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Modellbau Härtle setzt auf ein KI-Steuerung und Nachhaltigkeit

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Von: Felix Gattinger

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Härtle-Geschäftsinhaber Matthias Franz vor seiner Verpackungsmaschine „Packsize”
Extrem sparsam und präzise: Härtle-Geschäftsinhaber Matthias Franz vor seiner Verpackungsmaschine „Packsize” im neuen Hochleistungslager in Altdorf. © Gattinger

Marktoberdorf – Fast jeder in der Gegend kennt das traditionsreiche Spielwarengeschäft „Härtle Spiel und Freizeit” in der Marktoberdorfer Innenstadt. Vielen ist es noch aus der Kindheit bekannt. Weitaus weniger Menschen wissen, dass die Firma heute in der Sparte Modellbau zu den größten Fachversendern in Europa gehört. Und weil der Versandhandel seit Jahren immer größere Marktanteile für sich einnimmt, hat die Firma in einer Halle bei Altdorf vor kurzem das derzeit schnellste, effektivste und auch ökologischste Lager- und Verpackungssystem an den Start gebracht. Die Anlage heißt Storojet und wurde von der Innovative Computer GmbH aus Diez an der Lahn entwickelt.

Die sechs Meter hohe Kon­struktion aus Holz und Stahl hat eine Grundfläche von 700 Quadratmetern, doch mit ihren zwölf Ebenen bietet sie 3.000 Quadratmeter Platz für insgesamt 50.000 Lagerfächer. Hier bewegen sich KI-gesteuert mehr als 100 Roboter und transportieren Warenträger, die sie wie kleine, ferngesteuerte Gabelstapler an verschiedene Stationen bringen, wo sie dann von den Mitarbeitern für den Versand bestückt werden.

Diese Roboter sind kaum größer als ein Tintenstrahldrucker für den heimischen PC. Sie bewegen sich auf Rollen und können sich am Ort um die eigene Achse drehen. Die zwölf Ebenen überwinden sie mit Hilfe von sechs Highspeed-Liften an den Seiten der Regalkonstruktion.

Was dem Besucher der Lagerhalle als erstes auffällt, ist, wie leise hier alles vonstatten geht. Da knallt und rattert nichts, kein Rumpeln, kein Gerenne. Was man hören kann, ist eher ein emsiges Schnurren, das von Klicklauten durchsetzt ist, manchmal miaut einer der Highspeed-Lifte auf, wenn ein Roboter die Ebene wechselt. Die Stationen, die von den Robotern mit ihren Warenträgern angesteuert werden, nennt man Ports. Hier führen die Mitarbeiter die von den Kunden im Internet bestellten Warenkörbe zusammen. Dabei müssen sie keine langen Artikelnummern lesen, zuordnen oder gar abtippen. Durch naturgetreue Abbildungen am Computerbildschirm und farbige Lichtsignale wird sofort klar, was wo hin muss und was zusammen gehört. Das alles geht so schnell, dass die Roboter so einen Port bis zu 8.000 mal am Tag anfahren können. Leidige Lieferverzögerungen können so ausgeschlossen werden – sogar im Vorweihnachtsgeschäft.

Die Warenträger der Roboter bestehen aus einem Setzkasten aus Karton und einer Holzplatte darunter.
Die Warenträger der Roboter bestehen aus einem Setzkasten aus Karton und einer Holzplatte darunter. © Gattinger

Warum man bei Modellbau Härtle trotz Versand mit gutem Gewissen bestellen kann, erklärt Geschäftsinhaber Matthias Franz am Beispiel der computergesteuerten Verpackungsmaschine. Ihre Technologie trägt den Namen „Packsize”. Durch die genaue Berechnung von Gewicht und Volumen der Ware sowie durch einen exakten Zuschnitt entsteht ohne Kleben oder Klammern für jede Bestellung ein passgenauer Versandkarton, der beim Transport keinen unnötigen Platz beansprucht. Allein durch diese Technik wird laut Geschäftsinhaber Franz zwischen 30 und 50 Prozent an Transportvolumen eingespart. Das bedeutet weniger Lastkraftwagen zum Ausliefern und entsprechend weniger CO2. In einer Präsentation des Unternehmens ist aufgeführt, dass Anwender der Packsize-Technologie je 100.000 Quadratmeter Wellpappe, ganze 25 Tonnen CO2 einsparen können.

Und auch das Lagersystem folgt dem Prinzip der Nachhaltigkeit. „Bei uns kommt kein neues Plastik mehr zum Einsatz”, berichtet Franz stolz. „Abgesehen von einigen alten Boxen aus früheren Zeiten verwenden wir nur noch drei Materialien: Holz, Metall und Karton.” Das für die Anlage verbaute Holz, so Franz weiter, werde die Innovative Computer GmbH in Form von neu gepflanzten Bäumen der Natur zurückgeben. „Wenn es soweit ist, werde ich mir das natürlich auch anschauen gehen”, sagt Franz. “Einen großen Teil unseres Strombedarfs beziehen wir übrigens über die Photovoltaik auf dem Dach unserer Halle.”

Das neue Lagersystem ist bereits seit August in Betrieb. Nächstes Jahr wird im Foyer der Halle auch noch ein Info-Point für den direkten Kontakt mit Privat- und Geschäftskunden eingerichtet, an dem man sich seine Bestellung, sobald diese versandfertig ist, auch selber abholen kann.

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