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Die Wäscherei feiert

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Von: Michael Dürr

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Wäscherei
Rund 100 Partygäste feierten mit den Wertachtal Werkstätten die Eröffnung ihrer Wäscherei. Am Rednerpult stand Einrichtungsleiterin Dagmar Rothemund. © Michael Duerr

Marktoberdorf – Die Werkstatt-eigene Band „worksoundmachine“ hatte eben noch den Creedence-Clearwater-Hit „Have You Ever Seen The Rain“ intoniert, eine Stunde später versank die Party tatsächlich im sintflutartigen Gewitterregen. Bis dahin war es aber ein fröhliches Fest gewesen, mit dem die Wertachtal Werkstätten vergangenen Freitag ihre Wäscherei im Herzen Marktoberdorfs eröffnet hatten.

Wie bitte? Eröffnung?, werden sich jetzt die Marktoberdorfer fragen, die mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen. Tatsächlich gibt es die Wäscherei in den Räumen des ehemaligen Bettenhauses Karle bereits seit Mitte Mai 2021, doch konnte dieses Ereignis vergangenes Jahr pandemiebedingt nicht gefeiert werden. So fiel die nachgeholte Eröffnung eben (fast) mit dem ersten Geburtstag des Ladengeschäfts zusammen.

Einrichtungsleiterin Dagmar Rothemund konnte dafür mit dem einen Jahr Erfahrung im Rücken berichten, dass die Wäscherei mit ihren acht Beschäftigten „sehr gut angenommen worden“ sei: Sowohl von der Kundschaft als auch – und das war der Chefin wichtig zu betonen – von den Nachbarn wie den Cafés Muckefuck und Greinwald, dem Hörgeräte-Akustiker Zengerle Riederer, dem Robotik-Startup azero und der vhs. Rothemund: „Wir fühlen uns sehr wohl inmitten unserer tollen Nachbarschaft.“

Vor den rund 100 Partygästen skizzierte die Mitarbeiterin des Lebenshilfe-Vereins die lange Standortsuche bis zur Eröffnung der Wäscherei, die bis Frühjahr 2021 beengt im Industriestandort der Wertachtal Werkstätten in der Johann-Georg-Fendt-Straße untergebracht gewesen war. Die Anmietung der Räume im Bettenhaus Karle „wäre zunächst fast am Geld gescheitert“. Man habe sich aber nochmals „mit Vermieterin Martina Karle zusammengesetzt und eine Lösung gefunden, die beide Seiten zufrieden stellt“.

Diese Lösung besteht in einer großzügig bemessenen Ladengeschäftsfläche, weshalb im ehemaligen Bettenhaus Karle jetzt nicht nur die Wäscherei untergebracht ist. Vielmehr ist dort auch ein eigener Verkaufsbereich für die eigenen Produktlinien und Eigenmarken der Wertachtal Werkstätten entstanden. Ob bunte Trachtenröcke, vielfältige Holzspielzeuge und -präsente oder Bio-Produkte wie Gewürze, Kekse, Müslis oder Essig- und Senfkreationen: „Für jeden Geschmack ist etwas geboten.“ Nicht zuletzt werden auch Produkte der Kunden präsentiert, die als Auftragsarbeiten in den Wertachtal-Werkstätten produziert werden.

Das politische Vorhaben der Inklusion zu realisieren setzt nach den Worten von Chefin Rothemund voraus, Räume für Begegnung zu haben. „Unsere Wäscherei schafft Räume für Begegnung“, betonte sie, „wir sind froh, dass wir dank der Unterstützung von Martina Karle die Chance bekommen haben, mitten in der Stadt Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen.“

Ins gleiche Horn stieß Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, indem er auf das neue Wohnheim mitten auf dem Marktplatz verwies, wo gerade 19 neue Plätze für gemeinschaftliches Wohnen entstehen. Der Rathauschef bedankte sich im Übrigen ebenso artig wie schmunzelnd bei der Hausherrin „für meine Beförderung“. Zur Erklärung: Dagmar Rothemund hatte Hell in ihrer Begrüßungsrede kurzerhand zum Füssener Bürgermeister gemacht, „weil ich“, wie sie entschuldigend lachte, „nicht ablegen kann, dass ich Füssenerin bin“. Wobei die ganze Wahrheit die ist, dass sie ursprünglich aus Ulm stammt, wie sie dem Kreisbote gestand.

Die Partygäste auf der Salzstraße, unter ihnen auch CSU-Bezirksrätin Ursula Lax und Karle-Seniorchefin Jutta, störte all das indes herzlich wenig. Sie ließen es sich bei Speis und Trank lieber gut gehen und schwoften zur Musik der worksoundmachine. Die sieben Mann starke Band der Wertachtal Werkstätten mit ihrer Leadsängerin Michelle hatten nicht nur Songs für Regentage im Gepäck, sondern auch Klassiker wie „Country Roads“ und „Es geht mir gut“ von Marius Müller-Westernhagen. „Wir üben nur einmal in der Woche“, berichtete Sänger Michael dem Kreisbote, „jeden Montag ist Probe.“ Er habe bereits einen Song selbst geschrieben: „Er heißt Aeroplane.“ Die Band sei 2018 an den Start gegangen, manche Mitglieder machen freilich schon viel länger Musik. Alex etwa, der bereits „seit fast 15 Jahren Schlagzeug spielt“. Zum Auftakt der Einweihungs- und Geburtstagsparty hatte es einen waschechten Rap gegeben, passend zum Thema der fröhlichen Sause unter Freunden: „Heut feiert die Wäscherei, und ihr seid mit dabei!“

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