürgermeister Pirmin Joas (CSU). Die Marktgemeinde selbst versuche fortlaufend unabhängig von der aktuellen Situation Energie einzusparen. „Daher ist das Potential sicherlich beschränkt.“

Dennoch sei man bestrebt einen Beitrag zu leisten. So sei etwa die Temperatur im Warmwasseraußenbecken des ABC-Bades im Rahmen des Notfallplans Gas gesenkt worden. Derzeit suche man mit dem Betreiber intensiv nach Lösungen für das besonders energiehungrige Bade-Center. „Wir stehen aber klar zu unserem Bad“, betont Joas.

Sein Kollege Stefan Rinke (CSU) aus Schwangau spricht indes davon, dass es außer der Daseinsvorsorge bei den Sparmaßnahmen keine Tabus mehr gebe. Ferner regt er eine interkommunale Zusammenarbeit der EWR-Gemeinden an. „Insgesamt wird es von der weiteren Entwicklung der Energiekrise abhängen, wie hart die Sparmaßnahmen ausfallen werden.“

Die Gemeinde sei jedenfalls willens, ihre Sparanstrengungen zu verstärken. Die Verwaltung habe die EWR gebeten, weitere Einsparmaßnahmen vorzubereiten. „Dazu gehören beispielsweise mit der sogenannten Halbnachtbeleuchtung bereits um 22 Uhr anstatt wie bisher um 23 Uhr zu beginnen”, so Rinke. Die reduzierte Beleuchtung soll für den Rest der Nacht bleiben. Selbst in den Morgenstunden soll künftig kein Hochfahren der Leistung mehr erfolgen. Die kommunalen Einrichtungen seien zudem aufgefordert, trotz erster Maßnahmen in der Vergangenheit zusätzliche Energiesparpotenziale zu suchen und zu nutzen.

Ferner werde im Zuge der Erweiterung des Kindergartens St. Tosso ein Energiekonzept erstellt. „Das betrifft auch Einsparungen bei Beleuchtung, Heizung oder Warmwasser.“ Gespart werden muss auch bei der Tegelbergbahn. „Dort soll die Beschneiung der Skilifte nur noch eingeschränkt erfolgen.“ Froh ist er, dass die Kommune bereits vor Jahren die Weichen in Richtung Energieeffizienz gestellt habe. Unter anderem sei bereits 2020 die Außenbeleuchtung von Schloss Neuschwanstein ausgetauscht worden (der Kreisbote berichtete). „Die LED-Strahler verbrauchen nur so viel Energie wie drei Bügeleisen.“

Auch interessant

Kommentare