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Ein Werk für Fendt-Talente

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Von: Michael Dürr

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Die neue Lehrwerkstatt bei Fendt in Marktoberdorf.
Die neue Lehrwerkstatt bei Fendt in Marktoberdorf. © Dürr

Marktoberdorf – Pünktlich zum Wochenstart hatten sich die dunklen Wolken über dem Marktoberdorfer Fendt-Gelände weitgehend verzogen. Die Traktorenproduktion konnte nach dem heimtückischen Hackerangriff zumindest in Teilen wieder angefahren werden, die Sonne lachte vom weiß-blauen Himmel, und für die 114 Auszubildenden des Unternehmens gab es einen weiteren Grund zur Freude: Ihre neue Lehrwerkstatt namens TalentWERK ging mit einem bunten Fest offiziell an den Start. Hunderte weiße und grüne Luftballons, die in den Himmel stiegen, waren das weithin sichtbare Zeichen dafür.

Eine knappe Million Euro hat AGCO/Fendt eigenen Angaben zufolge in die Hand genommen, um seinem Nachwuchs einen optimalen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Eingerichtet wurde das TalentWERK in einer ehemaligen Lagerhalle des Elektro-Großhändlers Bürkle in der Gebrüder-Rösle-Straße 1, also nur einen Steinwurf vom eigentlichen Fendt-Werk entfernt. Mit provisorischen Containerelementen erweitert, steht den gewerblichen Fendt-Azubis in ihrem ersten Lehrjahr eine Fläche von insgesamt 1.300 Licht durchfluteten Quadratmetern zur Verfügung. Knapp über 30 gewerbliche Azubis sind es derzeit, die die Halle nutzen, insgesamt stehen nach den Worten von Ausbildungsleiter Simon Mößmer 36 Plätze zur Verfügung. Ausgestattet wurde die Halle mit modernsten, computergesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen, an denen die jungen Leute geschult werden.

Vize-Präsidentin Finanzen Ingrid Bußjäger-Martin (2.v.l.), Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (links) und Janik Maier von der Azubi-Vertretung.
Sie durchschnitten das rote Band und gaben damit die neue Lehrwerkstatt für die gewerblichen Fendt-Azubis frei: Vize-Präsidentin Finanzen Ingrid Bußjäger-Martin (2.v.l.), Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (links) und Janik Maier von der Azubi-Vertretung. © Dürr

„Eine tolle Werkstatt“ sei in der ehemaligen Lagerhalle entstanden, schwärmte Mößmer bei der Feier. Zu der hatten sich nicht nur sämtliche 114 Auszubildende versammelt, sondern auch zahlreiche (Ehren-)Gäste, angeführt von Landrätin Maria Rita Zinnecker und Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Dieser Besuch belege, so Mößmer, den hohen Stellenwert und den guten Ruf, den die Ausbildung bei Fendt genieße. Diese Einschätzung bestätigten mehrere Auszubildende gegenüber dem Kreisbote. Die Lehre bei Fendt sei „überall anerkannt“, zuweilen „beneidet man uns regelrecht wegen unseres Ausbildungsplatzes bei Fendt“. Janik Maier als stellvertretender Vorsitzender der Azubi-Vertretung sagte es vor den Gästen laut: „Wir sind dankbar und stolz, unsere Ausbildung hier machen zu dürfen.“

Maier erinnerte an die zurückliegenden Monate „voller Planung und Stress“. Schließlich habe man nur sechs Monate Zeit gehabt, um „aus einer kleinen Lagerhalle ein kleines Industriegebäude zu machen“. Die ganze Mannschaft der Auszubildenden habe „das Projekt tatkräftig unterstützt“ und damit „den pünktlichen Start möglich gemacht“. Auch in die Namensgebung der neuen Lehrwerkstatt seien die Auszubildenden eng eingebunden gewesen. Weil bei Fendt „lauter junge Talente gefördert werden“, sei man auf den treffenden Namen „TalentWERK“ gekommen.

Grün-weiße Luftballons stiegen zur feierlichen Eröffnung des Fendt-TalentWERKs in die Luft.
Grün-weiße Luftballons stiegen zur feierlichen Eröffnung des Fendt-TalentWERKs in die Luft. © Dürr

Der pünktliche Startschuss war übrigens bereits zum Beginn des neuen Lehrjahrs gefallen, also zum 1. September 2021. Eine Feier hatte es zu diesem Termin allerdings nicht geben können – wegen der Pandemie. Dies verdeutlichte Ingrid Bußjäger-Martin, die Vize-Präsidentin Finanzen und IT bei Fendt, in ihrer Begrüßungsrede. Vor über zwei Jahren habe „ein kleiner Virus unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt“ - und „auch nicht schön“ sei der Computervirus, der sich unlängst bei Fendt eingeschlichen habe. Bußjäger-Martin verteidigte in diesem Zusammenhang die zurückhaltende Informationspolitik ihres Unternehmens, weil ein Zuviel an Informationen auch noch zum gegenwärtigen Zeitpunkt unter Umständen „sehr viel Schaden anrichten“ könne.

Die Vertreterin der Chefetage bei Fendt hob mit Blickrichtung auf die neue Lehrwerkstatt den Stellenwert des Nachwuchses in ihrem Unternehmen hervor. Schließlich sei „der erste Schritt ins Berufsleben unglaublich wichtig und wertvoll“. Allein die Tatsache, dass man „seit sechs Jahren in Folge Einser-Azubis auf Bundesebene vorweisen“ könne, sei „ein Beweis, dass wir auf einem guten Weg sind“. Bei Fendt gehe es im Rahmen der Ausbildung „darum, neben Wissen auch Werte zu vermitteln, den Fendt-Geist besprechbar zu machen“. Allein die fortschrittliche und hohe Qualität der Produkte („Fendt baut nicht nur Traktoren, sondern ist auf dem Agrarsektor längst ein Full-Liner“) gebe Anlass zum „Stolz, bei Fendt arbeiten zu dürfen“. Ingrid Bußjäger-Martin: „Unsere Firma ist fast schon eine Familie.“

Insgesamt sieben Berufe sind es, die bei Fendt im Rahmen einer Ausbildung erlernt werden können: Im gewerblichen Sektor sind dies Industriemechaniker, Mechatroniker sowie Fachkräfte für Metalltechnik und für Lagerlogistik. Im kaufmännischen und im IT-Bereich Bereich können sich junge Menschen darüber hinaus zu technischen Produktdesignern, Industriekaufleuten und Fachinformatikern verschiedener Richtungen ausbilden lassen. 20 Prozent aller Auszubildenden, so Bußjäger-Martin, sind inzwischen weiblichen Geschlechts.

Wer bei Fendt seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, muss sich um seine unmittelbare Zukunft übrigens keine Sorgen machen: Beim mit über 4.000 Beschäftigten größten Arbeitgeber in Marktoberdorf gibt es, wie Ausbildungsleiter Simon Mößmer gegenüber dem Kreisbote betonte, eine Übernahmegarantie für wenigstens ein Jahr.

Dass man (nicht nur) bei Fendt aber auch ausgesprochen gut daran tut, seinen Nachwuchs im Haus zu halten, verdeutlichte bei der Eröffnung Dr. Christian Fischer von der IHK Schwaben. In absehbarer Zukunft, so führte er den Gästen bei der Eröffnung der neuen Lehrwerkstatt vor Augen, würden allein in Bayerisch-Schwaben mehrere Zehntausend Fachkräfte fehlen.

Sorgen wie diese oder auch wegen des Hackerangriffs hatten bei der Eröffnung des TalentWERKs indes nichts zu suchen. Vielmehr genossen die Gäste die Musik des Bläserensembles Marktoberdorf, erkundeten bei einem Streifzug die neue Lehrwerkstatt und waren sich am Ende darin einig, dass der auf den Shirts der Azubis aufgedruckte Slogan keine hohle Werbephrase ist: „Deine Ausbildung bei Fendt. Läuft!“

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