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Lebensretter Darmkrebsvorsorge

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KU Kaufbeuren-Ostallgäu, Darmkrebszentrum.
Die Spezialisten vom Darmkrebszentrum Kaufbeuren: Sabine Michling (v. li.; Patientenmanagement Darmkrebszentrum), Dr. Christina Caroline Schubert (Oberärztin und Co-Koordinatorin Darmkrebszentrum), Prof. Dr. Stefan Maier (Chefarzt Chirurgische Klinik I und Stellv. Leiter Darmkrebszentrum), Prof. Dr. Helmut Diepolder (Chefarzt Medizinische Klinik I und Leiter des Darmkrebszentrums), Dr. Petra Kisselbach (Oberärztin und Koordinatorin Darmkrebszentrum) und Dr. Ernst Wilhelm Horling (Leitender Oberarzt und Senior-Operateur Darmkrebszentrum). © KU Kaufbeuren-Ostallgäu

Kaufbeuren – Darmkrebsvorsorge rettet bereits jetzt viele Leben, sie wird jedoch noch immer zu wenig wahrgenommen. Diese Kernaussage transportieren die Oberärzte Tilman Lilje und Dr. Christina Caroline Schubert vom Darmkrebszentrum Kaufbeuren. Bundesweit nehmen lediglich 20 bis 25 Prozent der Menschen, die einen Anspruch darauf hätten, die präventive Untersuchung wahr. „Im Allgäu liegt diese Zahl leider noch niedriger, da ist auf jeden Fall Luft nach oben“, sagt Lilje. Denn wie so oft, gilt auch beim Darmkarzinom: Je früher es erkannt wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Im Frühstadium gelingt es, bis zu 90 Prozent der Patientinnen und Patienten dauerhaft zu heilen. Idealerweise lässt es sich sogar ganz verhindern.

Denn ein großer Vorteil ist, dass bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) verdächtige Polypen direkt entfernt werden können. Verdächtig heißt, dass diese sich später zum Darmkrebs entwickeln könnten. „Der zuständige Gastroenterologe kann das in einer Sitzung machen und das Gewebe an die Pathologie schicken“, erläutert Lilje. Die Patienten bekommen dann zeitnah den Befund mitgeteilt. Mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin stimmen sie damit beispielsweise ab, ob weitere Maßnahmen notwendig sind beziehungsweise wann die nächste Kontrolle stattfinden sollte.

Ist der Befund positiv für ein Dick- oder Enddarmkarzinom, gilt es weitere Maßnahmen einzuleiten. „Diese Patienten werden dann in unserer Tumorkonferenz vorgestellt“, sagt Schubert. Dabei kommen regelmäßig alle beteiligten Mediziner und Medizinerinnen bis hin zum Hausarzt zusammen und besprechen ihre Patienten. „Dieser Schritt ist wichtig, weil dabei das Behandlungskonzept erarbeitet und vorgestellt wird“, erläutert die Oberärztin weiter. Das sieht in der Praxis so aus, dass der jeweilige Patient mit seiner Krebsdiagnose mit allen relevanten Fachdisziplinen besprochen wird. In den meisten Fällen ist die Situation relativ klar und das weitere Vorgehen schnell festgelegt. Doch die ganze Konferenz von Fachleuten sorgt auch dafür, dass die diffizileren Fälle von allen Seiten betrachtet und diskutiert werden, damit am Ende immer ein von allen getragenes Behandlungskonzept erstellt werden kann. Falls eine Operation erforderlich ist, kann diese häufig schonend mit der „Schlüssellochtechnik“ durchgeführt werden.

Schubert verdeutlicht, warum „nicht nach Schema F“ vorgegangen werden sollte: Liegt der Tumor beispielsweise näher am Enddarm, können Chemotherapie und Bestrahlung vor einem Eingriff nötig sein. Auf diese Weise steige die Chance, den Schließmuskel bei der Operation zu erhalten. Zudem sinkt das Rezidiv-Risiko, also das einer erneuten Krebserkrankung. Tumorkonferenzen und Operationen haben auch während der Corona-Einschränkungen zu jeder Zeit stattgefunden. Die beiden Ärzte ermutigen dazu, auch die Vorsorge in Pandemiezeiten ernst zu nehmen: „In medizinischen Einrichtungen ist man gut geschützt, niemand braucht Sorge zu haben, dort einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt zu sein.“

Doch warum lassen sich bei allen Vorteilen nur so wenige Menschen vorsorglich auf Darmkrebs und seine Vorstufen untersuchen? Schließlich erkranken in Deutschland jährlich rund 65.000 Menschen an Darmkrebs. „Das kann noch immer mit einer weit verbreiteten Scheu zusammenhängen, eine Koloskopie machen zu lassen“, sagt Lilje. Daher wird er nicht müde zu betonten: Eine Darmspiegelung ist schmerzlos und komplikationsarm. Er räumt jedoch ein, dass die Vorbereitung, den Darm sauber zu bekommen, lästig sein könne. Dies ließe sich aber auch bei den Alternativmethoden (CT oder Kernspin) nicht umgehen.

Die beiden Kaufbeurer Ärzte empfehlen die Untersuchung allen ab dem Alter von 50 Jahren. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen ab 50 einmal pro Jahr die Durchführung eines Tests auf verstecktes Blut im Stuhl (immunologischer Okkultbluttest) zur Darmkrebsfrüherkennung. „Dieser ist aber kein Ersatz für eine Darmspiegelung“, betont Schubert. Damit lasse sich zwar im Idealfall in bis zu 70 Prozent ein Tumor erkennen, nicht jedoch Polypen als Vorstufe. Ab 50 Jahren (Männer) beziehungsweise 55 Jahren (Frauen) haben Versicherte Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von mindestens zehn Jahren.

Liegen Risikofaktoren wie die Neigung zu Darmkrebs in der Familie vor, raten Schubert und Lilje, sich auch deutlich früher checken zu lassen. Gleiches gilt, wenn typische Alarmzeichen auftauchen: Blut im Stuhl, Veränderungen des Stuhlgangs wie Verstopfung oder Durchfall, Bauchschmerzen, ungewollte Gewichtsabnahme oder ein Leistungsknick, möglicherweise verbunden mit Fieber. Dann raten die beiden dringend, den Hausarzt zu besuchen, der als erster Ansprechpartner eine zentrale Rolle spielt. Doch kann Darmkrebs auch ohne diese Anzeichen auftauchen, sodass Vorsorge stets besser als Früherkennung bleibt.

Das nach Onkozert zertifizierte Darmkrebszentrum Kaufbeuren behandelt seit über zwölf Jahren Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs. Mehr Informationen gibt es unter www.darmzentrum-kaufbeuren.de beziehungsweise auf den Seiten der Kliniken Ostallgäu-Kauf­beuren.

kb

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