Theater Kulturwerkstatt Kaufbeuren, „Ein Känguru wie Du!“
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Der Tiertrainer (Uwe Amberger, rechts) echauffiert sich über Schwule, und Känguru Django (Klaus Dopfer) hört stirnrunzelnd zu.

Regenbogenfarben für Toleranz

Die Allgäu Pride Week 2021 plädiert für „bunt“

Kaufbeuren – Vergangenes Wochenende wurde die neue regenbogenfarbige Spielzeit der Kulturwerkstatt mit dem Motto „Gefühlsecht“ eröffnet. Das geschah stimmigerweise mit „Ein Känguru wie Du!“ von Ulrich Hub. Denn damit startete nicht nur das Programm der Kulturwerkstatt, sondern auch die Allgäu Pride Week. Da wegen des Unfalls eines Darstellers einige Wochen Probenzeit fehlten, haben Thomas Garmatsch, Uwe Amberger, Jannis Konrad und Klaus Dopfer das sowohl unterhaltsame als auch ernsthafte Familienstück über Diversität kurzerhand als bunt kostümierte szenische Lesung präsentiert.

Eingangs stellten die beiden Vorstände von Allgäu Pride e.V., Christian Schönmeyer und Lena Weixler, den Ende September 2020 gegründeten Verein mit Sitz in Kaufbeuren und dessen Ziele vor: Es soll sich auch außerhalb von Großstädten hier im Allgäu niemand wegen seiner sexuellen Vorlieben unwohl fühlen oder gar verstecken müssen. Zudem soll das Thema LGBTQIA+ (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer/Questioning, Intersex, Asexuell/Aromantisch und alle anderen, sich selbst der queeren Community zugehörig fühlenden Menschen) mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden.

Eine der Aktionen zur Erreichung dieser Ziele ist die 2021erstmals stattfindende Allgäu Pride Week in Kaufbeuren. Es sollen Berührungsängste abgebaut und um Verständnis, Toleranz und Akzeptanz geworben werden. Mit Unterstützung vom Kulturamt der Stadt Kaufbeuren, vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ und von „wood&wire event“ hat der Verein Allgäu Pride ein abwechslungsreiches Programm für die laufende Festivalwoche (seit dem 12., bis 18. September) vorbereitet. Die ersten Tage können bereits als Erfolg gewertet werden: Zum Stammtisch am Montag im „Dicken Hund“ waren über 30 Leute gekommen. „Deutlich mehr als erwartet“, wie Pride-Schatzmeister Florian Bodendörfer erfreut berichtete.

Rege Beteiligung

Auch mit der regen aktiven Beteiligung an der Podiumsdiskussion am Dienstag waren die Veranstalter zufrieden, und bereits im Vorfeld ausverkauft war der Pride-Filmabend am Mittwoch.

Tickets verfügbar

Für die beiden Open-Air-Veranstaltungen – den „Queergarden“ (Biergarten) am Freitagabend im Spitalhof und die Pride-Demo vor dem Rathaus am Samstag mit dem ab 17 Uhr anschließenden Pride-Festival im Spitalhof sind noch Tickets zu haben. Ein Tipp von Bodendörfer: „Im Online-Vorverkauf sind die Karten günstiger!“

Alfred Riermeier, Leiter des Kaufbeurer Jugend- und Familienreferates, befand als Vertreter der Stadt, Kaufbeuren sei unter anderem mit der Unterstützung von Allgäu Pride auf einem guten Weg zur „weltoffenen Kommune“ . Er zitierte Victor Hugo: „Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

„Ein Känguru wie Du!“

Das Auftaktstück „Ein Känguru wie Du!“ passt wie dafür geschaffen zu den Vereinszielen von Allgäu Pride. Ulrich Hub legt in seiner Zirkus-Parabel dem kleinen schwarzen Panther Lucky (Jannis Konrad) und dem kleinen weißen Tiger Pascha (Thomas Garmatsch) Worte in den Mund, die mit unschuldigem Witz Vorurteile entlarven und von jedem Kind verstanden werden. Die beiden handzahmen vegetarischen Raubkätzchen fliehen zunächst aus dem Zirkus, weil sie den Verdacht haben, dass ihr Trainer (Uwe Amberger mit zwerchfellerschütterndem Wiener Akzent) schwul ist – er parfümiert sich, ist weich und gefühlvoll, kann kochen und hat keine Freundin, ist aber trotzdem kein Single.

Unterwegs stellen Lucky und Pascha fest, dass „Freiheit und Abenteuer“ ohne Geld längst nicht so reizvoll sind wie erwartet. Sie treffen das boxende Känguru Django (Klaus Dopfer) und freunden sich mit ihm an. Djan­go hüpft so lange wie verrückt auf seinen Fitness-Känguru-Hüpfschuhen auf der Bühne herum, bis ihm Pascha dezent bedeutet „‘Tschuldigung – wir lesen heute bloß!“. Als Django freimütig erzählt, dass er als schwules Känguru Schwierigkeiten hat, einen Partner zu finden, beschließen die Tiger, ihn mit ihrem Trainer zu verkuppeln. Inzwischen sind sie zu der Ansicht gelangt, dass „Liebe immer schön ist“. Somit sind sie bereit, jedwede sexuelle Vorliebe zu akzeptieren. Der Trainer ist jedoch gar nicht schwul, sondern im Gegenteil massiv voreingenommen. Er widerlegt vehement jedes Indiz, das ihn mit Schwulsein in Verbindung bringen könnte.

Es wäre jedoch kein Familienstück, wenn es nicht schließlich doch ein Happy End gäbe. Das gibt es dann voraussichtlich im nächsten Frühjahr auf der Kulturwerkstattbühne zu sehen. Auf alle Fälle regt das Stück dazu an, gründlich darüber nachzudenken, wie man denn selbst zu LGBTQIA+ steht.

Ingrid Zasche

Quelle: Kreisbote

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