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Neues Wohngebiet im Weidach: Stadträte billigen Aufstellung des Bebauungsplans O 75 Weidach-Nord 2

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Von: Katharina Knoll

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Satellitenaufnahme vom Weidach in Füssen.
Auf der grünen Wiese zwischen dem Hotel Sommer und den schon existierenden Wohngebieten im Weidach soll ein neues Wohngebiet mit insgesamt 55 Gebäuden entstehen. © Google Satellit

Füssen - Die Planungen für das neue Wohngebiet gehen weiter: Einstimmig hat der Stadtrat die Aufstellung des Bebauungsplans O 75 Weidach-Nord 2 beschlossen.

Wie gut passen Wunsch und Wirklichkeit zusammen? Dieser Frage hat sich in der vergangenen Woche dem Stadtrat gestellt, als es um das geplante Wohngebiet im Weidach ging. Nachdem der Stadtrat in seiner Novembersitzung das Projekt grundsätzlich befürwortet hatte, billigte er nun einstimmig die weiter ausgearbeiteten Entwürfe, das Aufstellungsverfahren für den Bebauungsplan O 75 Weidach-Nord 2, die Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) und die öffentliche Auslegung der Unterlagen. Doch vor allem bei der Anzahl der geplanten Einfamilienhäuser, der künftigen Breite der Weidachstraße sowie der Anzahl der Besucherstellplätze schieden sich die Geister.

In dem neuen Wohngebiet sollen 55 Gebäude, davon maximal 28 Einfamilienhäuser entstehen. Das fand Christine Fröhlich (FWF) relativ viel. Gleicher Ansicht war Ilona Deckwerth (SPD). „Aus ökologischen und sozialen Gründen heraus ist ein Einfamilienhaus am schwierigsten.“ Deshalb sollte die Stadt diese Anzahl minimieren. „Wir müssen die Zeichen der Zeit sehen“, forderte die SPD-Stadträtin.

Doch das gehe an der Wirklichkeit der Füssener vorbei, erwiderte Jürgen Doser (FWF). „Es ist keine bundespolitische Debatte, wie viel Bedarf in Füssen da ist.“ Aktuell liegen bereits 78 Anfragen für dieses Baugebiet vor, erklärte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). „Alle davon nehmen an, dass sie ein Einfamilienhaus bauen können.“ Und das am besten auf einem 500 bis 600 Quadratmeter großen Grundstück. „15 können wir bieten und keines davon hat 600 Quadratmeter.“

Die 13 anderen Grundstücke, auf denen Einfamilien- oder auch Doppelhäuser entstehen können, sind für die Eigentümer vorgesehen, die ihre Grundstücke für das neue Wohngebiet an die Stadt verkauft haben. „Wir haben allen zugesagt, dass sie 30 Prozent (der Fläche – Anmerk. der Red.) haben dürfen“, erklärte Hauptamtsleiter Peter Hartl. Das sind jeweils ca. 550 Quadratmeter ergänzte der Bürgermeister. „Das ist durchaus üblich und bereits beurkundet. Wir müssen das akzeptieren. Für uns gibt’s keine Alternative“, so Hartl weiter. „Entweder wir gehen da mit oder das ganze Wohngebiet fällt“, fügte der Rathauschef hinzu. Außerdem werde Füssen in absehbarer Zeit keine weiteren Flächen für ein Wohngebiet haben, da bleibe nur noch die Innenverdichtung.

Daneben sollen auf dem Gelände 109 bis 122 Wohneinheiten gebaut werden. „Elf Prozent davon sind reine Einfamilienhäuser. Verdichteter geht’s fast gar nicht mehr“, meinte Architekt Franz Arnold. Um die Häuser vor Hochwasser zu schützen, muss das Erdgeschoss außerdem mindestens 784 Meter über NN liegen. „Das ist das Höchste was geht“, sagte Arnold und verwies auf Abstimmungen mit dem Landratsamt. Auf dieser Höhe liege der Staudamm in Roßhaupten. „Wir sind einen Meter höher als das Hochwasser von 1999.“

Schmalerer Gehweg

Weitere Diskussionen löste die geplante Verschmälerung der Weidachstraße von sechs auf 5,5 Meter aus, um den Verkehr dort zu beruhigen. Das war eine der Anforderungen für die künftige Gestaltung, nachdem sich Anwohner beschwert hatten, dass dort zu schnell gefahren werde, erinnerte Eichstetter. „Die Geschwindigkeit hängt von der Fahrbahnbreite ab. Das ist der wesentliche Punkt“, erklärte Arnold.

Doch Doser und Thomas Meiler (CSU) waren 5,50 Meter zu schmal. Schließlich sei die Weidachstraße eine der beiden Hauptverbindungen für die Bewohner im Weidach, sagte Doser. Staut sich der Verkehr im Sommer auf der Sebastianstraße am Pulverturm, bleibe diesen nur die Route über die Weidachstraße. Mittlerweile parken und radeln hier viel mehr als noch vor zehn Jahren, so dass überhöhte Geschwindigkeiten nicht mehr das Problem sei, meinte Doser. Und auch von dem Plan, die Straße am Bootshafen auf 4,50 Meter zu verschmälern, hielt er nichts.

Weiter sehen die Entwürfe vor, den überbreiten Gehweg entlang der Weidachstraße von 2,60 Metern auf 2,12 Metern zu verschmälern. Zwei Meter breit soll der Gehweg auf der anderen Straßenseite werden. Bei der SPD stieß das auf Kritik: „Ich bin konsterniert, in welche Richtung die Debatte geht“, zeigte sich Deckwerth bestürzt. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum wir die Straße wieder verbreitern.“ Das entspreche einer Straßenplanung aus den siebziger Jahren hin zu einer autogerechten Stadt. Die aktuellen Entwürfe ermöglichen ein Befahren der Straße, zeigen dabei aber gleichzeitig auf, dass die Bewohner Vorrang haben. „Ich bitte darum, die Straße nicht auf Kosten des Gehwegs zu verbreitern. Das ist der völlig falsche Weg.“

Auch ihr Fraktionskollege Erich Nieberle konnte nicht nachvollziehen, warum man jetzt die Straße wieder verbreitern wolle. „Der Planer hat den Auftrag hervorragend umgesetzt. Damals war man sich einig.“ Doch mit knapper Mehrheit von 13:9-Stimmen sprach sich das Gremium am Ende dafür aus, dass die Weidachstraße durchgehend sechs Meter betragen soll und die Gehwege wie vorgestellt umgestaltet werden. „Das heißt nicht, dass die Straße nicht verengt wird“, meinte Eichstetter und hatte dabei Blumenkübel oder dergleichen im Blick.

Keine Festlegung

Auch mit ihrem Antrag, ein Blockheizkraftwerk zur Energieversorgung zu prüfen, scheiterte die SPD-Fraktion. Das funktioniere nicht, weil die ursprünglichen Grundstückseigentümer, die im Wohngebiet bauen wollen, da nicht mitgehen. „Sie wollen sich nicht binden, wie sie ihre Energieversorgung regeln“, erklärte Eichstetter. „Sowohl aus ökologischer als auch wirtschaftlicher Sicht ist eine Nahwärmeversorgung nicht sinnvoll, weil der Hauptabnehmer fehlt“, ergänzte Stadtrat Doser. Welche Möglichkeiten es für eine umweltfreundliche Energieversorgung in dem Gebiet gibt, soll nun der Umweltbeirat diskutieren und dann in der nächsten Sitzung vorstellen.

Zu viele Stellplätze?

Mehrheitlich grünes Licht gab es auch für die 32 Besucherstellplätze, die für die Mehrfamilien- und Reihenhäuser entlang der Weidach- und den Wohnstraßen entstehen sollen. Für Stadträtin Fröhlich kam diese Diskussion allerdings zu früh. „Wir wollen bezahlbaren Wohnraum machen. Wir wissen noch nicht, mit wem.“ Weil sich dadurch vielleicht ein geringerer Stellplatzschlüssel ergebe, müsse man das zuerst klären, meinte sie und verwies auf die Wohnungen in der Hiebelerstraße. Dort sei sozialer Wohnungsbau entstanden, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. „Das ist noch ein weitergehender Maßstab als wir das hier haben.“ Außerdem habe eine Nachfrage beim Landratsamt ergeben, dass auf die elf Wohnungen dort 19 Autos angemeldet seien, ergänzte CSU-Stadtrat Christoph Weisenbach. „Sozial geförderter Wohnungsbau hat nichts damit zu tun, dass man weniger Autos hat.“

Ein anderes Problem mit den Stellplätzen hatte Wolfgang Bader (Grüne). „Wir unterwerfen uns wieder der Stellplatzordnung“, ärgerte er sich. „Warum brauchen wir 25 Prozent Besucherstellplätze, wenn ein paar Meter weiter zwei große öffentliche Parkplätze sind.“

Doch auf einem kostenpflichtigen Parkplatz wird kein einziger sein Auto abstellen, wenn er seine Eltern im Weidach besuchen will, meinte Eichstetter. „Es ist gut, wenn wir Parkplätze reduzieren. Aber an der Stelle ist das fehl am Platz.“ Das sah auch Doser so. Hier treffen erneut Wunschdenken und Wirklichkeit aufeinander, meinte er. „Besucher parken vor dem Haus. Wenn wir Parkplätze reduzieren, dann reduzieren wir sie in Schriftform. Die Autos werden trotzdem da stehen.“

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