Molkereifachmann Winfried Stechele erweckte in harter Arbeit die „alte Käsküche“ in Irpisdorf zu neuem Leben.
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Molkereifachmann Winfried Stechele erweckte in harter Arbeit die „alte Käsküche“ in Irpisdorf zu neuem Leben. Ab Oktober geht für ihn ein Wunschtraum in Erfüllung: Die Käseproduktion läuft an.

Altes Gemäuer zum Leben erweckt

In der „alten Käsküche“ in Irpisdorf soll bald wieder gekäst werden

  • VonKlaus-Dieter Körber
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Pforzen-Irpisdorf – Im Pforzener Ortsteil Irpisdorf verbirgt sich nahezu unbeachtet ein Schmuckstück in altem Gewand. Die dortige „Käsküche“ ist ein äußerst interessantes Gebäude, das ein Stück erhalten gebliebene Heimatgeschichte darstellt.

Im Jahre 1902 auf Gemeindegrund erbaut, stand das Gebäude bis 1919 mit der Kaufbeurer Firma Rehle in enger Verbindung. Anschließend wurde bis 1927 in eigener Regie Käse produziert. Ab 1928 erfolgte eine Zusammenarbeit mit der Alpursa (Bärenmarke) in Biessenhofen. Anschließend diente das Gebäude bis 1979 als Milchsammelstelle. Nach einer Umstrukturierung – die Milch wurde in der Folgezeit per LKW vom Hof direkt abgeholt – hatte die einstmalige Käsküche endgültig ausgedient, wurde nur noch für Abstellzwecke genutzt und fiel in einen wahren „Dornröschenschlaf“. Obwohl es im Jahre 2005 in die Denkmalschutzliste aufgenommen wurde, nagte der Zahn der Zeit unübersehbar an dem alten Gemäuer.

Dorn im Auge

Mit einer gewissen Sorge verfolgten heimatverbundene Mitbürger den sich abzeichnenden Verfall. Vor allem Winfried Stechele, ein engagierter Irpisdorfer, war dieser Zustand ein wahrer Dorn im Auge. Immer wieder stand er vor dem geschichtsträchtigen Gebäude und suchte nach Möglichkeiten, die „alte Käsküche“ vor dem Verfall zu bewahren. Im Mai 2017 war es dann so weit und Stechele machte Nägel mit Köpfen, indem er der Gemeinde Pforzen ein Kaufangebot mit entsprechendem Konzept unterbreitete. Sein Ziel: das Gebäude zu erhalten und seiner ursprünglichen Bestimmung zurückzuführen. Also die Käseherstellung mit angeschlossener Direktvermarktung neu aufzustellen.

Der Pforzener Gemeinderat stimmte zu und so erfolgte im November 2017 der Verkauf. Im Zuge der Dorferneuerung in Irpisdorf passte die Sanierung bestens ins Konzept der Gemeinde und war für diese ein echter Glücksfall.

Mit den Umbau- und Restaurierungsarbeiten konnte dann im Mai 2018, nach so manchen ausgestandenen Planungsschwierigkeiten, endlich begonnen werden. Wie Stechele erklärt, habe er von Anfang an seine wichtigste Aufgabe darin gesehen, das Gebäude in seinem ursprünglichen Zustand und Stil wieder herzustellen.

Selfmademan Stechele

Dabei war neben der Fassade die energetische Erneuerung des Dachs von großer Wichtigkeit. Als wahrer „Selfmademan“ scheute der gelernte, heute 47-jährige Molkereifachmann, keine auch noch so harte und ungewohnte Arbeit, um sein Ziel zu erreichen. „Ohne Motivation und dem nötigen Einsatz finanzieller Mittel wäre das Ganze nie möglich gewesen“, so Stechele. „Aber auch die tatkräftige Mithilfe eines Freundes aus Irsee bei der Restaurierung des Backsteingebäudes war für mich sehr wichtig, genauso wie die Unterstützung der Familie, die stets hinter dem Ganzen gestanden ist“. Als hervorragend bezeichnet Stechele in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt Ostallgäu. Auch die Denkmalschutzbehörde in München war vom vorgelegten Konzept völlig überzeugt und förderte Stecheles Bemühungen, das Gebäude in seinem ursprünglichen Zustand zu erhalten.

Auf die Frage, wie jemand, der seit 31 Jahren als Fachmann im selben Molkereibetrieb tätig ist, plötzlich auf die Idee kommt, die angestellte Tätigkeit eventuell aufzugeben, um in einer höchst ungewissen Zukunft zu landen, erklärt Stechele, dass er sich das gesamte Projekt bis in alle Einzelheiten bestens und gründlichst überlegt habe.

Es habe sich ihm die Chance geboten, einen Wunschtraum in Erfüllung gehen zu lassen, schließlich hatte er die notwendige Molkereieinrichtung schon zu einer Zeit angeschafft, als ihm noch kein geeignetes Gebäude zur Verfügung stand. Mit der „alten Käsküche“ in seinem Heimatort habe sich ihm eine Gelegenheit geboten, die nicht ungenutzt bleiben durfte.

Außerdem sei ein kurzer, aber für Winfried Stechele entscheidender Abstecher in seinem beruflichen Leben in eine Bergkäserei bei Scheidegg von derartiger Bedeutung gewesen, dass er fortan geradezu vom Gedanken besessen gewesen sei, einmal selber Käse zu produzieren und zu vermarkten. Diesem Herzenswunsch wurde alles andere untergeordnet und letztlich mit viel „Herzblut“ in die Tat umgesetzt.

Im Dezember gibt es Käse aus Irpisdorf

Mittlerweile scheinen nun die einstigen „Wunschträume“, eine eigene Käserei betreiben zu können, bald in Erfüllung zu gehen. Nach der Zulassung durch die zuständige Lebensmittelbehörde soll Mitte Oktober diesen Jahres die Produktion anlaufen und Mitte Dezember der erste Käse zum Verkauf angeboten werden.

Quelle: Kreisbote

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