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75 Jahre Neugablonz: Ein Ort zum Leben für Alt und Jung

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Von: Ingrid Zasche

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Barbara Billy Bürckner 1995 mit rotgefärbten Haarenbei einem Auftritt des Neugablonzer Kinderchores
Barbara Billy Bürckner 1995 mit rotgefärbten Haaren in der Mitte vor dem Mikrofon bei einem Auftritt des Neugablonzer Kinderchores unter der Leitung von Achim Jung. © Privat

Kaufbeuren/Neugablonz – 2021 wurde die Erfolgsgeschichte des Vertriebenenorts Neugablonz 75 Jahre alt. Vom 9. bis 12. September soll das mit dem „Neugabiläum“ gebührend gefeiert werden. Seit seinen Anfängen hat sich in Neugablonz viel verändert. Der Kreisbote lässt stellvertretend für die bunte Menschenvielfalt, die hier eine Heimat gefunden hat, acht ganz unterschiedliche Neugablonzer Bürger zur Wort kommen. Sie haben als Vertriebene oder aus beruflichen Gründen Neugablonz als Wohnort gewählt, sind hier aufgewachsen oder gar zur Welt gekommen. Teil sieben der Serie bestreitet die freischaffende Künstlerin Barbara Billy Bürckner, Jahrgang 1985.

Barbara Billy Bürckner ist die Tochter des Neugablonzer Arztes Dr. Georg Bürckner und seiner Frau Dorit, der Tochter von Susanne Rössler. Diese war unter anderem die federführende Mitherausgeberin der großen Neugablonz-Chronik. Nach der Grundschule in Neugablonz besuchte Barbara Billy die Staatliche Realschule in Kaufbeuren und die FOS in Augsburg. Von 2006 bis 2009 machte sie ihre Ausbildung zur Bühnenplastikerin am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

Von 2009 bis 2014 absolvierte sie ein Studium der Freien Kunst, Bildhauerei und Public Art an der Hochschule der Bildenden Künste (HBKsaar) in Saarbrücken. 2016 schloss sie via Skype ihr Studium als Meisterstudierende der Freien Kunst bei Prof. Georg Winter ab. Nach der Rückkehr nach Neugablonz schuf sie 2018 exklusiv für das geschichtsträchtige Sparkassengewölbe in Kaufbeuren die viel beachteten Raum-Installationen „basement stories“ (Kellergeschichten), wobei auch ihre Dendriten-Schmuckserie entstand.

Während eines Auslandssemesters in Istanbul im Rahmen des ERASMUS-Programmes zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit lernte sie ihren Mann kennen, einen Software-Entwickler. Inzwischen arbeitet „BBB“ als freischaffende Künstlerin sowie in Teilzeit als Fachgebietsleiterin für Kultur/Beruf/Teilbereiche Gesellschaft an der vhs Ostallgäu Mitte, was ihr viel Freude bereitet. Zudem hat sie sich als Gründerin und Inhaberin von „Windflug“ selbständig gemacht. Hier gestaltet sie persönliche Urnen in Kombination mit einem Andenken-Kunstwerk im gleichen Stil.

Frau Bürckner, wann und wie sind Sie nach Neugablonz gekommen?
Barbara Billy Bürckner: Ich bin ja hier aufgewachsen. Ausbildungszeit und Studium verbrachte ich in Hessen, Saarbrücken und Istanbul. Zwei Jahre lebte ich dort mit meinem Mann. Vor der Hochzeit haben wir lange überlegt, welcher Ehename für uns am besten wäre. Seiner? Meiner? Ein Doppelname? Als uns der Standesbeamte von Kaufbeuren sagte, es könne auch jeder seinen eigenen Namen behalten, haben wir uns erleichtert für diese Möglichkeit entschieden.

In Istanbul stellten wir schließlich fest, dass Deutschland für uns beide die besseren Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten bietet. Meine Schwägerin hatte bereits einen Job in Deutschland angenommen. Als dann im Haus meiner Großmutter eine Wohnung mit Platz für ein Atelier für mich und für ein Home-Office für meinen Mann zur Verfügung stand, zogen wir 2016 nach Neugablonz.

Wie sah es während Ihrer Kindheit und Jugend in Neugablonz aus?
Barbara Billy Bürckner: In meiner Kindheit gab es viel mehr Wald um Neugablonz, und in den Häusern haben noch viele (für mich) ältere Personen gewohnt. Aber ich habe ja bereits seit der Mittleren Reife ständig woanders gelebt.

Wie hat sich Neugablonz in Ihren Augen seitdem verändert?
Barbara Billy Bürckner: Es hat sich ein großer Wandel vollzogen: Viele junge Familien haben die Häuser gekauft und renoviert. Diese Familien bringen natürlich ganz neue Nutzungen des Stadtteils. Es gibt mehr Freizeitangebote und Einkaufsmöglichkeiten. Aber für Leute in meinem Alter fehlt ganz schmerzlich eine Kneipe wie die „Neue Gabi“ – eine Möglichkeit zum Ausgehen, die weder Spielcasino noch Spelunke ist und gelegentlich auch ein bisschen Kultur und Live-Musik bietet!

Was gefällt Ihnen an Neugablonz?
Barbara Billy Bürckner: In dem Stadtteil wohnen so viele Personen von unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft zusammen, das gefällt mir am besten. Es geht über Multikulti hinaus, wo man nur nebeneinander her lebt, sondern ist fast schon ein interkulturelles Zusammenleben. Es gibt immer wieder Diskussionen um die Nutzung des Stadtteils und Anpassungen an die Bedürfnisse der verschiedenen Personengruppen, und nur deshalb ist eine ständige Weiterentwicklung möglich.

Mir hat auch schon immer die Mischform von Wohn- und Arbeitsgebiet gefallen. Hier sind Wohnen und Arbeiten direkt nebeneinander möglich und dies beeinflusst den Stadtteil positiv, da die vielen Firmen sich viel intensiver mit einer nachhaltigen und nachbarschaftsfreundlichen Produktion auseinandersetzen. Die Arbeitnehmer wiederum sind viel in Neugablonz und beeinflussen mit ihren Bedürfnissen wiederum den Stadtteil positiv.

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